Zweimal lebenslänglich

Der Fernsehfilm der Woche

Franziska Dreyer lebt glücklich zusammen mit ihrem Lebensgefährten Sebastian Pauli. Eines Morgens steht die Polizei vor der Tür und nimmt ihn fest. Der Tatvorwurf lautet Mord. Franziska hegt keine Zweifel, dass es sich nur um ein riesiges Missverständnis handeln kann. Nach monatelanger Untersuchungshaft, in der Sebastian immer wieder seine Unschuld beteuert, wird das auf Indizien beruhende Urteil gefällt: lebenslänglich. Franziskas Glauben an die Unschuld ihres Partners wird dadurch nicht erschüttert. Im Gegenteil, es macht sie wütend, dass gemeinsame Freunde zu zweifeln beginnen.

  • ZDF, Montag, 13. März 2017, 20:15 Uhr

Texte

Kampf um Vertrauen

Franziska (Julia Koschitz) heiratet einen verurteilten Mörder, mit dem sie nie ein gemeinsames Leben führen können wird. Ihre Liebe setzt sich über alle Bedenken von Freunden und Familie hinweg. Es kann nicht sein, dass Sebastian (Felix Klare) zu recht verurteilt wurde. Doch dann kommen Zweifel, denn sie erfährt Dinge aus der Vergangenheit des Geliebten, die er ihr verheimlichte. Immer mehr wird ihr klar, dass sie ihn nicht wirklich kennt. Kann es doch sein, dass er die Frau ermordet hat? „Zweimal lebenslänglich“ berührt damit ein Thema, das über das Kriminaldrama hinausgeht: Kennen wir wirklich die Menschen, mit denen wir zusammen sind und die wir meinen, genau zu kennen? Und damit im Zusammenhang: Auf welcher Grundlage können wir ihnen vertrauen? Ist Vertrauen überhaupt möglich? Johannes Fabrick hat das von Kathrin Bühlig geschriebene Kriminaldrama mit subtiler Spannung inszeniert.

Günther van Endert / Redaktionsleiter Fernsehspiel II

Stab & Besetzung

BuchKathrin Bühlig
RegieJohannes Fabrick
KameraHelmut Pirnat
Kostüm Astrid Möldner
MaskeNatalie von Brunn, Britta Balcke
TonBenjamin Schubert
MusikDieter Schleip
SzenenbildThilo Mengler
Schnitt Sandy Saffeels
CastingNina Haun Casting
Produktiona.pictures film & tv.production.gmbh
ProduzentUli Aselmann
ProducerinSophia Aldenhoven
ProduktionsleitungKerstin Kroemer
HerstellungsleitungAndreas Ch. Tönnessen
RedaktionGünther van Endert
Länge89 ' 17 Minuten

 

 

Franziska Dreyer Julia Koschitz
Sebastian PauliFelix Klare
Melanie WormsEllen Schlootz
Heidi DreyerMaren Kroymann
Wolfgang DreyerHolger Mahlich
Florian MattauschGodehard Giese
Susanne MattauschAnnika Blendl
Volker JettelFelix Vörtler
Ines CarlmannVictoria Trauttmansdorff
Julia StephanPheline Roggan
Jutta MinichJessica Kosmalla
Jürgen MinichWolfgang Hartmann
Kommissar StrobelStephan Schreck
Kommissar 2Christian Rudolf
RichterChristian Concilio
SozialarbeiterAchim Buch
Dr. SlowinskiSylvana Krappatsch
ErsthelferLars Nagel
VollzugsbeamterMichael Wittenborn
Mithäftling Eddy Kante
und andere

 

Inhalt

Franziska Dreyer lebt glücklich mit ihrem Lebensgefährten Sebastian Pauli zusammen. Völlig überraschend steht eines morgens die Polizei vor der Tür und nimmt Sebastian wegen Mordes an Constanze Minnich fest. Franziska hat keinen Zweifel daran, dass diese Festnahme ein großes Missverständnis ist. Doch nach acht Monaten in Untersuchungshaft, in denen Sebastian immer wieder seine Unschuld beteuert, wird das Urteil gesprochen: Lebenslange Haftstrafe!

Das Urteil, das nur auf Indizien beruht, erschüttert aber Franziskas Glauben an die Unschuld ihres Lebensgefährten nicht. Im Gegenteil, es ärgert sie sehr, dass gemeinsame Freunde an Sebastians Unschuld zu zweifeln beginnen. Auch Franziskas Eltern beknien die Tochter, sich von Sebastian zu trennen. Was ist das für eine Zukunft? Doch Franziska hält an ihrer Liebe und Unschuldsvermutung fest und heiratet Sebastian als Beweis ihrer Liebe im Gefängnis.

Mit zunehmender Zeit in Haft verändert sich Sebastian. Und auch Franziska wird nun regelmäßig von Albträumen geplagt. Die ausgesprochenen Widerstände gegen Ihre Ehe aus dem engeren Umfeld beginnen besonders nachts in ihr zu arbeiten. Als dann auch noch Freunde von früher auftauchen, die von einem aggressiven und so ganz anderen Sebastian berichten, als Franziska ihn kennt, beginnt auch langsam ihr Bild von dem immer verständnisvollen und liebevollen Mann zu wanken.

"Ich möchte genauso zu den Menschen stehen, die ich liebe, auch wenn sie angefochten werden" - Interview mit Julia Koschitz

Frau Koschitz, Sie sind bekannt für Ihre anspruchsvollen Rollen. In "Zweimal lebenslänglich" spielen Sie eine sensible Frau, deren Liebe zu ihrem Freund Sebastian unerschütterlich ist, selbst als eines Tages die Polizei vor der Tür steht und ihn wegen Mordverdachts festnimmt. Welche besondere Herausforderung bedeutet es für Sie, sich so tief in die Psyche eines zerrissenen Menschen einzufühlen und diesen so überzeugend zu verkörpern?

Das ist der Teil meiner Arbeit, der mir am meisten Spaß macht. Den Menschen kennenzulernen, den ich verkörpern soll und mich mit den Beweggründen für sein Handeln auseinanderzusetzen, mit seinen Stärken und seinen Schwächen. Für die Umsetzung kommt man nicht umhin, die jeweiligen Situationen so lebhaft wie möglich zu imaginieren. Das kann mal anstrengend werden, aber eigentlich empfinde ich es als hochspannend.

Wie haben Sie sich den Zugang zu dieser komplexen Figur erarbeitet? Eher intuitiv?

Meistens fängt meine Arbeit damit an, alle Fragen zu der Figur zu sammeln. Und wie immer, wenn ich mit Johannes Fabrick gearbeitet habe, konnte ich sie auch hier im Vorfeld direkt mit ihm diskutieren. Es ist ein gemeinsamer Findungsprozess. Dabei gehe ich erstmal ganz logisch vor, durchforste das Buch nach allen Hinweisen für die Figur und später intuitiver, wenn es darum geht, kreative Entscheidungen zu treffen. In der Schauspielschule habe ich mich immer gefragt, wie man die Figur wohl richtig spielt, bis ich begriffen habe, dass es kein richtig und falsch gibt. Man muss es irgendwann zu seinem machen.

Wie haben Sie sich vorbereitet? Waren Sie dafür im Gefängnis oder haben mit einem Gefängnispsychologen gesprochen, um mehr über die Psychologie eines Mörders zu erfahren?

Für Franziska schien mir dieses Hintergrundwissen nicht wichtig. Sogar eher hinderlich, weil sie allem mit einer gewissen Naivität begegnet. Für sie ist diese Welt genau so neu, wie für mich. Womit sie dort konfrontiert wird, will Franziska nicht wahrhaben. Es überfordert sie einfach nur. Wenn der Zweifel über die Unschuld ihres Freundes sie irgendwann überkommt, dann passiert das gegen ihren Willen, mehr im Unbewussten, mehr aus Eifersucht, nicht aus einer analytischen Überlegung heraus.

Selbst als ihr Freund Sebastian zu lebenslanger Haft verurteilt wird, ist Franziska von dessen Unschuld überzeugt und schöpft ihren Glauben und ihre Kraft aus ihrer übermäßigen Liebe. Geht es aus Ihrer Sicht in dem Film also um so ein universelles Thema wie die Kraft der Liebe?

Ich würde es nicht so zusammenfassen. Franziska hat gar keine andere Wahl, als Sebastian bis zur Selbstauflösung beizustehen, weil sie ohne ihn nicht sein kann. Trotzdem ist es irgendwie beeindruckend, dass sie gegen den Willen und gegen die Meinung aller anderen zu ihm hält. Und letztlich ist es auch das, was ihm die Kraft zum Durchhalten gibt - dass da wenigstens ein Mensch ist, der unbeirrt zu ihm steht und ihn liebt. Das ändert aber nichts daran, dass Franziskas Liebe zu Sebastian etwas Selbstzerstörerisches hat.

Als die Familie und engsten Freunde auf Distanz zu Sebastian gehen, hält Franziska erst recht an ihrer Unschuldsvermutung fest und heiratet ihren Freund sogar im Gefängnis als Beweis ihrer Liebe. Ist das naiv oder ein Zeichen großer Liebe und Stärke?

Beides. Franziska hat die Stärke, ihren Willen gegen ihre Eltern durchzusetzen, um Sebastian den in seiner Situation größten Liebesbeweis zu schenken. Gleichzeitig macht sie sich keine Gedanken darüber, welche Konsequenzen dieser Schritt haben kann. Man könnte auch sagen, dass sie aus der Not eine unfassbare Stärke entwickelt, da sie ohne Sebastian jeglichen Halt im Leben verlieren würde. Franziska hat davor nie versucht, ihr schlechtes Selbstwertgefühl mit einer Art Emanzipation von ihren Eltern oder mit der Verfolgung eigener Interessen aufzuwerten. Stattdessen hat sie sich einen Mann gesucht, der diesen nicht unerheblichen Mangel kompensieren soll. Damit macht sie sich komplett von ihm abhängig.

Ist dieses Verhalten und Franziskas Glaube an die Liebe für Sie persönlich nachvollziehbar?

Ich möchte genauso zu den Menschen stehen, die ich liebe, auch wenn sie angefochten werden. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich ihnen gegenüber kritiklos bin und auch nicht, dass ich der Konfrontation aus dem Weg gehe. Vor allem bedeutet es nicht, dass ich mich in diese Art der Abhängigkeit begeben würde. Ich kann beides nachvollziehen, sowohl die Hoffnung an bedingungslose Liebe, als auch die gefühlte Unmöglichkeit, sich von einem geliebten Menschen loszulösen - gesund ist beides nicht.

Wie schafft Ihre Figur den schwierigen Balanceakt zwischen Glaube und Vertrauen auf der einen Seite und Zweifel und Misstrauen auf der anderen?

In dem Moment, als Franziska von ihren Zweifeln heimgesucht wird und gar keine Möglichkeit mehr hat, wegzuschauen, sucht sie trotzdem noch einen gemeinsamen Weg mit Sebastian, indem sie ihn damit konfrontiert. Spät, aber dann doch noch, macht sie in ihrer Beziehung so etwas wie einen Befreiungsschlag und stellt Sebastian zur Rede. Das ändert nichts an der Tatsache, dass sie dem "Nicht-Wissen" hilflos ausgeliefert ist und sehr darunter leidet.

Sie haben zwar auch in Komödien mitgewirkt (bekannt wurden Sie mit der Speed-Dating-Komödie "Shoppen"), aber die Dramen stehen bei Ihnen im Fokus. Bevorzugen Sie selbst ein bestimmtes Genre?

Nein - es ist die Abwechslung, die ich liebe. Das gilt sowohl als Zuschauer, als auch als Schauspieler, und das versuche ich bei der Wahl meiner Projekte auch zu beherzigen. Andernfalls würde ich mich irgendwann langweilen.

Sie arbeiten sehr oft mit dem Regisseur Johannes Fabrick zusammen. Was zeichnet seine Arbeit als Regisseur besonders aus, und was schätzen Sie persönlich an ihm?

Ich glaube, seine Filme sind eine profunde Untersuchung über die Herausforderung des Menschen, sein Leben zu meistern. Er beschönigt dabei nichts, verliert aber trotzdem nie den liebevollen Blick. Er ist ein großer Menschen-Kenner. Wenn geprobt wird, schaut und hört er unglaublich gut zu. Und er kann das, was er sieht und das, was er will, präzise kommunizieren. Das sind alles Qualitäten, von denen man als Schauspieler unendlich profitieren kann.

Es gibt viele Dinge, die ich an der Arbeit mit ihm schätze – vor allem, dass er einem als Schauspieler die Gelegenheit gibt, sich mit ihm und den Kollegen gemeinsam vorzubereiten und man beim Drehen den nötigen Raum bekommt, um mit seinen Partnern in einen Spielfluss zu kommen. Und, dass man mit ihm jemanden an der Seite hat, der stets mit seiner ganzen Aufmerksamkeit und einer klaren Meinung dabei ist. Kurz gefasst würde ich sagen, dass er einem Schauspieler dabei hilft, "besser als sein letzter Vorschlag zu sein."

Das Interview führte Silvia Schumacher

"... ohne Empathie zu seiner Figur und den Menschen allgemein kommt man in dem Beruf nicht weit" - Interview mit Felix Klare

Herr Klare, Ihre Figur Sebastian wird des Mordes an einer jungen Frau verdächtigt und nach langer U-Haft bekommt er lebenslänglich, obwohl er die Tat immer bestritten hat. Eine unfassbar existentielle Erfahrung für einen Menschen: Wie haben Sie sich in die Psyche Ihrer Figur eingearbeitet?

Am Theater habe ich viele zerrissene Charaktere gespielt, einfach dadurch, dass die Stücke, die Stoffe und Texte fast immer extremere und elementarere Probleme behandeln, als es oft im Film der Fall ist. Aus dieser Erfahrung kann ich schöpfen. Die sehr gründliche und psychische Arbeitsweise des Regisseurs Johannes Fabrick hat mir auch sehr geholfen und neue Räume aufgetan. Aber ohne Empathie zu seiner Figur und den Menschen allgemein kommt man in dem Beruf nicht weit. Das ist das Wichtigste.

Sie zeigen ein starkes Spiel, man traut Ihnen alles zu. Welche Herausforderung hatten Sie zu meistern, diese Figur in ihrer grenzwertigen Situation so glaubhaft zu verkörpern?

Viele kleine, manche größere - aber genau diese Herausforderungen suche ich, daran wachse ich, und ich kann mich weiterentwickeln.

Sie versetzen sich fast perfekt und wie besessen in die Stimmungslage Ihrer Rolle. Woher nehmen Sie diese Energie und Überzeugungskraft?

Jeder trägt doch alle Gefühle in sich. Bei dem einen ist das eine stärker ausgeprägt, bei dem anderen jenes - alle Zutaten sind da. Man braucht ein ehrliches Bewusstsein seiner selbst. Dabei helfen mir die Reflexion und zu guter Letzt eine ordentliche Portion Demut.

Was ist aus Ihrer Sicht der Kern der Geschichte?

Ich habe das Gefühl, es geht um Liebe und Wahrhaftigkeit, um Ausweglosigkeit und Vertrauen.

Ihre Figur bricht mit der Zeit immer mehr zusammen aufgrund der Ausweglosigkeit und der Angst. Wie kann ein Mensch so etwas aushalten, und welche Überlebensstrategien könnte es dafür geben?

Eigentlich kann ein Mensch so etwas gar nicht aushalten – keiner glaubt mehr an dich, alle haben sich abgewendet, man ist isoliert. Vielleicht schafft man es, indem man sich in eine andere Realitätsebene versetzt, seinen Horizont quasi um ein Vielfaches erweitert, um unter anderem einen metaphysischen Sinn zu begreifen. Falls einem dies überhaupt in einem Gefängnis gelingen sollte, wage ich aber zu bezweifeln, dass man dann wieder, bei einer eventuellen Entlassung, in die alte Realität zurückfindet.

Sie bevorzugen komplexe Rollen. Ziehen Sie ein bestimmtes Genre vor?

Nein, ich bin da offen. Aber mich interessiert schon immer die Vielschichtigkeit der Menschen und meines Berufes. Gerade drehe ich eine Komödie fürs Kino.

Trotz Ihrer Film– und Fernsehkarriere sind Sie dem Theater weiterhin treu geblieben. Was macht für Sie den Unterschied aus?

Da gibt es viele, sehr viele Unterschiede. Um einen prägnanten Unterschied zu nennen: Im klassischen Film wird immer versucht, alles so real wie nur irgendwie möglich darzustellen - selbst bei Science-Fiction. Am Theater, wo es nur einen Raum gibt, kann man jede Welt erschaffen und der Zuschauer geht mit, auch weil die Menschen real auf der Bühne stehen.

Das Interview führte Silvia Schumacher

 

 

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