Twitter - Revolution in 140 Zeichen?

Jubiläums-Doku zu 10 Jahre Kurznachrichtendienst

Von Twttr über Hashtags zum Live-Twittern: Als Jack Dorsey am 21. März 2006 seinen ersten Tweet absetzte, ahnte kaum jemand, dass in den nächsten zehn Jahren aus Twttr nicht nur Twitter, sondern das "Gezwitscher" jedem geläufig und die digitale Echtzeit-Verbreitung telegrammartiger Kurznachrichten aus dem eigenen Leben zum Hype würde. Zum Zehnjährigen greift die Doku "Twitter – Revolution in 140 Zeichen?" am 21. März 2016 deshalb die Fragen auf: Ist Twitter ein überschätztes Medium, das seinen Zenit bereits erreicht hat, oder auch künftig ein einflussreiches, schlagkräftiges Instrument der Echtzeit-Kommunikation?

  • ZDF info, Montag, 21. März 2016, 10.00 Uhr

Texte

Sendetermine und mehr

Um die Erstausstrahlung der Doku "Twitter – Revolution in 140 Zeichen?" hat ZDFinfo weitere Dokus zu Facebook, Google & Co. platziert:

Montag, 21. März 2016

7.45 Uhr: Weltmacht Google – Wie ein Konzern unser Leben beeinflusst

8.30 Uhr:  Die Facebook-Story – Mark Zuckerberg: Das wahre Gesicht hinter Facebook

9.15 Uhr:  Die Microsoft-Story – Computerpionier Bill Gates

10.00 Uhr: Twitter – Revolution in 140 Zeichen?

10.45 Uhr Die Nintendo-Story

11.15 Uhr: Rivalen: Bill Gates und Steve Jobs

12.00 Uhr: Die Google-Story – Die Milliarden-Dollar-Maschine

 

Twitter – Revolution in 140 Zeichen?

Film von Tim Klimeš

Produktion: AVE
Redaktion: Imke Meier

Sendetermine in ZDFinfo:

Montag, 21. März 2016, 10.00 Uhr und 1.15 Uhr
Freitag, 25. März 2016, 16.45 Uhr
Samstag, 26. März 2016, 7.00 Uhr

Twitter – Revolution in 140 Zeichen?

Im März 2016 ist es zehn Jahre her, dass 140 Zeichen die Welt eroberten: Twitter. Heute steht das Unternehmen mit einem geschätzten Wert von 24 Milliarden US-Dollar da.

Doch der Weg dahin war nicht immer stringent. Kaum eine Gründungsgeschichte des Silicon Valley ist so detailliert und öffentlich dokumentiert wie die von Twitter.

Ist Twitter ein überschätztes Medium? Oder ein einflussreiches Instrument, das mit seiner unmittelbaren Schlagkräftigkeit Geschichte nicht nur geschrieben, sondern auch gemacht hat? Die Dokumentation versucht, hinter die Kulissen des Unternehmens zu schauen und seine Bedeutung, seinen Einfluss und sein Potential für die Zukunft zu skizzieren.

"Diesen Erfolg hat niemand vorausgesehen" 
Interview mit Filmautor Tim Klimeš

Leonardo diCaprios Oscar-Gewinn stellte Ende Februar einen neuen Twitter-Rekord auf: 440.000 Tweets pro Minute, der meist-getweetete Oscar-Moment in der Geschichte der Preisverleihung. Zeigt Twitter nur bei solchen Events seine Schlagkraft? Oder ist es als Instrument für unmittelbare Meinungsäußerungen auch in der politischen Willensbildung weiterhin ernst zu nehmen?

Wie ernst Twitter tatsächlich zu nehmen ist – an dieser Frage scheiden sich die Geister! Und es ist im Kern auch die Frage, die mich zu diesem Film getrieben hat. Man könnte auch fragen: Ist Twitter wirklich relevant? Die Antwort darauf ist nicht in einem Absatz zu formulieren, aber sicherlich hat der Dienst in den vergangenen zehn Jahren seines Bestehens die Kommunikationslandschaft verändert. Er hat eine entscheidende Rolle in Polit-Wahlkämpfen wie beispielsweise dem von Barack Obama 2008 gespielt und dadurch zweifelsohne die politische Kommunikation verändert. Ich hatte die Gelegenheit mit Michael Slaby in Chicago zu sprechen, dem ehemaligen Chief Integration & Innovation Officer der Wahlkampf-Kampagne von Obama. Er hat spannende Einblicke in diese Zeit des Umbruchs gegeben und beschrieben, wieso sein Team auf Twitter gesetzt hat: Weil diese Form der Unmittelbarkeit, der Nähe eines Politikers zu seinen Wählern einzigartig war. Dieser Wahlkampf hat natürlich weltweit viel verändert. Aber was davon bleibt? Das ist, denke ich, noch immer nicht raus. Twitter wird immer öfter, von immer mehr Entscheidungsträgern und Multiplikatoren als Verlautbarungskanal genutzt. Aber damit die Welt davon erfährt, braucht es oftmals wieder die klassischen Medien. Muss man Twitter also ernst nehmen? Sicherlich. Verändert es die Welt? Nicht auf eigene Faust.

Was die Wirkmächtigkeit von Twitter betrifft, hat diese zuletzt darunter gelitten, dass Hetze und Drohungen im Kurznachrichtendienst überhandnahmen und Twitter seine Nutzer nicht nur darauf hinweisen musste, dass Verherrlichung und Androhung von Gewalt tabu seien, sondern auch, dass die "Förderung von Terrorismus" verboten ist. Wie schätzen Sie solche Richtlinien und Verbote für den weiteren Erfolgsweg des Mediums ein?

Niemand geht gerne in eine Bar, in der ständig jemand an der Theke sitzt und herumgrölt. Das hat Twitter verstanden und versucht deshalb diese Leute aus seinem Dienst zu verbannen. Ich glaube allerdings nicht, dass das über Richtlinien funktioniert – es müsste ein Kulturwandel in dem Netzwerk stattfinden, User müssten sich gegenseitig maßregeln und der Ton müsste sich grundlegend ändern. Da ist in den vergangenen Jahren viel zu wenig von Seiten des Unternehmens passiert.

Hat man denn im Silicon Valley vor zehn Jahren geahnt, dass Twitter eine Revolution in 140 Zeichen auslösen könnte? Oder war es damals nur eine Kommunikationsinnovation unter mehreren?

Nein, diesen Erfolg hat niemand vorausgesehen. Für diesen Film habe ich unter anderem mit Dom Sagolla gesprochen, der an der Entwicklung von Twitter in der Frühphase beteiligt war und auch mit Robert Scoble, einem angesehenen Tech-Blogger, der im Silicon Valley aufgewachsen ist. Beide haben eindrücklich beschrieben, wie wenig Vorstellung die Branche davon hatte, was aus Twitter mal werden könnte. Einer, das muss man ihm zugestehen, war von Beginn an überzeugt, dass sie da an etwas Großem arbeiten: der heutige CEO Jack Dorsey. Er twitterte im Februar 2007: "One could change the world with one hundred and forty characters".   

Welche Vermutung legen Ihre Recherchen nahe: Wie wird sich Twitter in den nächsten zehn Jahren entwickeln?

Ich vermute, dass sich das in diesem Jahr entscheiden wird. Twitter hat mit ein paar ernstzunehmenden Problemen zu kämpfen: Die User-Zahlen stagnieren, viele Neuerungen, die der Dienst in den vergangenen Monaten eingeführt hat, wirken beliebig. Am Ende wurde sogar über die Abschaffung des 140-Zeichen-Limits diskutiert – das Alleinstellungsmerkmal und der Garant für die Prägnanz des Mediums. Ich denke, dass die Chance für Twitter in der Abkehr vom Otto-Normal-User steckt. Das Unternehmen sollte sich auf Journalisten, Meinungsmacher, Politiker fokussieren und ihnen weiterhin ein grandioses Tool zur Live-Berichterstattung mittels Text und (Bewegt-)Bild anbieten. Der Rest ist und bleibt auf Facebook. 

Und wie nutzen Sie Twitter selbst – aktiv oder lediglich als weiteren Informationsbeschaffungskanal?

Für mich ist Twitter in erster Linie ein Informationsbeschaffungskanal. 

Mit Tim Klimeš sprach Thomas Hagedorn.

Zitate aus der "Twitter"-Dokumentation

"Wir müssen Twitter simplifizieren."

Rowan Barnett, Twitter-Manager

 

"Deutschland ist eine der großen Prioritäten von Twitter."

Thomas De Buhr, Deutschland-Chef von Twitter

 

"Mich interessiert, ob Twitter in Echtzeit nicht mittlerweile besser ist als dpa."

Kai Diekmann, Herausgeber der BILD-Gruppe

 

"Das Feedback über Twitter ist ungefiltert, es ist sehr direkt, es ist auch nicht immer freundlich?"

Heiko Maas, Bundesjustizminister

 

"So ein richtiger Dialog kam auf Twitter nie zustande."

Christoph Lauer, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses

 

"2008 wurde Twitter zu einem wirklich mächtigen Instrument in unserem Wahlkampf."

Michael Slaby, Wahlkampf-Manager von Barack Obama

 

"Twitter ist ein effektives Instrument, um Fehlinformationen in die Welt zu setzen."

Lance Strate, Professor für Kommunikation

 

"Auf dem SXSW 2007 wussten wir: Twitter hat das Potenzial, Bedeutsames zu leisten."

Robert Scoble, Tech-Blogger 

Biografische Angaben zu Filmautor Tim Klimeš

Tim Klimeš, geboren 1986 im hessischen Groß-Gerau, ist seit September 2014 "Leiter TV & Digitale Projekte" bei der Produktionsfirma AVE, die zu Holtzbrinck Publishing gehört. Er verantwortet dort den gesamten Fernseh- und Online-Bereich an den Standorten Berlin, Mainz und München. Klimeš ist seit 2008 für die AVE tätig, zunächst als Online-Redakteur, seit 2010 als Chef vom Dienst, Producer und stellvertretender Redaktionsleiter, verantwortlich unter anderem für das Jugendmagazin "on3-südwild". 2011 wurde das von ihm entwickelte Kurzformat "140 Sekunden" mit dem "Grimme Online Award" ausgezeichnet. Für ZDFinfo hat Tim Klimeš unter anderem bereits die Doku "World of Warcraft: Geschichte eines Kult-Spiels" und die Netzkultur-Reihe "15 Minutes of Fame" realisiert. Als Produzent wirkt er an der "Killerspiele"-Reihe von ZDFinfo mit.

Infos zu ZDFinfo

ZDFinfo setzt seinen Wachstumskurs insbesondere in den jüngeren Zuschauergruppen fort und hat 2015 1,1 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen erreicht. 2014 lag der Marktanteil noch bei 0,9 Prozent. Auch bei den Zuschauern gesamt hat sich der Anteil erhöht: von 0,9 Prozent (2014) auf 1,0 Prozent (2015).  Im Februar 2016 erzielte ZDFinfo einen Marktanteil von 1,2 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen und von 1,1 Prozent bei den Zuschauern gesamt. 

Der Digitalsender mit hochwertigen Dokumentationen aus den Themenfeldern Zeitgeschichte, Politik, Wissen und Service profitiert dabei von seinem stetig wachsenden Programmangebot: 2015 sind pro Monat etwa 50 neue ZDFinfo-Dokus gestartet. Besonders erfolgreich waren dabei die mehrteiligen Dokumentarreihen, die zum Markenzeichen von ZDFinfo geworden sind.

Die 154 Ausstrahlungen der zwölfteiligen Reihe "Countdown zum Untergang" erreichten im Schnitt 1,3 Prozent Marktanteil. Mit im Schnitt 1,2 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen bestätigen die 137 Ausstrahlungen der sechsteiligen Reihe "Die Geschichte der RAF", dass gerade jüngere Zuschauergruppen solche historischen Themen in ZDFinfo suchen. Im Ranking der erfolgreichsten Dokumentationen in ZDFinfo liegt der Film "Tödliches Stalking – Der Fall Jonathan Vass" ganz vorne. Diesen sahen am 2. Januar 2015 450.000 Zuschauer in ZDFinfo, bei einem Marktanteil von 1,5 Prozent und 2,2 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Im Ranking der erfolgreichsten Wissensdokumentationen in ZDFinfo ist der Film "Katastrophen der Erdgeschichte: Stunde Null" top: Diesen sahen am 24. September 2015 410.000 Zuschauer in ZDFinfo, bei einem Marktanteil von 1,6 Prozent und 1,9 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen.

Robert Bachem, Leiter des Programmbereichs ZDFinfo, Gesellschaft und Leben: "Es freut mich, dass wir mit so hochwertigem und anspruchsvollem Programm jüngere Zuschauergruppen für die ZDF-Programmfamilie zurückgewinnen konnten. Gerade Menschen, die mitten im Leben stehen, schätzen unser Programmangebot, bei dem man immer etwas lernt."

Beim Start 2011 hatte ZDFinfo lediglich 0,1 Prozent Marktanteil und ist seitdem kontinuierlich gewachsen.

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