Terra X: Geheimnisse auf dem Meeresgrund

Dokumentation mit Unterwasserarchäologe Florian Huber

Etwa drei Millionen Wracks liegen auf dem Grund der Gewässer unseres Planeten. Plünderer und der biologische Verfall sind eine ernste Bedrohung für sie. Unterwasserarchäologe und Forschungstaucher Florian Huber hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Wracks zu schützen und ihre Geschichten zu rekonstruieren. Er taucht hinab zu Relikten aus dem Ersten Weltkrieg, zu uralten Fossilien und antiken Frachtenseglern. Die "Terra X"-Dokumentation begleitet ihn auf seiner Reise um den Globus und liefert mit außergewöhnlichen Unterwasseraufnahmen spannende Einblicke in die Unterwasserarchäologie.

  • ZDF, Sonntag, 11. August 2019, 19.30 Uhr
  • ZDF Mediathek, Sonntag, 11. August 2019, 10.00 Uhr

Texte

Sendedatum, Stab, Inhalt

Sonntag, 11. August 2019, 19.30 Uhr

Terra X: Geheimnisse auf dem Meeresgrund

Dokumentation mit Unterwasserarchäologe Florian Huber

Buch und Regie: Nanje Teuscher, Iris Gesang
Moderation:
Florian Huber
Kamera:
Björn Lindenblatt, Jasper Engel, Oliver Gurr, Olaf Thesing
Unterwasser-Kamera:
Robert Marc Lehmann
Ton:
Till Blanke, Johannes Rudolph
Schnitt:
Christian Timmann, Uli Weinlein
Grafik:
Richard Sako
Sprecher:
Simon Jäger
Mischung:
Thorsten Rejzek
Produktion:
Maria Herbst
Produktion Mauritius:
IDENTICAL PICTURES Ltd., Rose Lowe (Dodo Divers), Abdool Latiff Ziyaad
Produktionsleitung: Patrick Fuchs (SPIEGEL TV), Claudia Comprix (ZDF), Cora Szielasko-Schulz (ZDF)
Produzent:
Kay Siering
Archive/Institutionen:
Getty Images, Pond5, Shutterstock, BBC Motion Gallery, Ocean Footage, Mauritius Images, Bridgemann Images, SPIEGEL TV Archiv, Submaris, F. Laeisz GmbH
Redaktion:
Claudia Moroni (ZDF)
Länge: 43'30''

Vor Helgoland liegen vier deutsche Kriegsschiffe auf Grund, die noch weitgehend unerforscht sind. Sie sanken dort in einem Seegefecht im August 1914. In den vergangenen Jahren haben Raubtaucher das Wrack der "SMS Mainz" immer wieder geplündert. Jetzt ist den deutschen Behörden ein Schlag gegen die Raubtaucher gelungen: Die Bundespolizei hat die gestohlenen Artefakte bei den niederländischen Plünderern entdeckt und beschlagnahmen lassen. Die Objekte vom Meeresgrund werden in Dresden restauriert.

Am anderen Ende der Welt analysiert Hubers Team ebenfalls Kriegsschiffe, allerdings stammen diese aus dem Zweiten Weltkrieg und stellen ein massives Umweltproblem dar. In der paradiesischen Südsee-Inselwelt von Chuuk-Lagoon befindet sich der größte Schiffsfriedhof der Welt. Die Wracks mitten im Pazifik sind tickende Zeitbomben, schließlich lagern immer noch Treibstoff und Munition in ihren Bäuchen. Durch die fortschreitende Korrosion tritt jedes Jahr immer mehr Gift aus und bedroht das einzigartige Ökosystem der Inseln.

Vor Mauritius erforscht Florian Huber ein Wrack, das in die Geschichte einging: die "Saint Géran". Das Schiff der französischen Ostindienkompanie zerschellte am 17. August 1744 vor Mauritius an einem Riff und sank. Die "Saint Géran" wurde im Roman "Paul et Virginie" von Bernardin de Saint-Pierre verewigt. Er erzählt die Geschichte einer tragischen Liebe. Das Wrack ist jedoch in Vergessenheit geraten. Florian Huber macht sich auf Spurensuche – nach dem Wahrheitsgehalt der Geschichte und nach den Überresten des Schiffes. Zunächst per Ultraleicht-Wasserflugzeug aus der Luft und dann mit seiner Crew aus Forschungstauchern.

In kaum einer anderen Region der Erde liegen mehr Schiffswracks auf dem Meeresgrund als in der Ostsee. Das liegt nicht nur an den zahlreichen Seeschlachten, die in diesem Meer stattfanden, sondern vor allem am geringen Salzgehalt der Ostsee. Dieser Umstand führt dazu, dass der Schiffsbohrwurm, der Wracks in anderen Regionen zusetzt, dort kaum vorkommt. Die alten Holz-Wracks in der Ostsee befinden sich noch immer in einem hervorragenden Zustand. Florian Huber analysiert den Erhaltungszustand von einem ganz besonderen Wrack weit im Norden der Ostsee. Zwischen Finnland und Schweden liegt die "Plus" auf Grund. Das Schiff gehörte zu den sogenannten "Flying-P-Linern" der Hamburger Reederei Laeisz. Bei nur drei Grad Wassertemperatur taucht er mit seinen Kollegen in eine Tiefe von 32 Metern hinab und nimmt das Wrack unter die Lupe.

Florian Huber führt die Zuschauer auch auf die Bahamas. Auf den Inseln befinden sich die sogenannten "Blue Holes", tiefe Kalksteinhöhlen voller Wasser. Als bei den verschiedenen Eiszeiten auf dem Planeten der Wasserspiegel sank, lagen die Höhlen zwischenzeitlich trocken. Noch heute finden die Taucher Überreste aus jener Zeit. Bei einem Tauchgang stößt Florian Huber zum Beispiel auf einen urzeitlichen Krokodilschädel.

"Die Menschheit weiß mehr über den Mond als über die Tiefen der Meere"
Interview mit Moderator Florian Huber

Dr. Florian Huber ist Unterwasserarchäologe, Forschungstaucher und Sachbuch-Autor. Seit mehr als fünfzehn Jahren erforscht er im Auftrag renommierter wissenschaftlicher Institute die Meere der Welt. Sein Spezialgebiet sind Wracks in der Nord- und Ostsee. Für die "Terra X"-Dokumentation "Geheimnisse auf dem Meeresgrund" steht er das erste Mal als Moderator vor der Kamera.

Wie sind Sie zur Unterwasserarchäologie gekommen?

Ich tauche, seit ich 13 Jahre alt bin. Am Ende meiner Schulzeit habe ich mich dann entschieden, Archäologie zu studieren. Zunächst in meiner Heimatstadt München, danach ging es nach Umeå, Schweden, und anschließend nach Kiel, wo ich mich auf Unterwasserarchäologie spezialisiert habe. Ich fand es von Anfang an spannend und herausfordernd, unter Wasser Grabungen durchzuführen und quasi in einer uns lebensfeindlichen Umgebung zu arbeiten. Ein perfekter Job, um Wissenschaft und Abenteuer zu verbinden. 2013 habe ich dann mit vier befreundeten Meeresbiologen die Forschungstaucherfirma Submaris gegründet. Wir tauchen weltweit im Dienst der Wissenschaft. Und wir bringen unsere Ergebnisse durch populärwissenschaftliche Vorträge und Bücher an die breite Öffentlichkeit. Dabei liegt uns auch die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sehr am Herzen. Sie sollen sehen, dass Wissenschaft auch cool sein kann.

Was ist für Sie das Besondere an der Unterwasserarchäologie?

Das Meer ist das größte Museum der Welt. Laut UNESCO liegen dort rund drei Millionen Wracks, unzählige versunkene Städte und Siedlungen. Und letztendlich weiß die Menschheit mehr über den Mond als über die Tiefen der Meere. All das macht die Unterwasserarchäologie für mich zu einer spannenden wissenschaftlichen Disziplin, die viel über die Geschichte des Menschen und seine Beziehungen zum Wasser zu erzählen weiß. Und die Unterwasserarchäologie ist so extrem vielseitig, weshalb ich mich als Wissenschaftler zeitlich und räumlich nie festlegen musste. Ich finde sowohl steinzeitliche Siedlungen in der Ostsee als auch neuzeitliche Schiffswracks im Pazifik faszinierend und spannend. Das spiegelt sich auch in meinen Arbeiten, Projekten und Publikationen wider. Obwohl die Forschungsarbeiten unter Wasser schwierig und meistens sehr zeitaufwendig sind, liegt genau darin der Reiz für mich. Effizientes Arbeiten, maximale Sicherheit und den Einsatz hochmoderner Tauch- und Arbeitstechnik sehe ich als meine immer wiederkehrende Herausforderungen an. Unser vielfältiges und einzigartiges Kulturgut unter Wasser zu erforschen, zu schützen und Menschen dafür zu begeistern, halte ich für eine wichtige Aufgabe. 

Wie wird man Forschungstaucher?

Im Prinzip studiert man eine Meereswissenschaft und bewirbt sich dann um einen Platz zur Ausbildung zum geprüften Forschungstaucher. Alle Wissenschaftler, die künftig auch im Meer oder in Seen arbeiten möchten, brauchen eine spezielle Ausbildung. Dabei erlernen sie entsprechende Tauchfertigkeiten und wissenschaftliche Arbeitstechniken und erstellen Gefährdungsanalysen. Sie lernen, wie man auf Forschungsschiffen arbeitet und wie man sie koordiniert. Ausbildungsbetriebe gibt es in Kiel, Rostock, Helgoland, Hamburg, Oldenburg, München und am Bodensee. Forschungstaucher zu sein, ist ein toller und zukunftsweisender Beruf. 

Womit beschäftigt sich ein Forschungstaucher?

Durch meine Arbeit als Forschungstaucher komme ich neben der Archäologie auch immer mit vielen anderen subaquatischen Wissenschaften in Berührung: Biologie, Geologie, Geografie und Ozeanografie spielen immer wieder eine Rolle. Gerade dieser interdisziplinäre Ansatz macht die Arbeit als Forschungstaucher für mich so reizvoll. Meine Arbeit zeigt mir allerdings auch immer wieder, wie fragil und bedroht unsere Meere sind, weshalb ich mich auch intensiv für den Meeresschutz einsetze. Aktuell arbeiten wir zum Beispiel im Auftrag des WWF, um Geisternetze in der Ostsee zu finden und zu bergen. Die verlorengegangenen und oftmals herumtreibenden Netze fischen quasi weiter und töten dabei unzählige Tiere. Geisternetze machen nach neuesten Studien 30 bis 50 Prozent des Plastikmülls im Meer aus. 

Worum geht es in Ihrer aktuellen Forschung?

Derzeit untersuche ich vier deutsche Schiffswracks aus dem Ersten Weltkrieg rund um die Insel Helgoland, die bisher noch nie wissenschaftlich untersucht worden sind. Gerade Wracks aus Stahl und Eisen zerfallen recht schnell, deshalb ist es wichtig, sie jetzt zu dokumentieren. So können wir mehr über den Schlachtverlauf, die letzten Stunden an Bord sowie über den Seekrieg im Allgemeinen erfahren. Bei dem Projekt arbeite ich auch mit Marinehistorikern zusammen. Diesen Sommer geht es aber auch nach Mallorca, wo wir geflutete Höhlensysteme untersuchen werden. Dort gibt es reichhaltiges Fundmaterial aus der Zeit der ersten Siedler, der Römer, der Griechen und aus dem Mittelalter. Im Prinzip wollen wir wissen, wer diese Höhlen wann und wieso bewohnt oder als Lagerstätten genutzt hat.

Leider liest man immer wieder von Wrackplünderungen durch selbsternannte Schatztaucher vor Helgoland. Wie sollte man mit den Raubtauchern umgehen?

Das ist in der Tat ein Problem. Einige wenige Taucher bringen dabei eine ganze Szene in Verruf. Viele dieser Leute denken, nur weil sie tauchen können, dürfen sie auch Archäologe spielen und Artefakte bergen. Das Mitbringen von fragwürdigen Souvenirs steht dabei oft im Vordergrund, ist aber gesetzlich streng verboten. Stolz werden diese Funde dann in den sozialen Netzwerken präsentiert. Im Übrigen: Auch ich als Archäologe darf nichts abbergen, ohne vorher eine Erlaubnis von den entsprechenden Behörden bekommen zu haben. Es gibt aber auch viele kommerzielle Schatzsucher, die nur auf den Profit schielen. Ihnen ist die Geschichte egal, die wollen Geld damit machen. Ich bin für härtere Strafen bei entsprechenden Vergehen, aber auch für bessere Aufklärung. Nur gemeinsam können wir unsere Vergangenheit unter Wasser schützen. Jeder Taucher sollte ein Botschafter unserer Vergangenheit unter Wasser sein. Wir sind dort unten zu Gast und sollten uns über das Privileg freuen, diese einzigartigen Stätten besuchen zu dürfen. Wir sollten sie respektieren, schützen und gemeinsam erforschen. 

Was war bisher Ihre schönste oder spannendste Entdeckung unter Wasser?

Oft sind es die kleinen Funde, die faszinierend sind. Vor einigen Jahren haben wir in der Ostsee eine sogenannte Paternosterperle gefunden. Die gut 400 Jahre alte Perle ist aus einem nur einen Zentimeter kleinen Kirschkern geschnitzt und reich verziert. Auf Mauritius konnte ich einen kleinen goldenen Nähring bestaunen, der am Wrack der Saint Géran gefunden wurde. Beide Objekte erzählen von Menschen, die an Bord eines Schiffes waren, das auf tragische Weise untergegangen ist. Das ist für mich greifbare Geschichte, die mich tief bewegt. Die Geschichten und Menschen hinter einem Wrack treiben mich immer wieder in die Tiefen der Meere. Ich finde es spannend, neue Wracks zu suchen und zu finden. Wenn ich eine Fundstelle das erste Mal betauche, stelle ich mir sofort die Frage, wo das Schiff wohl herkam, wo es hinwollte, warum es gesunken ist, was es geladen hatte und vor allem, wer die Menschen waren, die auf dem Schiff fuhren.

Die Fragen stellten Nanje Teuscher und Claudia Moroni.

Biografie Dr. Florian Huber

1975 in München geboren und in Lenggries aufgewachsen, studierte Florian Huber ab 1997 Ur- und Frühgeschichte, Anthropologie, Nordische Philologie und Ethnologie in München, Umeå (Schweden) sowie in Kiel. Da er neben den Bergen schon immer auch von Wasser beziehungsweise dem Meer fasziniert war, hat er beschlossen, sich auf die Unterwasserarchäologie sowie das Forschungstauchen zu spezialisieren und trat deswegen den Weg nach Kiel an. Dort konnte er Archäologie und Tauchen miteinander verbinden. Bevor er sich mit Freunden und Kollegen als Unterwasserarchäologe und Forschungstaucher selbstständig machte, war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität in Kiel mit Schwerpunkt Unterwasserarchäologie und historische Archäologie sowie Leiter der dortigen Arbeitsgruppe für maritime und limnische Archäologie (AMLA). Außerdem ist er Autor zahlreicher Fachpublikationen, Zeitschriftenartikel sowie Bücher und steht immer wieder als Fachberater in TV-Dokumentationen wie "Terra X" vor der Kamera.

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/terrax

Weitere Informationen

"Terra X" in der ZDFmediathek: terra-x.zdf.de

"Terra X" bei YouTube: https://www.youtube.com/c/terra-x

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