ZDFzeit: Mit Jubel in die Hölle

100 Jahre Erster Weltkrieg

Viele begrüßten 1914 den Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Kaum einer ahnte, wie mörderisch er wirklich werden würde und dass er das Ende des alten Europa bedeutete.
Die szenische Dokumentation "Mit Jubel in die Hölle"  ist Auftakt einer Reihe von Programmakzenten, die das ZDF zu 100 Jahren Erster Weltkrieg setzt. Tagebücher und Briefe von drei jungen deutschen Soldaten und ihren Angehörigen bilden die Vorlage. Der Film zeigt ihre Haltung zum Krieg, ihre Erfahrungen im zermürbenden Stellungskampf und das Schicksal ihrer Familien. Neben Spielszenen arbeitet er mit kolorierten historischen Filmaufnahmen.

  • ZDF, Dienstag, 25. März 2014, 20.15 Uhr

Texte

100 Jahre Erster Weltkrieg - Vorwort von Stefan Brauburger, Leiter der Redaktion Zeitgeschichte

Im Sommer 1914 brachte das Attentat von Sarajevo das Pulverfass Europa zur Explosion. Die europäischen Mächte rechneten längst mit einem Konflikt und verhinderten nicht, dass er eskalierte. Alle fühlten sich als Angegriffene, keiner als Angreifer. Wie in Berlin begrüßten auch viele Menschen in Wien, Paris und London den Ausbruch des Krieges, von dem noch niemand ahnte, wie mörderisch er wirklich werden würde – und dass er das Ende des alten Europa bedeutete.

Der Weltenbrand begann mit dem Angriff der deutschen Armee im Westen, zunächst noch eher traditionell mit Zangenbewegungen großer Truppenteile, doch dann wendete sich das Blatt. Die anfänglichen Sturmläufe mit "Hurra"-Geschrei, die an die Schlachten des 19. Jahrhunderts erinnerten, erstarben in der Feuerkraft moderner Waffen. Kaum jemand hatte zu Beginn der Kämpfe vorausgesehen, wie verheerend sich technische Erfindungen auf die Kriegsführung auswirken würden, dass das Maschinengewehr und schwere Artillerie in wenigen Stunden ganze Truppenteile auslöschen konnten.

Noch nach 100 Jahren wirken die historischen Kriegsschauplätze beklemmend, die Spuren der Schlachten lassen nur erahnen, was dort Hunderttausende meist junge Menschen erleiden mussten, welchem apokalyptischen Feuer sie in den Laufgräben, geborstenen Festungen und Stellungen ausgesetzt waren. Feldpostbriefe und Tagebucheintragungen aus vielen Ländern sind bewegende Zeugnisse, die erspüren lassen, was Millionen junge Menschen auf den Schlachtfeldern erlebten, sie zeigen aber auch, mit welchem Pathos das große Sterben begann.

Die Aussicht auf den 100. Jahrestag hat viele Historiker motiviert, neueste Forschungen zum Ersten Weltkrieg publik zu machen. Der Verlauf des Weltenbrandes selbst steht dabei weniger im Blickpunkt des Interesses als seine Vorgeschichte: Die alte neue Frage lautet: Wer war schuld an der Katastrophe?  
In den vergangenen Jahrzenten war noch wenig strittig, dass das Wilhelminische Reich letztlich die Verantwortung am Ausbruch des Ersten Weltkrieges trug. Doch relativieren neuere Forschungen jede einseitige Sicht. Christopher Clarks "Schlafwandler" heizen die Debatte darüber an, ob nicht alle beteiligten Mächte in völliger Verkennung der Risiken gemeinsam in die Katastrophe taumelten. Die Auseinandersetzung darüber hat gerade erst begonnen.

Unstrittig ist: Dieser Krieg war ein totaler Krieg, der zahllose Menschenleben an der Front und in der Heimat auslöschte. Es war kein Krieg der Dynastien mehr, es war ein Krieg der Völker, eine Mobilmachung von Massen für ein bis dahin nicht gekanntes Schlachten. Entsprechend hoch sind die Verluste: Mehr als 15 Millionen Tote, mehr als 20 Millionen Verwundete, die Verwüstung ganzer Landstriche, die Vernichtung gigantischer Ressourcen. Und der Krieg stellte Weichen, drückte Europas Zukunft seinen Stempel auf. Wären die Oktoberrevolution in Russland und Hitlers Aufstieg, die menschenverachtenden Totalitarismen des 20. Jahrhunderts ohne den gewaltsamen Epochenbruch im frühen 20. Jahrhundert möglich gewesen? Barg der Erste Weltkrieg nicht den Keim zum Zweiten? Es gibt viele Gründe, an das Geschehen vor 100 Jahren zu erinnern.

Stab und Inhalt

ZDFzeit: "Mit Jubel in die Hölle"

100 Jahre Erster Weltkrieg

Film von Stefan Brauburger und Stefan Mausbach

Dienstag, 25. März 2014, 20.15 Uhr

 

AutorenStefan Brauburger und Stefan Mausbach
FachberatungProf. Dr. Sönke Neitzel
SchnittMatthias Heep
Musik Sergios Roth
SprecherHelmut Winkelmann
Regie/SzeneOliver Halmburger
Kamera/Szene Tobias Corts
Ausstattung/SzeneKatharina von der Linden
Kostüm/SzeneHarry Fakner, Sonnya Ewert
Produktion/Szene  loopfilm GmbH
Produktion ZDF Carola Ulrich und Svenja Berger
RedaktionFriedrich Scherer
Länge45 Min.

 

Inhalt

"Unsere Stimmung ist glänzend, ernst und weihevoll; es ist doch etwas Eigenartiges, wenn man so nahe an dem Tode steht" – es sind verstörende Worte aus dem achtbändigen Kriegstagebuch des jungen bayerischen Offiziers Kurt Hopffer, der auszog, um sich auf den Schlachtfeldern als Held zu beweisen. Noch heute befindet sich seine minutiöse Chronik – ein beachtlicher Dokumentenfund – in Familienbesitz.
Hopffer starb bei Verdun: "Heute ist Himmelfahrt", begann sein letzter Eintrag ins Tagebuch am 1. Juni 1916. Persönliche Aufzeichnungen wie diese, von Soldaten des Ersten Weltkriegs, bilden die Grundlage für den Film von Stefan Brauburger und Stefan Mausbach.

In der szenischen Dokumentation "Mit Jubel in die Hölle" verleihen die Autoren bewegenden Kriegsschicksalen ein Gesicht und eine Stimme. Die Vorlage bilden Tagebücher und Briefe von drei deutschen Soldaten und ihren Angehörigen. So zeichnet der Film ein Bild des Infernos "von unten", spiegelt die persönliche Haltung zum Krieg, die Erfahrungen im zermürbenden Stellungskampf und das Schicksal der Familien aus verschiedenen Blickwinkeln.

Ganz im Stil vergangener Zeiten stürmt der Münchner Offizier Kurt Hopffer mit gezogenem Säbel in die Todeszone zwischen den feindlichen Stellungen, er will Held und Vorbild sein für seine Männer und wird dafür mit höchsten Orden dekoriert. Seine Aufzeichnungen vermitteln das Bild eines jungen Menschen, für den der ehrenvolle Tod für Kaiser und Vaterland wichtiger schien als das eigene Leben.

Ein Rekrut der ersten Tage ist auch der 18jährige Peter Kollwitz. Er musste seinem Vater das Einverständnis, sich freiwillig melden zu dürfen, erst abringen. Bereits im Oktober 1914 wird er an der Front in Flandern tödlich getroffen. Seine Mutter, die Bildhauerin Käthe Kollwitz, die großes Verständnis hatte für die Begeisterung ihres Sohnes und sein Anliegen unterstützte, ist nach der Todesnachricht verzweifelt, verleiht ihrem Schmerz in einem Kunstwerk Ausdruck, mit dem sie dem verlorenen Kind ein Denkmal setzen will, ein Mahnmal gegen den Krieg, sie wird entschiedene Pazifistin.

Der Münchner Jurist Karl Rosner sieht sich von Anfang an als Außenseiter. Für ihn ist der Gedanke, kämpfen zu müssen, ein Albtraum, der Krieg ein sinnloses Gemetzel. "In der Fremde sein bisschen Jugend opfern, für wen eigentlich?", vertraut er seinem Tagebuch an. Rosner wird 1916 durch die Hölle von Verdun gehen und ihr nur mit großem Glück lebend entkommen.

Ein außergewöhnlicher Fund bei der Recherche zum Film - Von Redakteur und Filmautor Stefan Mausbach

Bisweilen hat man bei der Suche nach Lebensgeschichten, die für das Schicksal einer ganzen Generation stehen, besonderes Glück. So bei der Recherche für die Dokumentation "Mit Jubel in die Hölle".
100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs sind Tagebücher und Briefe in einer erstaunlichen Anzahl und Qualität zugänglich oder verfügbar. Umso überraschter waren wir, als wir bei unseren Erkundungen im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München auf einen bewegenden Bericht stießen, der bislang unbemerkt von Historikern und Publizisten geblieben war. Es ist die Geschichte von Kurt Hopffer, einem 22-jährigen Münchner.
Sein Vater hatte zum Andenken an den gefallenen Sohn dessen kurzes Leben auf über 120 maschinengetippten Seiten nacherzählt.

Die Mobilmachung im August 1914 hatte den jungen Berufsoffizier im Königlich Bayerischen 1. Infanterieregiment "König" in Begeisterung und Opferbereitschaft versetzt: "Jetzt habe ich mit dem Leben abgeschlossen. Ich stehe vor Gott, bereit für Kaiser und Reich zu fallen – Es gibt doch nichts Schöneres, Stolzeres und Erhabeneres als den Offiziers-Beruf.", zitiert ihn der Vater.
Der Schilderung ist auch zu entnehmen, dass sein Sohn Kurt mit Ausbruch des Krieges begonnen hatte, regelmäßig Tagebuch zu führen, als "heiliges Vermächtnis" an die Eltern: "In ihm lasse ich Euch restlos zu tiefst in mein Inneres sehen. Es ist Euch gewidmet, denen ich alles verdanke."

Doch wo – fragten wir uns – sind die Tagebücher geblieben, auf die sich der Vater beruft? Sollte der Bericht am Ende das einzige Zeugnis sein, das die Kriegserlebnisse des Sohnes dokumentiert?

Die Suche nach heutigen Verwandten von Kurt Hopffer gestaltete sich zunächst schwierig. Kurt Hopffer war das einzige Kind der Familie. Mit seinem Tod starb auch der Name in direkter Linie aus. Blieb als weiterer Anhaltspunkt der Mädchenname der Mutter. Nur ein Fehlversuch am Telefon, dann meldete sich eine Ansprechpartnerin, die uns weiterhelfen konnte. Eine sehr überrascht klingende Dame wollte wissen, woher wir Kurts Geschichte, die doch nur im engsten Familienkreise kursiere, kennen.
Was wir dann erfuhren, übertraf unsere kühnsten Erwartungen: Alle Briefe und Tagebücher, aber auch Fotos und persönliche Erinnerungstücke wie Orden und der Säbel befänden sich im Besitz ihrer Familie.
Nach einigen Wochen konnten wir die Originale in Augenschein nehmen. Darunter acht in schwarzes Leder gebundene Tagebuchbände, unzählige Briefe, Feldpostkarten, etliche Familienfotos, zudem zahlreiche selbst gezeichnete Gefechtskarten mit verblüffender Detailtreue. Kurt Hopffer hat sein Kriegserlebnis minutiös geschildert.
Auch wir hatten etwas zu bieten, eine Kopie der Aufzeichnungen des Vaters aus dem Münchener Archiv, darüber verfügten die Nachfahren Kurt Hopffers bislang nicht. Dieses Fundstück händigten wird der Familie mehr als 90 Jahre nach der Entstehung des Textes aus.

Die szenische Dokumentation "Mit Jubel in die Hölle" stützt sich neben weiteren Zeitzeugnissen auf die Tagebuchaufzeichnungen Hopffers, erzählt vom Schicksal und von der Haltung eines jungen Mannes im Krieg, die nachdenklich macht und Fragen aufwirft.  

Kurzinformation über die Protagonisten

Peter Kollwitz, Sohn der Künstlerin Käthe Kollwitz, wohnhaft Berlin
(6. Februar 1896, Berlin - 24. Oktober 1914, Flandern)  

Peter, Sohn der Künstlerin Käthe Kollwitz, ist 18 Jahre alt, als der Erste Weltkrieg ausbricht. Zusammen mit seinen Freunden drängt es ihn, sich freiwillig zu melden. Noch nicht volljährig, benötigt er allerdings das Einverständnis der Eltern. Sie erteilen ihm schließlich die Erlaubnis. Die Malerin und Bildhauerin notiert die Empfindungen und Erfahrungen dieser intensiven Zeit in ihr Tagebuch. Sie gewährt Einblicke in ihre intimsten Sorgen und Nöte und verleiht ihren Hoffnungen Ausdruck. Als Peter Ende Oktober 1914 in Flandern fällt, bricht für sie eine Welt zusammen. In der Folge setzt sie sich immer wieder mit dem Krieg auseinander, sucht nach Erklärungen, dass ihr Sohn nicht ohne Sinn gestorben ist. Im weiteren Verlauf des Krieges gewinnt sie immer mehr die Einsicht, dass eine ganze Generation junger Menschen für ein wahnsinniges Völkerschlachten geopfert wurde.
 

Karl Rosner, Jurist, wohnhaft München
(18. Februar 1885, Neustadt an der Waldnaab/Oberpfalz - 21. Februar 1985, München)

Karl Rosner ist Ende 20, als der Krieg beginnt. Rosner hat sein Jurastudium beendet und steht dem Weltenbrand von Anfang an kritisch gegenüber. Er wird zu einer Maschinengewehrabteilung abkommandiert, die zunächst auf dem Balkan stationiert ist. Im Frühjahr 1916 wird sie an die Westfront geschickt, in die Schlacht um Verdun. Seine Eindrücke hält Karl Rosner in seinem Tagebuch fest, das heute im Münchner Hauptstaatsarchiv liegt. Seine Schilderungen der Hölle von Verdun zählen zu den eindringlichsten Zeugnissen, die aus dieser Zeit überliefert sind. Am Ende bewahrt ihn eine Verletzung davor, weiter kämpfen zu müssen. Er wird den Ersten Weltkrieg überleben und später als Jurist arbeiten.

Kurt Hopffer, Offizier, wohnhaft München
(2. Februar 1892, Bamberg - 2. Juni 1916, vor Verdun)

Der Berufsoffizier Kurt Hopffer ist 22 Jahre alt, als der "Weltbrand" ausbricht. Er führt kontinuierlich Tagebuch und schreibt seinen Eltern fast täglich Briefe, in denen er sehr offen seine Erlebnisse und seine Taten schildert. Schon ein halbes Jahr vor Kriegsbeginn notiert er, wie er sich seinen Heldentod vorstellt. Er will, dass seine Eltern auf ihn stolz sind und seinem Familiennamen Ehre machen. Seine Äußerungen zeugen davon, wie sehr es ihn an die Front drängt und wie wenig er den Tod scheut. Eine Haltung, die aus heutiger Sicht befremdlich anmutet, für die damalige Zeit aber durchaus charakteristisch war - vor allem unter Berufsoffizieren. Schließlich, so hieß es , könne man nur im Kampf seine Tapferkeit unter Beweis stellen und Orden verdienen. Hopffer erkämpft sich höchste Auszeichnungen und wird sogar in den persönlichen Adelsstand zum Ritter erhoben.Trotz seiner grenzenlosen Begeisterung für den Kampf und das Leben an der Front, sieht er auch die Abgründe, die der moderne Krieg mit sich bringt. Vor allem vor Verdun lassen seine Schilderungen keinen Zweifel mehr daran, dass dieses Schlachten eine Hölle ist. Kurt Hopffer fällt Anfang Juni 1916 vor Verdun. Seinen Eltern, die stolz auf den Heldentod des Sohnes blicken, hinterlässt er seine gesammelten Tagebücher. (Siehe auch: "Ein außergewöhnlicher Fund bei der Recherche zum Film")

Auszüge aus Briefen und Tagebüchern

Aus Briefen und Tagebuch von Kurt Hopffer, Offizier (2. Februar 1892, Bamberg - 2. Juni 1916, vor Verdun):

Brief von der Somme an die Eltern, 2. Oktober 1914:
"Meine Rekruten, meine Aspiranten riefen mir unter Handwinken begeistert 'Hurra' zu, als wir durch den Wald in die Höhe hinaufstürmten. Meine Leute, die ich erzogen habe, die ich zu Soldaten gemacht habe, durfte ich mit gezogenem Säbel, der das Wappen der Hopffer trägt, mit dem Eisernen Kreuz auf der Brust unter Hurra in die feindliche Stellung führen, als ich die Hände zum Vaterunser faltete. Ich schreibe das nicht um mich zu brüsten – nein bei weitem nicht – aber euch sage ich es, weil es der schönste Moment meines Lebens war, weil ich mich in diesem Moment selbst bezwang, für Deutschlands Ruhm und Größe."

Brief aus Avion  an den Vater, 14. Februar 1916:
"Schwere Tage liegen hinter mir: Angriffe, Gegenangriffe samt schwerer Artillerie-Feuer, aber keine Fußbreit des eroberten Grabens haben wir verloren. Unsere Leute sind keine Menschen mehr, das sind Helden. Für mich aber ist es eine eigentümliche, mich immer von Neuem niederdrückende Empfindung, hinten beim Stabe zu sitzen, die jungen Kräfte auf einem Adjutantenstuhl eintrocknen zu lassen und nicht auch mit vorne bei denen zu sein, die allein den Krieg gewinnen. Lange halte ich das nicht mehr aus. – Ich möchte wieder Soldat, Offizier sein in meinen jungen Jahren, kein Schreiber.

Tagebucheintrag, 25. Mai 1916, vor Verdun:

"Selbständig. Hurra. Endlich bin ich wieder Soldat und Offizier.
Unsere Stimmung ist glänzend, ernst und weihevoll. Es ist doch etwas Ei-genartiges, wenn man so nahe an dem Tode steht. Wie wir vier – Schmitt, Vogel, Grimm und ich – am Abend beisammen saßen, haben wir uns sagen müssen und auch gesagt: In wenigen Tagen ist wohl nur mehr die Hälfte von uns da. – Das ist das Großartige und Erhabene in diesem Kriege."

Brief an den Vater, 31. Mai 1916, vor Verdun:

"Mein Lieber Papa! – Sollte uns Gott lebend aus dieser Toten-Schlucht wieder herausführen, dann dürfen wir sagen, wir haben die Gräuel des Krieges bis auf die Neige gekostet. Seit sechs Tagen keinen Tropfen Wasser mehr, Gesichtsfarbe aschgrau , keinen warmen Bissen, nur ununterbrochen schwerstes  Artilleriefeuer, dass alles erdröhnt und erzittert: gestern auf dem Höhepunkt des Feuers zwischen 7 und 10 Uhr abends als man kein Wort mehr verstand, alles in Rauch und Dampf gehüllt war, brach einer meiner Herren neben mir im Erdloch zusammen. Wir peitschen unsere Nerven mit Alkohol u. Nikotin in die Höhe. In der Nacht musste ich wieder Helden meiner Kompagnie  beerdigen. Vor Rührung zittern oft meine Worte  beim Gebet und bei den paar Sätzen, die ich am Grabe rede, während rechts und links die Granaten zucken. Ich selbst fühle mich physisch und psychisch im Vollbesitz meiner begeisterten Jugendkraft. Herzlichst Dein Kurt."

Aus dem Tagebuch von Karl Rosner, Jurist (18. Februar 1885, Neustadt an der Waldnaab/Oberpfalz – 21. Februar 1985, München)

 4. Juni 1916, vor Verdun:
"Verdun, das blutige Verdun! Niemand von diesen Kälbern, die jetzt tanzen, denkt an die baldige Schlachtbank. Was ist schließlich auch die Sorge um das bisschen Leben wert? Nichts. Kein Ereignis ist sicherer als der Tod. Sterben müssen wir alle einmal. Deshalb freut man sich aber doch seines Lebens und zwar, weil man nicht an die Auflösung denkt. Man tut am besten, jeden Gedanken an den Tod auszuschließen und, wenn er da ist, dies als unerwartetes und abnormes Ereignis aufzufassen."

9. Juni 1916, vor Verdun:
"Die Leute, die gefallen sind, waren liebe Freunde. Man hat in fremden Landen Leid und Freut mit ihnen geteilt und man empfindet ihren Tod fast wie das Ableben naher Verwandter.
Wen mag dereinst die richtende Geschichte für das nutzlose Blutbad von Verdun verantwortlich machen? "

11. Juni 1916, vor Verdun:
"Der Krieg ist die grausamste Gewaltanwendung und zwar nicht nur ge-genüber dem Partner, sondern gegenüber den eigenen Soldaten. Er ist die rücksichtsloseste Despotie gegen wehrlos gemachte Massen, denen die Verfügung über ihr eigenes Leben entzogen ist. Hunderttausende werden auf den Wunsch eines einzigen geopfert. Und diese Massen wissen nicht, ob sie für Recht oder Unrecht kämpfen. Sie haben keinen Einblick in die geheimen Machenschaften der Diplomatie und können nicht kontrollierend auftreten.
So stirbt jemand ohne zu wissen, warum und für wen. Heilig soll der Grundsatz 'Krieg dem Krieg' sein."

25. Juni 1916, vor Verdun:

"Das Gelände bei Verdun ist nichts anderes, als ein stundenweites Massengrab. Man weiß, dass sich die Völker verblutet haben und dass noch Tausende von Soldaten verbluten müssen. Ob man selbst dabei ist?
Schwer, bleischwer legt sich das auf das Gemüt und unter diesem lähmenden Eindruck hat der Geistliche bei seinem Appell an die Seelen leichte Arbeit."

Aus dem Tagebuch von Käthe Kollwitz*, Künstlerin (1867 Königsberg - 1945 Moritzburg)


Berlin, 26. August 1914:
Wie glücklich kommen mir die Menschen vor, die jetzt noch ein kleines Kind haben, wie Lise die Maria. Für uns, deren Söhne hingehen, ist der Faden abgerissen.
Ich denke manchmal, seinen Bräutigam oder auch seinen jungen Mann jetzt zu verlieren, ist nicht so schwer wie seine jungen Söhne zu verlieren. Denn die Zurückbleibende ist jung und nach der Trauer muss die Lebenskraft sich wieder erheben. Aber was Karl und ich verlieren – wenn die Jungen sterben – ersetzt sich nicht mehr.

Berlin,  24. Oktober 1914:
"Die erste Nachricht von Peter. Er schreibt, sie hören schon Kanonendonner. Hans teilt uns den Entschluss mit, dass er sich zum Sanitätsgefreiten hat umschreiben lassen. Wir sind froh darüber.
Ich denke an Peter. Wo ist er? Friert er? Hungert er? Ist er in Gefahr?"

Berlin, 30. Oktober 2014:
 "Ihr Sohn ist gefallen".

Berlin, 6. Oktober 1915:

Mitunter bin ich auch so weit, dass ich in dem Krieg nur den verbrecherischen Wahnsinn sehe. Aber wenn ich dann an Peter denke, so fühle ich auch wieder das andere. Wer nicht das erlebt hat, was wir erlebt haben und mit uns alle die, die vor einem Jahr ihre Kinder hingaben, der kann in dem Krieg nur das Negative sehen. Wir wissen mehr."

Berlin, 11. Oktober 1916:

Nie wird mir das alles klar werden. Wahr ist nur, dass die Jungen, unser Peter, vor zwei Jahren mit Frömmigkeit in den Krieg gingen. Und dass sie es wahrmachten, für Deutschland sterben zu wollen. Sie starben – fast alle. Starben für Deutschland und bei Deutschlands Feinden, Millionen.
Ist es treulos gegen Dich – Peter – dass ich nur noch den Wahnsinn sehen kann im Kriege?

*Zitate aus: Titel Käthe Kollwitz. Die Tagebücher 1908 – 1943. Herausgegeben von Jutta Bohnke-Kollwitz

Ein Krieg so fern und doch so nah - Von Stefan Brauburger, Leiter der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte

In Carspach im Elsass machten französische Archäologen 2012 einen trau-rigen Fund. Ein zerstörter Unterstand aus dem Ersten Weltkrieg war bei Bauarbeiten für eine Autobahn entdeckt worden. Bei der Freilegung fanden die Forscher Überreste von 21 deutschen Soldaten. Neben den Skeletten und Teilen der Ausrüstung wurden auch persönliche Gegenstände wie Geldbörsen, Taschenuhren, Zahnbürsten, Pfeifen, bedruckte Tassen gefunden. Der Leiter der Ausgrabung, Michael Landolt, sprach angesichts der beklemmenden Szenerie von einem "kleinen Pompeij". Weitere Recherchen ergaben, dass es sich um Soldaten des Reserve-Infanterie-Regiments 94 handelt – aus den Garnisonen Eisenach und Weimar. Aufzeichnungen zufolge haben sich die Männer über die Stationierung in jenem vermeintlich "ruhigen" Frontabschnitt gefreut. Doch dann traf eine großkalibrige Granate den als sicher geltenden "Kilianstollen", die Schutzsuchenden wurden lebendig begraben. Ein Schicksal, das viele Soldaten – auch auf der anderen Seite der Front – mit ihnen teilten.
Fast ein Jahrhundert nach Kriegsbeginn haben Angehörige der Verschütte-ten von dem beklemmenden Fund erfahren. Schlagartig wurden die Todesumstände ihrer Vorfahren wieder gegenwärtig. Das Gedenkjahr 2014 gibt Gelegenheit, einer breiten Öffentlichkeit ein Gespür dafür zu vermitteln, wie viele Millionen Familien dieses Schicksal erlitten – den Verlust ihrer Söhne, Ehemänner, Väter und Brüder.

Bewegende Zeitzeugnisse
In Fernseh-Dokumentationen früherer Jahre konnten noch Überlebende dieses Krieges zu Wort kommen. Wenn die Autoren heute auf Zeitzeugen vor der Kamera verzichten müssen, gibt es doch genügend bewegende Aufzeichnungen, Tagebücher und Briefe, die persönliche Erfahrungen nachvollziehbar machen. Sie künden von Hoffnung und Leid, von Illusionen und Enttäuschungen, von Siegen und Niederlagen, dem Alltag hinter der Front und dem Grauen des Krieges. Zudem existieren beeindruckende zeitgenössische Filmaufnahmen – von einigen Schauplätzen zumindest. Wo historische Bildmaterialien fehlen, ermöglichen szenische Rekonstruktionen, das Geschehen anhand von zeitgenössischen Berichten nachzustellen. Die Zeitzeugnisse geben auch Aufschluss über Folgen verheerender militärischer Entscheidungen, die Millionen vor allem junger Menschenleben kosteten.

Beginn der industriellen Vernichtungskriege
Die europäischen Mächte hatten 1914 allenfalls Vorahnungen, aber keine wirkliche Vorstellung von dem Krieg, der auf sie zukam. Es gab nur wenige Stimmen, die warnten, wie verheerend sich neuere technische Erfindungen auf die Kriegsführung auswirken würden. Diese erlebte zwischen 1914 und 1916 eine regelrechte Revolution. Die anfänglichen Sturmläufe mit "Hurra"-Geschrei und gezogenem Säbel, die an die Schlachten des 19. Jahrhunderts erinnerten, erstarben in der Feuerkraft moderner Waffen. Maschinengewehre "mähten" in wenigen Minuten mehrere Regimenter nieder. "Feuerwalzen" der Artillerie durchpflügten ganze Landstriche, hochgiftiges Gas kam erstmals zum Einsatz, mit fürchterlicher Wirkung. Es war der Beginn der Epoche industrieller Vernichtungskriege.
Die Spuren der Schlachten wirken noch heute bedrohlich. Wer historische Kriegsschauplätze wie das Gelände um Verdun oder an der Somme in Augenschein nimmt, stellt sich unweigerlich vor, was dort Hunderttausende meist junge Menschen erleben und erleiden mussten. Welche Qualen, wel-che Ängste sie durchgestanden haben und welchem apokalyptischen Feuer sie in den Laufgräben und Kratern, in den geborstenen Festungen und Stellungen ausgesetzt waren.
Feldpostbriefe und Tagebucheintragungen aus vielen Ländern geben darüber Aufschluss, was Millionen junge Menschen auf den Schlachtfeldern erlebten, sie zeigen aber auch, mit welchem Pathos das große Sterben begann: Als im August 1914 die Glocken den Krieg in Europa einläuteten, verstanden dies viele junge Menschen als Chance, aus der Enge ihrer Epoche auszubrechen.
 
Die alte neue Schuldfrage

Vielleicht hat die Aussicht auf den 100. Jahrestag einige Historiker unserer Tage motiviert, weitere Quellenbestände in den damals am Krieg beteiligten Ländern zu durchforsten und auszuwerten. Weniger der Verlauf des Weltenbrandes selbst als vielmehr seine Vorgeschichte steht dabei im Fokus: Wer war schuld an der Katastrophe?  
Warum stand nur wenige Wochen nach dem Attentat von Sarajevo Europa in Flammen? War die Kettenreaktion im Juli 1914 nicht mehr zu stoppen? Wer schürte die Eskalation, wer hätte die "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" verhindern können?
Gibt es dazu 100 Jahre danach noch wirklich Neues? In den letzten Jahr-zenten war noch wenig strittig, dass das Wilhelminische Reich die Haupt-schuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieges trug. Die Kampfhandlungen begannen mit dem Angriff der deutschen Armeen im Westen.
Doch relativieren neuere Forschungen diese Sicht. Christopher Clark hat mit seinem Buch "Die Schlafwandler – Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog" die Debatte darüber angeheizt, ob nicht alle beteiligten Mächte in völliger Verkennung der Risiken gemeinsam in die Katastrophe taumelten.

Eine verhängnisvolle Kettenreaktion
Dass es unter den imperialen Rivalen irgendwann zu einem Kräftemessen kommen wird, lag in der Luft. Das Säbelrasseln der Großmächte hatte Tradition. Der Krieg galt noch immer als ultimatives Mittel der Politik. Seit der Jahrhundertwende drehte sich die Rüstungsspirale immer schneller. Allerdings war eine Eskalation keineswegs zwangsläufig. Die Mächte wollten vorbereitet sein aber auf keinen Fall als Aggressor dastehen, darin waren sich die Regierungen in Berlin, St. Petersburg, Wien, Paris und London einig. Selbst die Schüsse von Sarajevo änderten daran zunächst nichts. Nach einigen Wochen wendete sich das Blatt – die Juli-Krise1914 erscheint in der Rückschau wie eine verhängnisvolle Kettenreaktion. Die Mächte erkannten die Gefahr der Eskalation, verhinderten sie aber nicht. Bündniszusagen wurden bestätigt, Mobilmachung folgte auf Mobilmachung. Alle künftigen Kriegsparteien erklärten sich zu Angegriffenen, keiner sah sich als Angreifer. Euphorisch begrüßten Menschenmengen in den Hauptstädten den Ausbruch des Krieges, von dem noch niemand ahnte, wie mörderisch er wirklich werden würde und dass er das Ende des alten Europa bedeuten sollte.
Hat der Berliner Beistands-Blankoscheck an Wien den Ausschlag gegeben oder der Befehl zur russischen Mobilmachung? War es eine Verkettung unglücklicher Umstände? Die Historiker sind sich uneins, ob Clarks Thesen wirklich eine Revision des Geschichtsbildes bedeuten oder allenfalls eine Relativierung? Die Diskussion darüber hat gerade erst begonnen.

Aus der Geschichte lernen
Doch das Thema Kriegsbeginn 1914 ist nicht nur ein Thema von historischer Relevanz. Sarajevo ist ein Beispiel dafür, wie ein scheinbar regionaler Krisenherd zum Weltkonflikt eskalieren kann.

John F. Kennedy las Barbara Tuchmanns "August 1914", als die Welt während der Kuba-Krise 1962 am Rand des Atomkriegs stand. Kennedy handelte entgegen dem Rat der höchsten US-Militärs und ließ sich nicht zu einem Angriff auf die Karibikinsel hinreißen, obwohl der Aufbau der Atomraketen weit fortgeschritten war. Das Risiko war ihm zu groß, die Folgen eines militärischen Erstschlags unabsehbar, die Schwelle zum Nuklearkrieg konnte allzu schnell überschritten werden.

Heute blicken wir nach Syrien, manche mit geballter Faust in der Tasche, man möge doch die Aufständischen gegen das Terror-Regime endlich militärisch unterstützen. Aber da ist wieder die Involvierung von Großmächten auf dem scheinbaren Nebenschauplatz. Für Russland ist das Regime in Damaskus der letzte Bündnispartner im Nahen Osten und längst haben sich Dschihadisten unter die Assad-Gegner gemischt, liefern sich sogar Gefechte mit den moderaten Rebellen.
Dann Obamas Ankündigungen roter Linien, die dann auch noch überschritten wurden und den Ruf nach einem militärischen Eingreifen des Westens noch lauter werden ließen. Es war schon fast eine rettende Eingebung, sich nach dem fürchterlichen Einsatz von Chemiewaffen auf eine gemeinsame Kontrolle und Vernichtung derselben zu verständigen. Was hätte ein US-Angriff als Gegenschlag womöglich bewirkt?
Schließlich die Situation im Iran. Das Tauwetter nach der Wahl der Gemäßigten kommt zur rechten Zeit, die Genfer Vereinbarung vom November 2013, der gemeinsame Aktionsplan (Joint Plan of Action) ist ein erster ver-trauensbildender Schritt in der nuklearen Frage, aber noch keine endgültige Lösung. Niemand kann voraussagen, was ein wie auch immer gearteter israelischer Angriff auf iranische Atomanlagen bewirken würde. Wie rasch könnte eine Situation entstehen, in der auch die Bündnispartner in Zugzwang geraten, Israel in einem eskalierenden Konflikt zur Seite zu stehen.

Pulverfass Ukraine – Lunte Krim

Wer aber hätte das für möglich gehalten, ein Vierteljahrhundert nach Ende des Kalten Krieges zwischen Ost und West – der Rückfall? "Die größte Krise seit dem Mauerfall", sagt der Bundesaußenminister und niemand kann derzeit wirklich vorhersagen, wie sie enden wird. Wenn die Krim sich von der Ukraine abspaltet, wofür derzeit vieles spricht, ist das – Volksabstimmung hin oder her, mehr oder weniger ferngesteuert von Moskau – ein Völkerrechtsbruch, eine Art Kriegserklärung an Kiew und ein Schlag ins Gesicht von EU und USA. Der Kremlchef nennt es aber – mit einer für den Westen ansonsten wohlgefälligen Vokabel – Selbstbestimmung.
Ein Krieg der Ukraine gegen Russland oder gegen russisch gelenkte Kräfte im Inland wäre selbstmörderisch. Eine militärische Intervention von außen, seitens des Westens, ist unvorstellbar.
Putin spielt eine altbekannte Karte, bekannt aus der Zeit des Panslawismus im frühen 20. Jahrhundert, und des Pansozialismus der Breschnew-Ära, nun in der Variante eines neuen Panrussismus. Der kleine russische Bruder außerhalb der Grenzen ruft, der große Bruder schreitet ein, grenzübergreifend, mit der ganzen Fülle seiner Macht. Die alte Breschnew-Doktrin, die ein Interventionsrecht in sozialistischen Bruderstaaten vorsah, scheint nun in einer Art Putin-Doktrin zu münden: Gewinne verlorenes Terrain zurück – wenn das Risiko kalkulierbar bleibt. Es ist eine eigenwillige Macht- und Staatsräson, die allerdings auch zu verhindern sucht, dass die Ukraine mitsamt Krim womöglich eines Tages in die EU Einzug hält und am Ende auch noch in die NATO. Nationalistische Töne aus Kiew befeuern zudem die Sorge, dass russische Minderheiten in Bedrängnis geraten könnten, was Moskaus Hilferuf-Argument zumindest scheinbar stützt. Nun lotet der Kreml aus, wieweit er gehen kann und welche Mittel der Westen wirklich bereithält, ihn zu stoppen. Die freie Welt schaute ohnmächtig zu bei der Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes und des Prager Frühlings. Auch wenn die historische Situation anders und die Methoden weitaus subtiler sind: Das Risiko einer internationalen Eskalation ist aus der Sicht Moskaus in diesem Fall überschaubar.
Was aber geschieht, wenn nun doch Ukrainer und Russen in der Ukraine aufeinander prallen und schießen, welche Gewalt wird dann entfesselt im Angesicht von Blutvergießen? Was geschähe, wenn Moskau den Nachbarn dann militärisch in die Zange nähme wie in Georgien. Es wäre eine weitere Tragödie in diesem Teil Europas und der Beginn einer neuen Eiszeit zwischen Russland und dem Westen, eine neue Konfrontation von Wertewelten, von Wirtschaftssystemen und Militärblöcken. Vielleicht hätte der Westen schon etwas früher berücksichtigen müssen, wo russische Staatsräson beginnt oder endet. Das Land am Schwarzen Meer geriet zwischen die Fronten – es kam zum wirtschafts- und geopolitischen Gezerre um die Ukraine. Musste man Kiew wirklich so eindeutig vor die Alternative stellen zwischen dem Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union und der von Russland geführten Zollunion? Zudem schlug sich der Westen unmissverständlich auf die Seite der Opposition, schickte prominente Unterstützer auf den Maidan, wohlwissend wo Moskau stand. So zeichnete sich ab, dass es am Ende unter den rivalisierenden Mächten Sieger und Verlierer geben könnte. Dass Putin nicht zu letzteren gehören will, liegt auf der Hand, die man ihm vielleicht früher hätte entgegen strecken sollen, auch wenn’s schwer fällt.

Es gibt genügend Funkenschläge, die internationale Pulverfässer zur Explosion bringen könnten. In diesem Sinne bietet die Erinnerung an den Beginn des Ersten Weltkriegs reichhaltigen Lehrstoff für die Gegenwart.

Onlineangebot

Ergänzend zur TV-Dokumentation „Mit Jubel in die Hölle“ bietet das ZDF ab 24. März auf zdf.de ein multimediales Spezial. Drei Protagonisten aus der Dokumentation schildern ihre Motivation bei Kriegsanfang und die Schrecken der Materialschlachten. Das interaktive Spezial bietet dem User neben Szenen aus den TV-Dokumentationen weitere Informationen via Fotogalerie, Text, Audio, Infografik, Karte, Datenvisualisierung und Illustration. Begleitangebote zu weiteren TV-Dokumentationen werden im Laufe des Jahres folgen. Ziel ist es, gerade einer jüngeren Generation den Verlauf und die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs nahe zu bringen. Diese Online-Angebote des ZDF werden nicht nur auf zdf.de und in der ZDF-Mediathek abzurufen sein, sondern auch in eigenen Versionen für die User von Tablets und Smartphones.

Bildhinweis und Impressum

Fotos über ZDF Presse und Information

 

Telefon: (06131) 70-16100 oder über pressefoto.zdf.de/presse/mitjubelindiehoelle

ZDF Hauptabteilung Kommunikation

Presse und Information

Verantwortlich: Alexander Stock

Foto: dpa

E-Mail: pressedesk@zdf.de  

© 2014 ZDF

Weitere Informationen

Impressum

Ansprechpartner

Name: Dr. Birgit-Nicole Krebs
E-Mail: presse.berlin@zdf.de
Telefon: (030) 2099 1096