Copyright: ZDF/Petro Domenigg
Copyright: ZDF/Petro Domenigg

Balanceakt

Der Fernsehfilm der Woche

Ein einziger "Balanceakt": Als es gerade nicht schöner sein könnte, wird das Leben von Marie (Julia Koschitz) von einer Sekunde auf die andere auf den Kopf gestellt. In dem ZDF/ORF-Familiendrama von Regisseurin Vivian Naefe spielen in weiteren Rollen Franziska Weisz, David Rott, Jeremy Miliker und andere.

  • ZDF, Montag, 26. August 2019, 20.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Sonntag, 25. August 2019

    Texte

    Stab, Besetzung und Inhalt

    Buch   Agnes Pluch 
    Regie Vivian Naefe 
    Kamera Christine A. Maier  
    SchnittVessela Martschewski
    SzenenbildFlorian Reichmann
    Kostüme Christoph Birkner
    Musik  Martin Probst
    Ton Hjalti Bager-Jonathansson   
    Produktion Mona Film mit Tivoli Film in Koproduktion mit ZDF und ORF, gefördert vom Fernsehfonds Austria und dem Filmfonds Wien

    Herstellungs- und Produktionsleitung

    Carli Morbach
    ProducerinGudula von Eysmondt
    ProduzentenThomas Hroch, Gerald Podgornig
    Redaktion Anja Helmling-Grob
    Längeca. 89 Minuten

     

    Die Rollen und ihre Darsteller

    Marie   Julia Koschitz
    AxelDavid Rott
    Luis Jeremy Miliker
    KerstinFranziska Weisz
    EdithUlli Maier
    OttoPeter Lerchbaumer 
    Dr. Herbert PritzDominik Warta
    Rainer Stefan Pohl 
    Lehrerin Angelika Strahser
    und andere

     

    Inhalt

    Die aufstrebende Architektin Marie führt ein Leben auf der Überholspur. Sie liebt ihren Beruf und ihre Familie, ihren Lebensgefährten Axel und ihren kleinen Sohn Luis. Ihr Vater Otto ist stolz auf seine Erstgeborene, während Kerstin, Maries kleine Schwester, mit ihrem sprunghaften Lebensstil zum Sorgenkind der Familie geworden ist. Immer wieder sorgt der direkte Vergleich der beiden Schwestern für Eifersucht und Konflikte.

    Die Spannungen zwischen den Familienmitgliedern werden stärker, als bei Marie Multiple Sklerose diagnostiziert wird. Jeder scheint zu wissen, was das Beste für sie ist. Marie versucht zwischen Bloßstellungen, depressiven Phasen und der Verantwortung als Mutter und Lebensgefährtin nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Neben der bei MS üblichen Interferon-Therapie probiert sie in ihrer Not alle erdenklichen Heilmethoden aus, die versprechen, Krankheitsschübe einzudämmen. 

    Doch immer seltener gelingt es Marie, ihren Zustand mit Witz zu überspielen. Sie ertappt sich dabei, wie sie die, die ihr am nächsten stehen, vor den Kopf stößt. Während Axel versucht, die Arbeitsunfähigkeit seiner Frau durch einen Zweitjob zu kompensieren, plant Otto den Umbau seines Hauses für seine Tochter. Marie fühlt sich bevormundet. Die Krankheit stellt die Beziehung zu ihrer Familie auf eine harte Probe.

    "Lebensbejahend und mit Humor"
    Interview mit Julia Koschitz

    Was war Ihnen in der Vorbereitung auf die Rolle besonders wichtig?

    Ich habe mich sowohl mit Betroffenen, als auch mit Angehörigen unterhalten und viel über MS gelesen. Im Gespräch mit drei erkrankten Frauen zwischen 40 und 55, die wie Marie bis zu ihrer Diagnose erfolgreich im Berufsleben waren, eine Familie haben und ihr Leben sehr aktiv gestaltet haben, habe ich viele Parallelen zum Buch entdeckt. Erst kommt die Abwehr, das Negieren der Krankheit und die Überzeugung, dass man das bisherige Leben trotzdem so weiterführen kann – bis hin zum Zusammenbruch und der Erkenntnis, dass man sich auf eine maßgebliche Veränderung in seinem Alltag, in seiner Einstellung zum Leben und zu sich selbst einlassen muss – je nachdem natürlich wie schwerwiegend die Einschränkungen sind. Fast alle haben auch von positiven Erfahrungen erzählt. Uns allen war wichtig, Marie nicht als Opfer ihrer Umstände zu zeigen, sondern als Menschen, der selbstverantwortlich einen Umgang mit diesem Schicksalsschlag findet. 

    Was war der besondere Reiz daran, in diesem Film mitzuwirken?

    Ich mochte den Ansatz der Autorin Agnes Pluch, die Geschichte lebensbejahend und auch mit Humor zu erzählen. Die Szenen mit der Schwester waren dabei für mich das Herzstück. Dass Franziska Weisz die Rolle der Kerstin übernommen hat, hat mich wahnsinnig gefreut, weil ich immer schon mit ihr spielen wollte und weil ich sie perfekt besetzt fand. Außerdem wollte ich schon ganz lange mit Vivian Naefe zusammenarbeiten, und hier ergab sich endlich die Gelegenheit. Sie schaut sehr genau hin und führt mit einer klaren Vorstellung und gleichzeitigen Offenheit – ein großes Geschenkfür Schauspieler. Sie war mir ein ganz besonderer Partner und ich hoffe, dass wir bald wieder miteinander arbeiten. Vivian hat die Geschichte, wie ich finde, einfühlsam erzählt, ohne dabei sentimental zu werden. Was ich für dieses Thema sehr gelungen finde.

    "Meine Kindheit war meine Vorbereitung"
    Interview mit Vivian Naefe

    Welcher Aspekt des Drehbuchs war Ihnen besonders wichtig?

    Ich wollte eine selbstbewusste, sinnliche Karrierefrau und Mutter zeigen, die plötzlich durch eine Krankheit aus ihrer Bahn geworfen wird. Diese Frau ist sehr modern und hat über alles Kontrolle. Sie liebt diese Kontrolle, und sie liebt das Leben. Und dann muss sie sich völlig umstellen. Die Entwicklung dieser Frau zu zeigen, wie sie schließlich ihr Schicksal annimmt, zu ihrer Krankheit steht und mutig weitermacht – nur eben anders, das war mir wichtig.

    Wie haben Sie sich auf den Dreh vorbereitet? Konnten Sie sich mit Betroffenen beraten?

    Meine Vorbereitung war meine Kindheit: Als ich acht war, starb meine Mutter an MS (deren Nebenerscheinung Lungenentzündung). Ihr Leiden hat mich zutiefst traumatisiert, ihre Krankheit führte mich in die Flucht vor der Realität und schließlich zum Filmemachen. Das wussten Sender und Produzenten nicht, als sie mir das Projekt antrugen. Ich empfand das Angebot, diesen Film zu machen, als schicksalshaft, als Chance, mich noch einmal mit dieser Krankheit auseinanderzusetzen. Ich habe dann außerdem zur Vorbereitung medizinische Fachliteratur gelesen, war bei der deutschen MS-Gesellschaft hier in München und kenne auch persönlich Erkrankte, mit denen ich mich zur Vorbereitung ausführlich unterhalten habe. Zusätzlich habe ich mich in Wien noch mit einem Neurologen beraten.

    Was waren besondere Herausforderungen bei diesem Dreh?

    Meine persönliche Herausforderung war meine innere Beteiligung am Schicksal MS. Die andere Herausforderung war: Ich wollte nicht, dass dieser Film larmoyant wird. Ich wollte, dass er auch leicht und witzig ist und Mut macht. Außerdem war ich sehr ehrgeizig darin, gleichzeitig authentisch und dabei doch leicht zu bleiben. Ich will die Zuschauer fesseln, auch mit so einem Thema.

    War "Balanceakt" Ihre erste Zusammenarbeit mit Julia Koschitz?

    Es war meine erste Zusammenarbeit mit Julia Koschitz, und ich bin schwer beeindruckt von ihr und geradezu "verliebt". Sie arbeitet 14 Stunden am Tag an ihrer Rolle, ist total akribisch und versinkt in dem Charakter, den sie spielt. Sie ist selbstkritisch, kraftvoll und kämpft um jede Nuance. Und dabei kann sie auch so wunderbar Humor spielen. Sie hat auch an den körperlichen Einschränkungen hingebungsvoll gearbeitet und das alles großartig gespielt. Sie ist einfach wunderbar, und ich möchte unbedingt wieder mit ihr arbeiten.

    "Als Heldin, nicht als Opfer"
    Statements von Franziska Weisz und David Rott

    Franziska Weisz

    Balanceakt zeigt, was eine Krankheit wie MS für eine ganze Familie bedeutet, ohne künstlich zu dramatisieren. Darüber hinaus wusste ich, dass mit Julia Koschitz die Rolle der Marie ideal besetzt sein würde. Unter der Führung von Vivian Naefe ist es meiner Meinung nach gelungen, dem Zuseher die Schwierigkeiten und seelischen Schmerzen dieser Krankheit näher zu bringen. Dennoch geht von der erkrankten Marie eine enorme und positive Kraft aus. Das an sich ist schon ein Balanceakt. Der Film zeigt, dass man diese Krankheit nicht besiegen kann. Man kann nur lernen, mit ihr zu leben. Marie tut es als Heldin, nicht als Opfer.

     

    David Rott

    An Vivian Naefes Inszenierungsansatz hat mir vor allem gefallen, dass sie sich der Krankheit Multiple Sklerose durch das Kämpfen um eine Familie und die Liebe nähert. Das macht es spannend. Axel ist Maries Mann und von Beruf freischaffender Musiker. Die Diagnose ihrer Krankheit verändert alles. Axel versucht, seine Frau aufzufangen. Als Partner und Liebender fühlt er sich irgendwann nicht mehr wahrgenommen. Die Krankheit ist vor allem, und sie stellt die Beziehung und die Liebe hart auf die Probe.

    Impressum

    Fotos über ZDF Presse und Information
    Telefon: (06131) 70-16100 oder über
    https://presseportal.zdf.de/presse/balanceakt

    ZDF Hauptabteilung Kommunikation
    Presse und Information
    Verantwortlich: Alexander Stock
    E-Mail: pressedesk@zdf.de
    © 2019 ZDF

    Ansprechpartner

    Name: Elisa Schultz
    E-Mail: presse.muenchen@zdf.de
    Telefon: 089 99551349