Copyright: ZDF/Luca Lucchesi
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Wir machen Schule

Drei Dokumentarfilme

Im Oktober 2018 präsentiert die ZDF-Redaktion Das kleine Fernsehspiel an drei aufeinanderfolgenden Montagen drei Dokumentarfilme in der Reihe "Wir machen Schule".

  • ZDF, Ab Montag, 1. Oktober 2018, 0.10 Uhr
  • ZDF Mediathek, Alle Filme sind ab dem 1. Oktober 2018 30 Tage lang in der ZDFmediathek abrufbar.

Texte

Statement der Redaktion

Das deutsche Bildungssystem ist ein andauernd kontrovers diskutiertes Thema. Wie aber gestaltet sich die Ausbildung an unseren Schulen Tag für Tag? Welche Herausforderungen müssen Lehrkräfte und Schüler/innen in der Praxis bewältigen? Und wie steht es um die Inklusion im Schulalltag?

Wer könnte das besser beantworten, als junge Filmemacher/innen, die sich in ihren Debüt-Dokumentarfilmen intensiv mit diesen Fragen auseinandergesetzt haben und deren eigene Ausbildung und Schulzeit noch nicht lange zurück liegt? Es ist ihnen gelungen, längerfristige Entwicklungen zu verfolgen, Chancen und Hindernisse an deutschen Schulen zu identifizieren und sowohl die Perspektiven von Schüler/innen und Referendar/innen wie auch von Lehrer/innen zu zeigen. So geben ihre drei Dokumentarfilme authentische, vielschichtige und auch humorvolle Einblicke, wie Unterricht und Ausbildung heutzutage real gelebt und erlebt werden.

Das kleine Fernsehspiel präsentiert den Bildungsschwerpunkt "Wir machen Schule" an drei aufeinanderfolgenden Montagen und natürlich auch in der ZDFmediathek.

Claudia Tronnier, Redaktionsleiterin Das kleine Fernsehspiel

Die Sendetermine und -titel

Montag, 1. Oktober 2018, 0.10 Uhr
Zwischen den Stühlen

Montag, 8. Oktober 2018, 0.10 Uhr
Berg Fidel – Eine Schule für alle

Montag, 15. Oktober 2018, 0.20 Uhr
Schule, Schule – Die Zeit nach Berg Fidel

Zwischen den Stühlen

Montag, 1. Oktober 2018, 0.10 Uhr

Zwischen den Stühlen
Dokumentarfilm, Deutschland 2017

Stab

Buch und RegieJakob Schmidt
Kamera David Schittek, Evgeny Revvo, Jakob Schmidt
Montage Julia Wiedwald
TonAngelo Fonfara, Malte Eiben, Tim Altrichter
MusikAndreas Bick
MischungMalte Eiben
ProduktionMarie-Luise Scharf
Herstellungsleitung Holger Lochau / Andrea Wohlfeil
RedaktionJörg Schneider
Länge 101'43''

Eine Produktion der Filmuniversität Babelsberg in Koproduktion mit dem ZDF/Das kleine Fernsehspiel

Mit: Anna Kuhnhenn, Ralf Credner, Katja Wolf und vielen anderen

Teach me if you can – drei junge Lehrerinnen und Lehrer in ihrem Referendariat.

Inhalt

Auf das theoriedominierte Lehramtsstudium folgt seit Jahrzehnten das Referendariat, der praktische Teil der Lehrerausbildung. Ein Sprung ins kalte Wasser und gleichzeitig eine Feuerprobe für die angehenden Lehrer: Sie lehren, während sie selbst noch lernen. Sie vergeben Noten, während sie ihrerseits benotet werden. Zwischen Problemschülern, Elternabenden und Prüfungsängsten werden die Ideale der Anwärter auf eine harte Probe gestellt.

"Zwischen den Stühlen" begleitet drei Referendare auf ihrem steinigen Weg zum Examen. Der mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilm ermöglicht einen Blick hinter die Kulissen des Systems Schule und wirft dabei nicht zuletzt die Frage auf, in was für einer Gesellschaft wir leben wollen.

Interview mit Filmemacher Jakob Schmidt

Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Film über Lehramtsreferendare zu machen?

Ich hatte schon lange vor, einen Film über den Zustand von Schulen in Deutschland zu drehen. Vielleicht auch, weil ich selbst ein "Lehrerkind" bin. Vor allem aber, weil ich mich selbst als Schüler unwahrscheinlich oft darüber geärgert habe. Auf der Suche nach einem spannenden Zugang zum Thema hat mich die schizophrene Perspektive, mit der angehende Lehrer während des Referendariats auf dieses verworrene System blicken, extrem fasziniert. Komprimiert auf einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren sind sie Schüler und Lehrer zur selben Zeit. Auf der einen Seite sind sie von Beginn an Autoritätspersonen, geben Noten, rechtfertigen ihr Handeln auf Elternsprechtagen – sie tun das, was wir von Lehrern erwarten. Auf der anderen Seite aber sind sie selbst dem System ausgeliefert. In denselben Klassenzimmern, in denen sie gerade noch genervt um Ruhe bitten, werden sie wenig später selbst im Unterrichten unterrichtet. Werden ihrerseits ermahnt, wenn sie zu laut tuscheln, müssen sich in Unterrichtsbesuchen den strengen Blicken ihrer "Lehrerlehrer" stellen, ärgern sich über hundsgemeine Ausbilder und deren ungerechte Noten – und zittern vor der großen Abschlussprüfung, deren Ausgang darüber entscheidet, ob man jemals im Beruf wird arbeiten dürfen.

Wie lange habt ihr insgesamt an dem Film gearbeitet?

Die Vorbereitungszeit für das Projekt dauerte über ein Jahr, gedreht haben wir dann knapp drei Jahre. Das lag daran, dass die einzelnen Protagonisten ihr Referendariat nicht zeitgleich antraten und sich die Dauer der Ausbildung je nach Schulform auch unterschied. Im Schnitt saßen wir dann noch ein weiteres Jahr, um die über 300 Stunden Rohmaterial, die entstanden waren, zu bändigen. Von den fünf Protagonisten, die wir durch das gesamte Referendariat begleitet haben, sind letztendlich drei im fertigen Film gelandet.

Wie bist du an deine Protagonisten gekommen?

Nachdem wir die zuständige Berliner Behörde für das Projekt gewinnen konnten, stellte man uns ein förmliches Schreiben aus, das bei Schul- und Seminarleitungen darum warb, unsere Dreharbeiten aktiv zu unterstützen. Vorausgesetzt natürlich, wir fänden junge Lehrer, die bereit sein würden, bei dem Projekt mitzumachen. Weil viele der Referendare erst wenige Wochen vor Beginn des Referendariates erfuhren, ob sie teilnehmen durften, fand unsere Suche nach möglichen Protagonisten innerhalb kürzester Zeit statt. Ich verfasste einen langen Brief, in dem ich für das Filmprojekt warb. Diesen Brief durften wir den offiziellen Auswahlschreiben der Seminare beilegen und zu zwei verschiedenen Einstellungsterminen an knapp 600 angehende Lehrer verschicken. Völlig verblüfft waren wir dann darüber, dass sich in den kommenden Tagen tatsächlich fast 25 Leute bei uns meldeten. Der allererste war der spätere Protagonist Ralf. Er hatte den Brief noch keine fünf Minuten geöffnet, als er mich anrief. Die meisten Interessierten besuchte ich dann umgehend persönlich und zeichnete ganz direkt – ohne viel Vorgespräch – ein Interview mit ihnen auf.

Warum das?

Ich wollte, dass die Protagonisten zumindest eine Ahnung davon bekommen, was die Teilnahme an so einem Filmprojekt für sie bedeutet. Außerdem war mir wichtig, Menschen zu finden, die einen individuellen, reflektierten Blick auf das Thema Bildung und die Verantwortung, die ihre Arbeit mit sich bringt, haben. Ich wollte Menschen mit eigenem Standpunkt und Passion für den Beruf – keine Verirrten, die Lehramt aus Verlegenheit und Mangel an Alternativen studiert haben. Schließlich entspricht ein großer Teil angehender Lehrer genau diesem ernüchternden Bild. Mich hat das nicht interessiert. Mit knapp zehn Protagonisten begannen wir dann die Dreharbeiten. Wir wussten, dass wir eine größere Gruppe brauchten, weil es sehr viele Unsicherheiten gab: Wie würden die jeweiligen Lehrerkollegen, Schüler, Eltern, Seminarleiter, Mitreferendare der Protagonisten auf das Filmprojekt reagieren? Nur, wenn wir überall auf ein gewisses Maß an Akzeptanz stoßen würden, hatte der Dreh eine Chance. Außerdem mussten wir ja auch damit rechnen, dass Protagonisten das Projekt gegebenenfalls wieder abbrechen.

Ist das tatsächlich passiert?

Ja, in einem Fall. Eine Protagonistin, die wir über ein Jahr begleitet hatten, wurde von ihrem Schulleiter wegen ihrer Teilnahme an unserem Filmprojekt regelrecht gemobbt. Immer wieder bestellte er sie zu sich und erklärte ihr, er sei durch seine Vorgesetzten zwar angehalten, das Projekt offiziell zu unterstützen, sehe es selbst aber sehr kritisch. Er bewundere ihre Arroganz, sich zuzutrauen, neben den Herausforderungen des Referendariats auch noch in unserem Film mitzuwirken. Obwohl ihre Leistungen überdurchschnittlich gut waren, fühlte sie sich und ihre Ausbildung dadurch gefährdet. Schließlich kommt ein Teil der Benotung im Referendariat ja durch die Schulleiter. Obwohl er sie nie konkret zum Abbruch aufforderte, war klar, dass ihr die Mitwirkung schaden konnte. Deshalb beschlossen wir gemeinsam, mit dem Drehen aufzuhören. Insgesamt war ich überrascht, dass fast alle Vorbehalte dem Projekt gegenüber von denen kamen, die eigentlich am längeren Hebel saßen: So gab es gleich mehrere Seminarleiter, die nicht wollten, dass wir in ihren Seminaren und Unterrichtsbesuchen mit der Kamera dabei waren. Nicht aber, um unsere Protagonisten zu schützen, sondern aus einer großen eigenen Unsicherheit heraus. Sie machten sich Sorgen darum, zu stark von offiziellen Richtlinien für die Lehrerausbildung abzuweichen, Fehler zu machen, nicht den Erwartungen der Vorgesetzten zu entsprechen und sich damit Karrierechancen zu verbauen.

Was waren generell die größten Herausforderungen beim Dreh?

Mit am herausforderndsten war sicher, dass wir eigentlich ununterbrochen das Projekt erklären mussten. Weil unsere Protagonisten so unterschiedliche, sich ständig verändernde Welten streiften – Lehrerzimmer mit 60 Kollegen, mindestens drei verschiedene Seminargruppen voller Referendare und nicht zuletzt mehrere Schulklassen mit Hunderten von Schülern und deren Eltern – gab es nie den Punkt, an dem irgendwann einmal alle Bescheid wussten. Es verging so gut wie kein Drehtag, an dem wir unseren Film nicht irgendjemandem erklären mussten. Drei Jahre lang haben wir eigentlich pausenlos für das Filmprojekt geworben.

Die bürokratischen Herausforderungen waren ebenfalls groß. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, auf wie vielen Elternabenden, vor wie vielen Seminargruppen und Lehrerkollegien die Produzentin des Films und ich uns im Laufe der Drehzeit den Mund trocken redeten, weil Tausende von Beteiligten vom Projekt überzeugt werden wollten. Vor allem bei unseren Drehs in den Schulklassen galt es dann, unser dort geäußertes großes Versprechen wahr zu machen, den Unterricht nicht im Geringsten zu stören. Nicht zuletzt davon hing ab, ob wir weitermachen durften. Wir arbeiteten deshalb in minimaler Besetzung mit einer sehr kleinen Kamera und standen meist am äußersten Rand der Klassenzimmer und bewegten uns so wenig wie möglich. Häufig mussten wir gegen unseren Instinkt arbeiten, mit der Kamera weiter ins Geschehen zu gehen und somit Distanz aufzugeben. Am schnellsten gewöhnten sich die Schüler an uns. Für unsere Protagonisten kam der Druck ohnehin von anderer Seite. Sie waren meist mit den Herausforderungen des Unterrichtens ausgelastet, sodass sie kaum Zeit hatten, unsere Kamera wahrzunehmen.

Warum, glaubst du, haben die Protagonisten sich überhaupt zur Teilnahme bereit erklärt?

Das waren tatsächlich sehr unterschiedliche Gründe. Allen ist gemeinsam, dass sie den Film nicht als Selbstzweck sahen, sondern als Impulsgeber für Diskussionen über den Zustand unseres Bildungssystems. Insbesondere Grundschullehrerin Anna hat immer wieder gesagt, dass sie selbst eigentlich überhaupt nicht gern im Mittelpunkt steht und sich als eine Art "Vehikel" zur Verfügung stellen wollte, um mit ihren Augen hinter die Kulissen von Schule zu schauen. Für Katja spielte sicher auch eine Rolle, dass sie wusste, an was für eine schwierige Schule sie kommen würde. Und sie hatte große Angst, das nicht durchzustehen und vorzeitig abzubrechen. Mit dem Filmteam an ihrer Seite, so ihre Hoffnung, würde sie vielleicht länger durchhalten können, weil sie nicht vor Publikum scheitern wollte. Quasi eine Wette mit sich selbst. Für Ralf wiederum schloss sich mit dem Referendariat ja ein besonderer Kreis, weil er an die Institution zurückkam, an der er zuvor selbst als Schüler gescheitert war. Für ihn war es sicher auch eine Genugtuung, es jetzt, nach über zwanzig Jahren, "geschafft" zu haben und als Vorbild zeigen zu können, dass so ein Weg möglich ist.

Hat sich dein Blick auf das System verändert?

Als wir mit den Vorbereitungen begannen, lag meine eigene Schulzeit erst wenige Jahre zurück. Häufig, wenn wir Situationen filmten, in denen unsere Protagonisten mit den Schülern aneinandergerieten und mir hinterher im Interview ihr Leid klagten, ertappte ich mich bei dem Gedanken, dass das gut auch ich hätte gewesen sein können, über den sie sich ärgerten. Insofern bin ich froh, dass mich meine Protagonisten als Filmemacher kennengelernt haben und nicht als Schüler. Während der Dreharbeiten bin ich dann selbst Vater geworden. Damit hat sich mein Interesse am System Schule verändert. Mir machen Eltern von älteren Kindern jetzt schon Angst, wenn sie mir raten, die Zeit unbedingt noch zu genießen, bis die Kinder ins Schulalter kommen. Dann höre die Zeit der Unbeschwertheit abrupt auf und weiche dem großen Strampeln um einen der vorderen Plätze im Leben. Meine Protagonistin Anna, die ja ihrerseits Mutter zweier Schulkinder ist, stellte mal in einem der vielen Interviews fest, wie schlecht das für sie zu ertragen sei. Zu sehen, wie aus Erstklässlern, die vor Wissensdurst und Lust auf Lernen nur so strotzen, in kurzer Zeit Menschen werden, die Schule als Ort für Pflichterfüllung und notwendiges Übel sehen.

Wie haben die drei auf den Film reagiert?

Sie mochten ihn sehr. Bei unserer Weltpremiere beim DOK Festival Leipzig waren alle drei da und haben den Film zum ersten Mal gesehen. Ihre Reaktion hat uns als Team tatsächlich sehr berührt. Sie fühlen sich und die intensive Zeit ihrer Ausbildung gut repräsentiert. Tatsächlich geht es ja in den Szenen nicht selten auch ums persönliche Scheitern, darum, verletzlich sein, nicht zu genügen, um das Zweifeln, Ringen mit dem eigenen Beruf. Auf der Bühne haben alle drei gesagt, dass sie hoffen, dass der Film kein Selbstzweck ist, sondern als Impuls dienen kann zum Streiten über den wichtigsten Rohstoff unserer Zeit, nämlich Bildung: Was ist die Aufgabe von Schule? Während der Dreharbeiten sind wir tatsächlich auf niemanden gestoßen, der gesagt hat: "Das System ist gut so wie es ist." Niemand! Egal ob Schulleiter, Ausbilder oder Eltern. Alle sind sich einig, dass Schule sich verändern muss. "Wie", ist die große Frage.

Preise und Auszeichnungen

Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts für den besten langen deutschen Dokumentarfilm beim 59. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm, 2016

ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness beim 59. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm

DEFA-Förderpreis für einen herausragenden langen deutschen Dokumentarfilm beim 59. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm, gestiftet von der DEFA-Stiftung, 2016

Healthy Workplaces Film Award für den besten Film zum Thema Arbeit beim 59. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm, gestiftet von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA), 2016

Förderpreis des Berlinale-Empfangs der Filmhochschulen 2013 im Bereich Non-Fiction

Lobende Erwähnung beim Sehsüchte Film Festival 2017

Vornominiert für den Deutschen Filmpreis 2018

Nominiert für den Preis der deutschen Filmkritik 2018

FBW Prädikat Besonders Wertvoll

Biografie von Filmemacher Jakob Schmidt

Jakob Schmidt wurde 1989 in Würzburg geboren. Sein Regiestudium an der Filmuniversität Babelsberg begann er im Alter von 20 Jahren als einer der jüngsten Studenten. Nach seinem Diplom, das er 2015 mit Auszeichnung bestand, war er bis 2017 Meisterschüler für fiktionale Regie bei Professor Andreas Kleinert. Im Rahmen seines Studiums entstanden zahlreiche, zum Teil mehrfach ausgezeichnete, Kurzfilme. Die Abschlussarbeit "Zwischen den Stühlen" ist sein erster abendfüllender Film.

Berg Fidel – Eine Schule für alle

Montag, 8. Oktober 2018, 0.10 Uhr

Berg Fidel – Eine Schule für alle
Dokumentarfilm, Deutschland 2012

Stab

Buch und RegieHella Wenders
KameraMerle Jothe
Schnitt Verena Neumann
MusikThom Hanreich
Ton Luca Lucchesi, Oscar Stiebitz
SounddesignSebastian Tesch
Mischung Alexandre Leser
Dramaturgische BeratungAndres Veiel
Herstellungsleitung Andreas Louis
ProduzentChristoph Heller
Produktion Deutsche Film- und Fernsehakademie (dffb), Die BASISberlin, Aliasfilm
RedaktionChristian Cloos
Länge 86'53"

Mit: David, Jakob, Anita, Lucas und anderen Schülern der Reformschule Berg Fidel in Münster

Mit Witz und Charme erzählen die Schüler einer Inklusions-Grundschule aus ihrem Alltag.

Inhalt

Wenn Kinder nicht von klein auf lernen, dass die Menschen verschieden sind, wann dann? An der inklusiven Gemeinschaftsgrundschule "Berg Fidel" in Münster gehören alle dazu: ob hochbegabt oder lernschwach, geistig oder körperlich beeinträchtigt. Drei Jahre lang hat die Regisseurin Hella Wenders vier dieser Kinder mit der Kamera begleitet. Wir erleben den Alltag in Schule und Familie mit ihren Augen. Für Anita, David, Jakob und Lucas ist ihre Schule ein sicherer und verlässlicher Lern- und Lebensort. Ein Ort für die ganzheitliche Entwicklung und Stärkung von Kindern. Dort lernen sie gemeinsam in altersgemischten Gruppen, verarbeiten Probleme, die im Schulalltag entstehen oder die sie aus ihren Lebenssituationen mitbringen.

"Berg Fidel" ist der Abschlussfilm von Hella Wenders an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Er war im Kino und bei der Kritik erfolgreich und wurde unter anderem mit dem Publikumspreis des Filmfestes Lünen ausgezeichnet.

Statement von Filmemacherin Hella Wenders

Als ich zum ersten Mal den Klassenrat der Grundschule "Berg Fidel" erlebt habe, war ich sehr beeindruckt, wie selbstständig die Kinder dort ihre Probleme lösen. Auch das Lernen in den altersgemischten Klassen schien dort wie von allein zu gehen (...) Nachdem ich drei Jahre lang vier Kinder in ihrem Alltag begleitet habe, war plötzlich Schluss mit dieser Schule und mit der Utopie, die sie in Deutschland vorlebt. Ich wollte keinen pädagogischen Film machen, der versucht etwas zu erklären, sondern einen Dokumentarfilm für alle, der pur und ungefiltert aus der Kindersicht erzählt. Ein Film, der berührt, zum Lachen und zum Weinen bringt. Am Ende des Films hat man vier Menschen kennengelernt, mit ihnen vieles erlebt, Wünsche und Träume mit ihnen geteilt. Der Schock, dass nach Klasse vier Schluss mit der Inklusion war, trifft den Zuschauer ins Herz, der ja miterleben konnte, wie gut es ihnen zusammen ging.

Preise und Auszeichnungen

Preis für den besten Dokumentarfilm, Fünf Seen Film Festival 2012
"Lüdia", Publikums- und Hauptpreis, Kinofest Lünen 2011

Festivals

Max Ophüls Preis Saarbrücken 2012, Wettbewerb Dokumentarfilm

Schule, Schule – Die Zeit nach Berg Fidel

Montag, 15. Oktober 2018, 0.20 Uhr

Schule, Schule – Die Zeit nach Berg Fidel
Dokumentarfilm, Deutschland  2017

Stab

Buch und RegieHella Wenders
Kamera Luca Lucchesi
SchnittVerena Neumann
MusikTina Pepper & David Leonhard
Ton Andrew Amondson, Tobias Welmering
HerstellungsleitungPhilipp Stendebach
Producer Su Jin Song
Produzenten Jonas Katzenstein, Maximilian Leo
Produktionaugenschein Filmproduktion, in Kopruktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel, mit Unterstützung von Film- und Medienstiftung NRW, nordmedia, FFA & DFFF
Redaktion Christian Cloos
Länge91'01''

 

Mit: David, Jakob, Anita, Samira und anderen

Der Dokumentarfilm "Schule, Schule – die Zeit nach Berg Fidel" zeigt ein Schuljahr im Leben  von vier Teenagern, die sich nach ihrer gemeinsamen Zeit auf der inklusiven Grundschule "Berg Fidel" trennen mussten, um auf unterschiedlichen Schulen weiter zu lernen. Es geht um das Erreichen von Noten und Abschlüssen, aber auch um die persönlichen Wünsche und Sorgen der Protagonisten, die mitten in der Pubertät stehen.

Inhalt

David, Jakob, Anita und Samira haben an der inklusiven Grundschule "Berg Fidel" in Münster in altersgemischten Klassen gelernt. Körperliche, geistige oder soziale Beeinträchtigungen spielten dabei keine große Rolle.

Nach der vierten Klasse mussten sie sich trennen und auf unterschiedliche weiterführende Schulen wechseln. Während David in seiner Freizeit eigene Lieder komponiert, hat sein Bruder Jakob bereits die erste Freundin. Anita muss rund um die Uhr um ihren Schulabschluss kämpfen, während Samira sich fragt, ob sie wohl am nächsten Tag noch in ihrer Clique willkommen ist oder nicht. Träume, Hoffnungen, Ängste, Sorgen inmitten der Pubertät: Wir erleben, wie die Kinder lernen, mit Leistungsdruck, wechselnden Gemütszuständen und der Suche nach Anerkennung in ihrem Alltag zu recht zu kommen. Schule, Familie und Freundschaft sind hierbei wichtige Ankerpunkte. Eine Erkenntnis aus dem Film könnte sein: In einer menschlichen Gesellschaft brauchen eigentlich alle Inklusion, weil jeder so seine eigenen Defizite hat.

Hintergrundinformationen

Die Langzeitbeobachtung "Berg Fidel – eine Schule für alle" begleitete vier Kinder während ihrer Zeit an einer inklusiven Grundschule. Sechs Jahre später hat die Regisseurin Hella Wenders die Kinder erneut aufgesucht, die mittlerweile Teenager sind. Sie hat sie erneut mit der Kamera begleitet, ein Schuljahr lang auf ihren jeweiligen weiterführenden Schulen und in ihrer Freizeit.

Statement von Hella Wenders

Meine Langzeitbeobachtung "Berg Fidel – eine Schule für alle" begleitete vier Kinder während ihrer Zeit an einer inklusiven Grundschule. Bei den zahlreichen Vorführungen wurde ich immer wieder von den Zuschauern gefragt: "Und wie geht es den Kindern jetzt?" Sechs Jahre später bin ich dieser Frage nachgegangen und habe die Kinder, die mittlerweile Teenager sind, erneut für ein Schuljahr auf ihren jeweiligen weiterführenden Schulen und in ihrer Freizeit begleitet. "Berg Fidel – eine Schule für alle" zeigte ein erfolgreiches miteinander Lernen, trotz unterschiedlichster Beeinträchtigungen. Mein Fazit war: Wenn man nicht bereits als Kind lernt, dass die Welt aus den unterschiedlichsten Menschen besteht, wann dann? Warum also eine gut funktionierende Gemeinschaft in jungen Jahren aufteilen und dadurch schon früh die Weichen fürs spätere Leben stellen?

"Schule, Schule – die Zeit nach Berg Fidel" erzählt unter anderem von diesen lebensentscheidenden Weichen. Was wäre wohl mit Anita passiert, wenn sie nicht auf die "Förderschule für Lernbehinderte" hätte wechseln müssen? Womöglich hätte sie ihren sehnlichen Wunsch nach dem Hauptschulabschluss früher erlangen können. Auf jeden Fall, denke ich, wäre ihr das Gefühl erspart worden, einmal schon versagt zu haben und nicht mehr dazuzugehören. Eine Schülerin aus Kamerun hat dies einmal sehr treffend auf den Punkt gebracht: "In Deutschland gibt es keine Schulen, hier gibt es nur Sortieranstalten."

Festivals

Max Ophüls Preis, Saarbrücken 2017, Wettbewerb Dokumentarfilm

Viennale 2017

Fünf Seen Filmfestival 2017

Statement von Hella Wenders

Meine Langzeitbeobachtung "Berg Fidel – eine Schule für alle" begleitete vier Kinder während ihrer Zeit an einer inklusiven Grundschule. Bei den zahlreichen Vorführungen wurde ich immer wieder von den Zuschauern gefragt: "Und wie geht es den Kindern jetzt?" Sechs Jahre später bin ich dieser Frage nachgegangen und habe die Kinder, die mittlerweile Teenager sind, erneut für ein Schuljahr auf ihren jeweiligen weiterführenden Schulen und in ihrer Freizeit begleitet. "Berg Fidel – eine Schule für alle" zeigte ein erfolgreiches miteinander Lernen, trotz unterschiedlichster Beeinträchtigungen. Mein Fazit war: Wenn man nicht bereits als Kind lernt, dass die Welt aus den unterschiedlichsten Menschen besteht, wann dann? Warum also eine gut funktionierende Gemeinschaft in jungen Jahren aufteilen und dadurch schon früh die Weichen fürs spätere Leben stellen? "Schule, Schule – die Zeit nach Berg Fidel" erzählt unter anderem von diesen lebensentscheidenden Weichen. Was wäre wohl mit Anita passiert, wenn sie nicht auf die "Förderschule für Lernbehinderte" hätte wechseln müssen? Womöglich hätte sie ihren sehnlichen Wunsch nach dem Hauptschulabschluss früher erlangen können. Auf jeden Fall, denke ich, wäre ihr das Gefühl erspart worden, einmal schon versagt zu haben und nicht mehr dazuzugehören. Eine Schülerin aus Kamerun hat dies einmal sehr treffend auf den Punkt gebracht: "In Deutschland gibt es keine Schulen, hier gibt es nur Sortieranstalten."

Biografie der Filmemacherin Hella Wenders

Hella Wenders wurde 1977 geboren. Nach ihrem Magister-Abschluss in Film- und Fernsehwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum studierte sie Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Neben den fiktionalen Hochschulprojekten drehte sie zahlreiche Kurzdokumentationen, unter anderem für Oxfam und die Toten Hosen in Afrika, Asien und Mittelamerika. Ihr Abschlussfilm "Berg Fidel – eine Schule für alle" wurde als bester Film auf dem Filmfest Lünen 2011 ausgezeichnet, war in der Vorauswahl zum deutschen Filmpreis und lief erfolgreich im Kino. Die Fortsetzung "Schule, Schule – die Zeit nach Berg Fidel" ist ihr Debüt. Hella Wenders lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Berlin.

Fotos

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/DaskleineFernsehspiel 

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