ZDFzeit: Geh doch nach drüben!

Wo lag das bessere Deutschland?

Wo lag das bessere Deutschland - in der BRD oder in der DDR? Darf man Demokratie und Diktatur überhaupt miteinander vergleichen? Diese Fragen stellen sich die Schauspieler Lara Mandoki und Constantin von Jascheroff. Die beiden Wendekinder vergleichen 25 Jahre nach dem Ende der deutschen Teilung die beiden Systeme im Praxistest: Was funktionierte gut, was schlecht und wo gab es Parallelen, die uns heute vielleicht nicht mehr bewusst sind.

  • ZDF, Dienstag, 10. März 2015, 20.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Dienstag, 10. März 2015

    Texte

    Sendetermine 

    Dienstag, 10. März 2015, 20.15 Uhr
    ZDFzeit: Geh doch nach drüben!
    Teil 1: Wo lag das bessere Deutschland?

    Dienstag, 17. März 2015, 20.15 Uhr
    ZDFzeit: Geh doch nach drüben!
    Teil 2: Wo lag das bessere Deutschland? 

    Film von Karlo Malmedie und Kristin Siebert

    Redaktion: Ulrike Grunewald, Carmen Peter

    Geh doch nach drüben! 

    Demokratie und Diktatur - darf man BRD und DDR überhaupt miteinander vergleichen? Das fragen sich die Schauspieler Lara Mandoki und Constantin von Jascheroff. Beide sind kurz vor dem Mauerfall geboren - sie im Westen, er im Osten. Fünfundzwanzig Jahre nach dem Ende der deutschen Teilung unternehmen die beiden Wendekinder den Vergleich der Systeme: Was war gut, was war schlecht in der alten Bundesrepublik und in der DDR? Wo gab es Parallelen, die uns heute vielleicht nicht mehr bewusst sind?

    Zwei junge  Deutsche, die dem Lebensgefühl von damals nachspüren: Alltagssorgen und Urlaubsfreuden, Sportrekorde und Wirtschaftspleiten, rebellische Jugend und sexuelle Befreiung, Nazi-Erbe und Neuanfang, Kalter Krieg und heiße Liebe.

    Mit exklusivem Archivmaterial und vielen privaten Bildern zeigt der Film, wie unterschiedlich die Menschen in Ost und West aufwuchsen, wie Kommunismus und Kapitalismus sie prägten. Zeitzeugen wie Udo Lindenberg, Uschi Glas, Katja Ebstein, Roland Jahn, Hans Dietrich Genscher, Antje Vollmer, Wolfgang Bosbach, Rainer Eppelmann und Honecker-Anwalt Friedrich Wolff erzählen von ihren Erlebnissen und zeichnen ein persönliches, aber auch aussagekräftiges Bild der beiden deutschen Staaten.

    Lara Mandoki und Constantin von Jascheroff machen den Praxistest und probieren aus, wie es ihnen ergangen wäre, wenn sie im geteilten Deutschland aufgewachsen wären: Wie fahren sich VW Käfer oder Trabant P50? Wie fühlt es sich an, einen Fluchttunnel unter der Mauer zu graben? Was machte Brigit Bardot damals so sexy? Und warum gab es im Osten ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl? Ein historisches Duell der beiden Deutschlands - mal ernst, mal augenzwinkernd.

    "Das Alltagsleben in Ost und West mit einem Augenzwinkern betrachten" 
    Interview mit Filmautor Karlo Malmedie

    2015 steht auch im Zeichen von 25 Jahre Deutsche Einheit. Warum bietet sich ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der zwei deutschen Staaten ein Praxistest an, um zu ermitteln, wo das bessere Deutschland lag?

    Demokratie und Diktatur kann man natürlich nicht miteinander vergleichen. Aber in beiden deutschen Staaten haben Menschen gelebt, geliebt, gelacht und mit den Verhältnissen gehadert. Und an diesen Alltagserfahrungen setzt unser Praxistest an: Was war an der DDR liebenswert, was hat dort funktioniert und was nicht? Dass dennoch im Hintergrund immer auch das Kriterium der Menschenrechte zu beachten ist, die in der DDR nicht eingehalten wurden, betont in unserer Doku zum Beispiel Roland Jahn, der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen.  Zugleich wird in unseren Filmen deutlich: Sowohl die DDR- als auch die BRD-Bürger haben etwas in den neuen Staat eingebracht: die einen die selbstgewonnene Freiheit, die anderen die parlamentarische Demokratie.

    Eine 1989 in München geborene Schauspielerin und ein 1986 in Ostberlin geborener Schauspieler machen sich auf die Suche nach dem besseren Deutschland. Wie geht das vonstatten?

    Constantin von Jascheroff, den die Zuschauer schon aus der Vorgänger-Doku "Nicht alles war schlecht" kennen, und Lara Mandoki, die Tochter von Musiker Leslie Mandoki, beide um die Wende geboren, sind mit einem Trabbi aus dem Jahr 1959 und einem VW-Käfer aus dem Jahr 1960 unterwegs. "Der Käfer ist das modernere Auto", stellt Constantin von Jascheroff fest, "den Trabbi muss man einfach lieben", findet Lara Mandoki.

    Und mit beiden haben Sie dann auch bekannte Orte der deutsch-deutschen Geschichte angesteuert - und dennoch neue Perspektiven gewonnen, etwa beim Dreh auf dem Brandenburger Tor?

    Dieser Dreh war wirklich etwas Besonderes, man kommt ja eher selten dazu, auf dem Brandenburger Tor gleich neben der Quadriga zu stehen - üblicherweise schaut man zu ihr hoch. Constantin von Jascheroff und Lara Mandoki waren jedenfalls sehr beeindruckt und nutzten die Gelegenheit neben den fast 3,50 Meter hohen Pferden des Vierergespanns nach Ost und West zu schauen. Und sie stellten fest: Wenn man heute in die beiden Himmelsrichtungen guckt, kann man nicht mehr automatisch feststellen, was damals Ost- und was Westberlin war. Entsprechend lautet das Fazit der beiden: Gerade am Brandenburger Tor ist West- und Ostdeutschland bereits wirklich zusammengewachsen.

    Gab es denn während der Dreharbeiten noch andere Aha-Erlebnisse für die Protagonisten?

    Wir waren mit Lara Mandoki in Pydna, der ehemaligen NATO-Raketenstation im Hünsrück, in der Nähe von Kastellaun. Dort wurden als Folge des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 sechs atomsichere Bunker gebaut und 96 abschussbereite Cruise Missiles gelagert, ausgerüstet mit Atomsprengköpfen, deren Auswirkungen ein Vielfaches über  der Bombe von Hiroshima gelegen hätten. Lara Mandoki, die erst geboren wurde, als Ende der 1980er Jahre schon beschlossen war, auch die Mittelstreckenraketen auf der Anlage in Pydna zu verschrotten, war sehr überrascht, dort zu erfahren, wie dicht man damals in West und Ost vor einer Katastrophe stand. Heute findet auf dem Gelände die Nature One statt, eine der größten Techno-Partys Europas.

    "Geh doch nach drüben!" hat Mitte der 1980er Jahre möglicherweise mancher zu den Vertretern der Friedensbewegung gesagt, die damals gegen die Raketenstation Pydna demonstriert haben. Wie wird in Ihrem Film der Sendungstitel erläutert?

    Paul Breitner, der ehemalige Fußball-Nationalspieler, der schon als Schüler gegen autoritäre Lehrer aufbegehrte und auch mal mit Mao-Poster posierte, erzählt zum Beispiel eine Variante, wie der Satz verwendet wurde: Als er mit seiner Mannschaft von einem Fußballspiel in der damaligen Tschechoslowakei zurückkam, sagte der Vereinspräsident an der DDR-Grenze zu ihm: "Geh doch nach drüben!" Dieser Spruch wurde einem in der BRD gerne entgegengehalten, wenn man Kritik an der Lebensweise im Westen übte.

    Und welche Empfehlung hatte in der DDR Konjunktur: Wurde dort aus "Geh doch nach drüben!" ein "Meinst Du, drüben ist es wirklich besser"?

    In der DDR ging es immer darum, drüben den kapitalistischen Feind zu verorten, der "uns" Böses will. Die Propaganda betonte entsprechend, wie gut es die Menschen in der DDR haben, wo es niedrige Mieten und keine Arbeitslosigkeit geben würde. Allerdings haben die DDR-Bürger beileibe nicht alles geglaubt, was ihnen im Neuen Deutschland oder im Schwarzen Kanal erzählt wurde.

    Welche Lebenssituationen in Ost und West sind denn ganz konkret vergleichbar?

    In beiden Staaten fuhren die Menschen gerne in den Urlaub, sowohl die BRD als auch die DDR waren jeweils Urlaubsweltmeister. Der einzige Unterschied: Die Westdeutschen konnten reisen, wohin sie wollten, wenn es der Geldbeutel zuließ. Die Ostdeutschen mussten sich dagegen vornehmlich mit dem Harz, der Ostsee oder dem Balaton begnügen. Aber als "schönste Zeit des Lebens" sind die Ferien auf beiden Seiten wahrgenommen worden.

    Und bei solchen Phänomenen lässt sich die deutsch-deutsche Geschichte dann auch mit einem Augenzwinkern erzählen?

    Das Alltagsleben in beiden deutschen Staaten darf man mit einem Augenzwinkern betrachten, ohne dass dadurch die ernsten Themen ausgeblendet werden. Natürlich hat sich der DDR-Staat immer überall eingemischt, aber in Westdeutschland konnte man sich auch oft fragen, wo mischt sich der Staat eigentlich noch überall ein. Erinnert sei nur an die Zeit des RAF-Terrors. Da gab es überall Kontrollen, der Staat fühlte sich von der zahlenmäßig kleinen Gruppe schwer bedroht und nahm sich das Recht, in viele Privatbereiche einzugreifen.

    Wie den Zweiteiler "Nicht alles war schlecht" haben Sie auch diesen Zweiteiler zusammen mit Kristin Siebert realisiert. Wie funktioniert die Zusammenarbeit? Kümmert sich jeder um einen bestimmten inhaltlichen Part oder wird von der Buchidee bis zur filmischen Umsetzung alles zusammen entwickelt?

    Wir haben beide Zweiteiler komplett gemeinsam entwickelt, gemeinsam geschrieben und gedreht. Mit Blick auf das Thema ergänzen wir uns dabei kongenial: Kristin Siebert ist in der DDR geboren, ich in Bonn.

    Mit Karlo Malmedie sprach Thomas Hagedorn.

    Biografische Angaben zu den Filmautoren

    Karlo Malmedie, Jahrgang 1953 und gebürtiger Bonner, arbeitet als Filmemacher und Produzent. Für das ZDF hat er vor den beiden Zweiteiler "Geh doch nach drüben!" und "Nicht alles war schlecht" die dreiteilige Dokumentation "Reich und obdachlos" realisiert. Karlo Malmedie gehörte Ende der 1990er Jahr zur Moderations-Riege des "ZDF-Mittagsmagazin" und moderierte Anfang der 1990er Jahre für SAT 1 das Sensationsmagazin "Akut" und das Deutschland-Magazin "Quadriga".

    Kristin Siebert, Jahrgang 1980 und gebürtig in Nienburg/Sachsen-Anhalt, ist freie Filmemacherin und Autorin. Vor "Geh doch nach drüben!" und "Nicht alles war schlecht", hat sie für die ARD 2009 bereits die 90-minütige Dokumentation "Meine DDR" realisiert, in 250 Folgen der Spiegel-TV Reihe „Deutschland, deine Geschichte“ die erstaunlichsten Berichte der Kinowochenschau zusammenkomponiert und mit „heute1914 – 100sec vor hundert Jahren“ (ZDF) als Autorin ein neues Format mit entwickelt, das die Geschehnisse aus der Zeit des Ersten Weltkrieges ins Hier und Heute katapultiert.

    Biografische Angaben zu den beiden Protagonisten der Doku

    Constantin von Jascheroff, geboren am 5. März 1986 in Berlin, ist als Schauspieler, Synchronsprecher und Sänger aktiv. Er erhielt 2005 den Förderpreis Deutscher Film für die Hauptrolle des Armin Steeb in dem Film "Falscher Bekenner". Im ZDF war er unter anderem bereits in Folgen der Krimireihen "KDD - Kriminaldauerdienst", "Der Staatsanwalt", "Der Kriminalist" und "Kommissar Stolberg" zu sehen. 2014 war Constantin von Jascheroff als Darsteller und Sprecher in der zweiteiligen "ZDFzeit"-Dokumenation "Nicht alles war schlecht" im Einsatz (Folge 1: DDR - Liebe, Lust und Freiheit", Folge 2: "DDR - Sehnsucht, Trotz und Rock 'n' Roll"). 

    Lara Mandoki, Jahrgang 1989 und Tochter des deutsch-ungarischen Musikers Leslie Mandoki ("Dschinghis Khan"), wurde als ausgebildete Schauspielerin 2012 mit ihrer Hauptrolle im ZDF-Mehrteiler "Die Holzbaronin" einem größeren Publikum bekannt. Im ZDF war sie zuletzt in den Filmen "Inga Lindström - Die zweite Chance", "Rosamunde Pilcher - Alte Herzen rosten nicht", "Mordsfreunde - ein Taunuskrimi", sowie in Folgen der Krimiserien "SOKO 5113" und "Garmisch Cops" zu sehen.

    Infos zu "ZDFzeit" 

    Auf dem Sendeplatz "ZDFzeit" sind am Dienstag um 20.15 Uhr große Primetime-Dokumentationen zu sehen. Neben investigativen, politischen und historischen Filmen werden dort auch verbrauchernahe und informative Themen präsentiert wie etwa in der Testreihe mit Nelson Müller. "ZDFzeit" bietet seit Januar 2012 jährlich rund 35 Produktionen auf dem Sendeplatz am Dienstagabend.

    Fotohinweis und Impressum

    Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131/7016100 und unter https://pressefoto.zdf.de/presse/gehdochnachdrueben!

    Impressum

    ZDF Hauptabteilung Kommunikation
    Presse und Information
    Verantwortlich: Alexander Stock
    Copyright: ZDF 2015

    Weitere Informationen

    Impressum

    Ansprechpartner

    Name: Thomas Hagedorn
    E-Mail: hagedorn.t@zdf.de
    Telefon: 06131/7013802