Projekt "Massenumcodierung". Fotocredit: ZDF/Ulrike Lenz.
Projekt "Massenumcodierung". Fotocredit: ZDF/Ulrike Lenz.

Total digital – Das filmische Gedächtnis des ZDF

Massenumcodierung zur Sicherung des Archivbestands

Wenn sich im November 2019 der Fall der Berliner Mauer zum 30. Mal jährt, kann man sich einen Tag im Fernsehen ohne Aufnahmen aus dem Archiv kaum vorstellen. Doch auch an regulären Sendetagen ist Archivmaterial immer gefragt ob für Reportagen, Dokumentationen oder Nachrichten.

Texte

Statement von Elmar Theveßen

"Für die Aktualität ist es ein echter Wettbewerbsvorteil, dass das ZDF-Archivmaterial überall schnell und digital verfügbar ist. Das gilt für tagesaktuelles Material, aber auch für unseren größten Schatz: die Sendungen und Beiträge aus jahrzehntelanger Berichterstattung des ZDF."

Elmar Theveßen
Stellvertretender ZDF-Chefredakteur und Leiter der Hauptredaktion Aktuelles

über das Projekt "Massenumcodierung"

Bereits seit 2006 werden die Programme der ZDF-Sendefamilie in einem digitalen Massenspeicher archiviert. Trotzdem liegt ein großer Teil des älteren Programmvermögens noch immer auf klassischen Videobändern vor. Um dieses Material zu sichern und auch für die Zukunft nutzbar zu machen, muss es immer wieder auf aktuelle Speichermedien umkopiert werden – genau das ist das Ziel des Projekts "Massenumcodierung".

Denn die zunehmend filebasierte Fernsehtechnik führt zum Verschwinden der klassischen Aufzeichnungstechnik auf Videobänder. So haben die großen Herstellerfirmen die Produktion von Bandrekordern längst eingestellt. Im Juli 2011 erwarb das ZDF die letzten auf dem Weltmarkt verfügbaren, neuwertigen Videoband-Abspielgeräte für das hauseigene Speicherformat "DVCPro". In einem speziellen Serverraum, dem sogenannten "Hot Spare", werden diese seltenen Abspielgeräte permanent unter Strom gehalten, damit sich die Laufwerke nicht festsetzen. Das hält die Maschinen im betriebsbereiten Zustand.

Mit dem Material, das zwischen 1963 und 2006 entstand, müssen nun also mehr als 50 Jahre ZDF-Programmhistorie gesichert werden. Diese mehr als 250 000 Programmstunden, die auf digitalen MAZ-Bändern archiviert wurden, werden seit Projektbeginn in Videodateien gewandelt und dauerhaft in einem digitalen Archiv gespeichert, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Im September 2018 feiert die "Massenumcodierung" Bergfest: 200 000 der insgesamt 400 000 Bänder sind nun in das digitale Archiv eingespeist worden.

Fakten und Zahlen

•    Im ZDF-Archiv wird das komplette Programmvermögen der Senderfamilie von 1963 bis heute auf weit über einer halben Million digitalen Videobändern aufbewahrt. Das schließt reine Sicherheitskopien mit ein, die bislang dem Verlust der Programme vorbeugen sollten.  Ohne diese Kopien verbleiben noch immer rund 400 000 Bänder, die dauerhaft langzeitgesichert werden müssen. Das entspricht rund 300 000 Programmstunden.
Wollte man den gesamten Bestand sichten, müsste man über 30 Jahre lang ununterbrochen fernsehen.

Würde man ein Video pro Tag sichten, müsste man für die Sichtung des Archivbestands 1069 Jahre aufwenden.

 

Zum digitalen Massenspeicher

Der digitale Massenspeicher des ZDF, die sogenannte "Bandbibliothek", ist eine Art "Roboterschrank", der mit einer variablen Anzahl von Datenbändern mit extrem hoher Speicherkapazität bestückt wird. Jedem Datenband ist innerhalb des geschlossenen Systems ein definiertes Ablagefach, Slot genannt, zugeordnet. Die "Bandbibliothek" funktioniert nach dem Prinzip einer Jukebox: Sollen Daten gespeichert oder ausgelesen werden, transportiert ein Roboterarm das entsprechende Datenband automatisch zu einem der verfügbaren Laufwerke innerhalb des Systems. Innerhalb der ZDF-Netzinfrastruktur lassen sich Videodateien so beispielsweise direkt online zu einem Schnittplatz oder zur Sendeleitung transferieren.

Um Ausfallsicherheit zu gewährleisten, müssen zwei "Bandbibliotheken" mit identischem Systemaufbau betrieben werden. Die "Bandbibliotheken" im ZDF befinden sich zwar an
unterschiedlichen Standorten, doch liegt  das Programmvermögen stets gespiegelt – in beiden Systemen – vor.
Die Speicherkapazität der "Bandbibliothek" bewegt sich im Petabyte-Bereich: Zurzeit werden die Kapazitäten auf 60 Petabyte (= 60 000 000 000 000 000 Byte ) pro Standort erweitert.

Überblick: Bisherige Maßnahmen zur Programmsicherung

Die Sicherung und Pflege der Programmbestände ist eine Daueraufgabe. In den vergangenen Jahrzehnten wurden bereits mehrere große "Sicherungsprojekte" umgesetzt, die sichergestellt haben, dass das Programmvermögen des ZDF nicht verloren geht.

 

 

•  1983 bis 1994: 

Überspielung von 2-Zoll-MAZ-Bändern auf 1-Zoll-MAZ-Bänder

(ca. 30 000 Bänder)

 

1995 bis 2002:

Überspielung von 1-Zoll-MAZ-Bändern auf Betacam- oder DigiBeta-Kassetten

(ca. 35 000 Bänder)

 

2002 bis 2006:

Überspielung von 1-Zoll-MAZ-Bändern auf DVCPro

(ca. 115 000 Bänder)

 

2008 bis 2012:

Überspielung analoge Betacam-Kassetten auf DVCPro

(ca. 213 000 Bänder)

 

seit 2015
(voraussichtlich bis 2021)   

Digitalisierung aller überspielungsrelevanter Träger im Rahmen des Projekts "Massenumcodierung"

(ca. 400 000 Bänder)

Fotohinweis

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über  https://presseportal.zdf.de/presse/massenumcodierung 

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