Terra Xpress: Das Recycling-Märchen und die starken Kinder

Themenschwerpunkt mit Lena Ganschow

Seit über acht Jahren präsentiert das ZDF-Wissensmagazin "Terra Xpress" jeden Sonntag um 18.30 Uhr Erlebnisse und Ereignisse, die die Zuschauer staunen lassen. In der monothematischen Sendung "Das Recycling-Märchen und die starken Kinder" nimmt Moderatorin Lena Ganschow die Zuschauer mit auf eine Spurensuche: Wo landet unser Plastik, und welche Auswirkungen haben Kunststoffe auf uns und unsere Umwelt?

  • ZDF, Sonntag, 20. Oktober 2019, 18.30 Uhr

Texte

Sendedatum, Stab, Inhalt

Sonntag, 20. Oktober 2019, 18.30 Uhr

Terra Xpress: Das Recycling-Märchen und die starken Kinder

Moderation: Lena Ganschow
Produktionsfirma: ZDF digital
Autor:
Christoph Warneck/ZDF digital
Producerin: Valerie Henschel/ZDF digital
Mitarbeit: Laura Rosinus/ZDF digital
Redaktion: Harald Platz, Sabine Kemper
Leitung der Sendung: Klaus Heckenhahn
Länge: ca. 29'

"Terra Xpress" will wissen: Wie sieht es wirklich mit Recycling und Müllentsorgung aus?

Die Faktenlage ist ernüchternd: Rund sechs Millionen Tonnen Kunststoffabfälle fallen jährlich in Deutschland  an. Ein Großteil davon wird verbrannt und manches landet statt im Recyclingwerk auf Müllkippen im Ausland oder im Meer. Das Problem: Wenn unprofessionell entsorgt wird, können giftige Kunststoffreste über das Wasser, den Boden und die Luft zu uns Menschen zurückkommen. Welche Folgen hat das für uns und unsere Gesundheit – und was muss sich ändern?  

Die erste Etappe der Spurensuche führt "Terra Xpress" an die deutsch-polnische Grenze. Als in Polen eine Mülldeponie unter anderem mit deutschem Plastikmüll brennt, geraten auch Kinder und Erzieher eines Kindergartens in Deutschland in Atemnot. Der Rauch ist unerträglich, eine Gefährdung nicht auszuschließen. Eltern, Erzieher und Einwohner sind verunsichert. Was steckt dahinter?

In Nordrhein-Westfalen bestätigt der Betreiber einer Müllsortieranlage, dass ein nicht geringer Teil des von Verbrauchern im Gelben Sack gesammelten Plastikmülls zwar offiziell als recycelt verbucht wird. Das heißt aber noch lange nicht, dass daraus wieder Kunststoffe werden.

Immer wieder wird Plastikmüll unbemerkt von der Bevölkerung ins Ausland geschafft, oder er dient Industriebetrieben als sogenannter Ersatzbrennstoff. Doch wenn bei der Verbrennung einheitliche Vorschriften für Filteranlagen fehlen, können gefährliche Stoffe aus dem Altplastik in die Luft gelangen. Anwohner, die neben Industrieanlagen leben, die Plastikmüll verbrennen, sind alarmiert, wie "Terra Xpress" bei Bürgerinitiativen erfährt.

Weiter führt die Spurensuche zu einer Klinik für Zahnmedizin in Gießen. Schon seit einiger Zeit werden hier Kinder mit einem beunruhigenden Krankheitsbild, den sogenannten Kreidezähnen, behandelt. Hierbei sind die Zähne der Kinder porös und weich. Liegt die Ursache dafür in einem speziellen Zusatzstoff von Kunststoffprodukten? "Wir wissen viel zu wenig. Wir bräuchten viel mehr Forschung auf dem Gebiet, um die wirklichen Ursachen für die Kreidezähne festzustellen", so der leitende Zahnarzt. Doch eine systematische Forschung zu den Ursachen der Krankheit werde nicht finanziert. In Deutschland wird beispielsweise der Zusatzstoff Bisphenol A weiter in Produkten wie Plastikspielzeugen, Lebensmittelbehältern und als Beschichtung bei Kassenbons eingesetzt. In anderen Ländern gibt es strengere Vorschriften für Plastikzusatzstoffe. So hat Frankreich Bisphenol A für Lebensmittelverpackungen bereits verboten.

Auch der Frankfurter Biologe Professor Dr. Jörg Oehlmann fordert einen ehrlicheren Umgang mit Plastik und seinen Zusatzstoffen. Er erklärt Lena Ganschow, wie und weshalb Zusatzstoffe im Plastik Lebewesen verändern können.

Die letzte Etappe der Suche führt "Terra Xpress" in einen kleinen Ort in Oberbayern, der das "Recycling-Märchen" nicht länger hinnehmen will. Im Ort Riegsee lebt die elfjährige Vanessa. Sie ist entsetzt über die vielen Gelben Säcken, die jede Woche anfallen, und sorgt sich um die Umwelt. Kurzerhand ruft sie mit anderen Bürgern zu einem Plastikfasten auf. Viele machen mit und reduzieren den Verbrauch von Plastikprodukten und Verpackungen. Das Umdenken macht auch vor den Grenzen der Gemeinde nicht halt, sondern zieht weitere Kreise. Und es zeigt, ein bewusster Umgang mit Plastik ist möglich und fängt im Kleinen an.

"Ich vermeide Plastik, indem ich weniger Süßigkeiten esse"
Interview mit Vanessa Bosse

Welche Erfolge hattest du bisher mit deinem Projekt?

In dem Verein "Das macht Schule", der Schulen, Lehrer und Schüler in Hamburg bei Projektarbeiten unterstützt, wurde das Projekt kopiert, damit es genauso oder ähnlich auch andere Schulen machen können. Außerdem konnte ich vor kurzem für andere Kinder im Kinderkanal KiKA über das Thema Plastik berichten.

Weshalb willst du weitermachen und was sind deine Pläne?

Ich will weitermachen, weil das Klima und das Plastikproblem wichtiger sind, als zum Beispiel der Brexit. Wenn die Welt überhitzt, dann gibt es uns nicht mehr und wir brauchen uns auch keine Gedanken mehr über den Brexit zu machen. Schaffen wir es noch, dass die Welt nicht überhitzt, dann überleben die Menschen und die Erde.

Wie vermeidest du Plastik im Alltag?

Ich vermeide Plastik, wo es geht, zum Beispiel mit selbstgemachtem Spülmittel, mit Haarseife statt Shampoo, mit Holzstiften und Baumwoll-Klamotten oder wenn ich weniger Süßigkeiten esse.

Hast du einen Rat an Eltern und Kinder?

Ich habe ein Plastikmüllvermeidungsheft gemacht, in dem es viele Tipps für das alltägliche Leben gibt, zum Beispiel "Geh mit dem Korb oder einer Tragetasche zum Einkaufen und kaufe Wurst und Käse nicht abgepackt, sondern frisch von der Theke."

"Es steht so viel auf dem Spiel"
Interview mit Moderatorin Lena Ganschow

"Terra Xpress" widmet erstmals eine ganze Sendung dem Thema Plastik. Was hat Sie bei den Dreharbeiten dafür besonders bewegt?

Der Frust der Menschen, die sich seit Jahren, teilweise sogar seit Jahrzehnten mit dem Thema Plastik beschäftigen. Ob es nun um die Zusammensetzung geht oder die Verwertung, immer wieder wurde uns gesagt, dass es so mit den Kunststoffen in Deutschland nicht weitergehen darf. Mein Eindruck: Oft fehlt es in Politik und Industrie am Willen, grundsätzlich etwas zu ändern. Dabei steht so viel auf dem Spiel – sowohl für unsere Umwelt, als auch für uns und unsere Kinder. Das beunruhigt mich.

Immer wieder geht es beim Thema Plastik um Verpackungen. Sind sie der Kern des Problems?

So pauschal sicher nein. Verpackungen können durchaus vernünftig sein, wenn sie zum Beispiel über Inhaltsstoffe informieren, die Produkte schützen oder verhindern, dass diese verderben. Wir können nicht auf das Drumherum verzichten und im Gegenzug dann aber mehr Ware wegschmeißen, weil sie kaputt ist oder ungenießbar. Dennoch kann es sich lohnen, über die Art der Verpackung nachzudenken, über die Zusammensetzung jedes Produkts, auch und vor allem dann, wenn diese – aus welchen Gründen auch immer – (noch) aus Plastik sein muss. Einen Kunststoffmix zu recyceln ist zum Beispiel sehr aufwendig bis unmöglich. Wenn Dinge dagegen sortenrein sind, können sie im besten Fall immer und immer wieder verwendet werden. Das spart neues Plastik.

Wie gehen Sie selbst im Alltag mit Plastik um?

Es kommt ganz darauf an. Ich fahre zum Beispiel viel Fahrrad und Bahn. Dennoch würde ich jetzt weder meinen Helm wegwerfen, noch die Sitzbezüge in den Wagen der Bahn herausreißen wollen, nur weil sie aus Kunststoff sind. Dann doch lieber so lange nutzen, wie es geht und irgendwann nachhaltig neu kaufen, wenn es ansteht. Aber dort, wo Kunststoff kurzlebig und verschwenderisch eingesetzt wird, ärgere ich mich darüber. Deshalb versuche ich, Wegwerfplastik zu vermeiden.

Zum Beispiel?

Ich habe das große Glück, dass der Wochenmarkt bei mir direkt vor der Haustür ist, und so kann ich Obst und Gemüse bequem lose einkaufen. Dabei helfen mir wiederverwendbare Obstnetze und Stoffeinkaufsbeutel. Ansonsten setze ich auf Mehrweg, habe unterwegs meinen eigenen To-Go-Becher und Leitungswasser in einer Edelstahlflasche dabei. Und mein "Eis auf die Hand" bestelle nur noch in der Waffel und nicht im Wegwerfbecher. Doch nicht immer ist es einfach, Plastik zu umgehen.

Wie meinen Sie das?

Plastik ist oft verführerisch, weil es bei vielen Produkten die bequemste und kurzgedacht die billigste Variante ist – für uns Kunden, den Handel und die Hersteller. So kommt es wohl auch, dass in den vergangenen Jahren aller Einsicht und Besserungsabsichten zum Trotz sowohl die Kunststoffproduktion als auch der Kunststoffverbrauch gestiegen sind. Umso bemerkenswerter, wenn es dennoch klappt, Kunststoff zu vermeiden. Auch das zeigen wir in der Sendung und erzählen die Geschichte eines Mädchens, das ein ganzes Dorf zum Plastik-Fasten und damit zum Umdenken bringt.

Über "Terra Xpress"

Seit über acht Jahren präsentiert das ZDF-Wissensmagazin "Terra Xpress" jeden Sonntag um 18.30 Uhr Erlebnisse und Ereignisse, die die Zuschauer staunen lassen. Die Sendung zeigt Menschen in außergewöhnlichen Lebenssituationen, vor allem dann, wenn sie zu Helden des Alltags werden und besondere Herausforderungen annehmen.

Das "Wissenserlebnis"-Konzept findet bei den Zuschauern Gefallen. Die Zuschauerzahlen sind über die Jahre stetig gewachsen. Inzwischen erreicht "Terra Xpress" konstant zweistellige Marktanteile und in der Spitze über drei Millionen Zuschauer.

"Terra Xpress" hat sich mit spannenden Beiträgen aus der direkten Erlebniswelt der Menschen zu einem der erfolgreichsten Wissensmagazine in der deutschen Fernsehlandschaft entwickelt.

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/terraxpress

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