Copyright: ZDF / Normen Odenthal
Copyright: ZDF / Normen Odenthal

Inseln im Indischen Ozean – Leben im bedrohten Paradies

Film von Normen Odenthal

Seychellen, Mauritius, Malediven – Bilderbuchinseln im Indischen Ozean. Doch selbst das Paradies hat Sorgen. Klimawandel und Coronapandemie sind enorme Herausforderungen. Auf den Trauminseln des Indischen Ozeans lernt ZDF-Reporter Normen Odenthal Menschen kennen, die mit sich im Reinen sind. Die für sich den richtigen Platz gefunden haben. Und die etwas dafür tun, dass dieser Platz lebenswert bleibt.

  • ZDF, Montag, 27. Dezember 2021, 19.25 Uhr
  • ZDF Mediathek, noch offen

Texte

Stab

ZDF: Montag, 27. Dezember 2021, 19.25 Uhr
ZDFmediathek: noch offen
Inseln im Indischen Ozean Leben im bedrohten Paradies
Film von Normen Odenthal

Buch_____Normen Odenthal
Kamera_____Bert Schönborn, Jörg Moses (Drohne)
Schnitt_____Jörg Moses
Producer_____Nici Vitense-Lukat
Redaktion_____Halim Hosny
Leitung_____Markus Wenniges
Sendelänge_____ca. 45 Minuten

Inhalt

Seychellen, Mauritius, Malediven – Bilderbuchinseln im Indischen Ozean. Doch selbst das Paradies hat Sorgen. Klimawandel und Coronapandemie sind enorme Herausforderungen.

Auf den Trauminseln des Indischen Ozeans lernt ZDF-Reporter Normen Odenthal Menschen kennen, die mit sich im Reinen sind. Die für sich den richtigen Platz gefunden haben. Und die etwas dafür tun, dass dieser Platz lebenswert bleibt: Anna, die als Conservation Managerin verantwortlich ist für die Renaturierung einer Seychellen-Insel. Hans-Joachim, der keine Sekunde seines Lebens vergeuden will und mit 63 Jahren voller Tatendrang ist – beim Paragliding oder als Kunstförderer. Dinesh, der Jockey, der kurz davor ist, die große Meisterschaft im Pferderennen auf Mauritius zu erringen. Amir, der Geschäftsmann auf den Malediven, der sich über alle Widrigkeiten der Pandemie hinwegsetzt.

Normen Odenthal ist dabei, als Anna die erste Hawksbill-Meeresschildkröte entdeckt: Die vom Aussterben bedrohten Tiere kommen an Land, um ihre Eier abzulegen. Jedes Tier zählt. Sie sind die Letzten ihrer Art. Anna kümmert sich auch um das Überleben unter Wasser. Die Temperaturen dort haben in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen. Korallen sind massenhaft abgestorben. Es ist trostlos und grau geworden im Indischen Ozean. Aber es gibt Hoffnung. Das Team hat Korallen herangezüchtet, ihr Wachstum wird mit Elektroimpulsen gefördert. Der Aufwand ist enorm, aber es lohnt sich: Das Leben unter Wasser kehrt langsam zurück.

Hans-Joachim klingt deutscher als er ist. Geboren in Leipzig, seine Mutter war Deutsche, der Vater Algerier. Aber bald schon hat es die Familie nach Frankreich gezogen und Hans-Joachim irgendwann auch in die weite Welt. "Ich bin vor der Zivilisation geflohen", sagt er. Mauritius wurde seine neue Heimat. Hans-Joachim braucht Bewegung, er betreibt Paragliding und Kitesurfen. Corona und ein harter Lockdown haben ihm für eine Weile seine Freiheit geraubt, aber die holt er sich jetzt zurück. Hans-Joachim lebt intensiv. Und Mauritius mit seiner einmaligen Landschaft gibt ihm alles, was er dafür braucht.

Die Malediven sind bedroht: Die flachen Inseln könnten einfach verschwinden, wenn das Wasser weiter steigt. Die Zukunft steht auf dem Spiel. Aber auch die Gegenwart ist ungemütlich. Der Tourismus berappelt sich nur langsam, Corona war ein schwerer Schlag. Die Voraussetzungen für Amirs Geschäfte waren schon mal besser, aber er lässt sich nicht unterkriegen. Seine Firma importiert Lebensmittel, auf den Inseln selbst wird kaum etwas produziert. Früher hat er sein Geld als Tennisprofi verdient. Und aus dieser Zeit hat er sein Motto mitgenommen: niemals aufgeben! 

"Klimawandel ist hier kein abstraktes Thema. Klimawandel ist Realität."
Fragen an ZDF-Reporter Normen Odenthal

Was waren die Herausforderungen bei Recherche, Organisation und Dreh von "Inseln im Indischen Ozean"?

Corona war die mit Abstand größte Herausforderung für uns. Ich habe immer gesagt: Ich glaube erst, dass alles klappt, wenn wir wieder zuhause sind. Immer wieder das bange Gefühl, dass alle Coronatests negativ ausfallen, dass wir alle Einreisemodalitäten erfüllen, alle Nachweise und Dokumente vorlegen können. Zumal sich die Vorschriften in jedem Land ja auch jederzeit ändern können. Viele der Sorgen haben sich im Nachhinein als unnötig herausgestellt, aber wir leben eben in sehr ungewissen Zeiten. Und diese Ungewissheit ist immer mit uns mitgereist.

Wie haben Sie die Protagonisten des Films gefunden und ausgewählt?

Die Protagonisten haben wir größtenteils vorab kontaktiert, das hat sich oft über die Drehorte ergeben. Je kleiner die Insel, desto enger die Auswahl – könnte man sagen. Wir waren zum Beispiel auf Frégate, einer kleinen Seychellen-Insel, die einem deutschen Milliardär gehört. Frégate ist sein Privatbesitz. Der Mann selbst ist medienscheu, aber Zugang zur Insel hat er uns gewährt. Er betreibt darauf Luxustourismus in sehr kleinem, exklusivem Rahmen. George Clooney hat seine Flitterwochen in einer der 17 Villen verbracht. Und wir haben dort Anna getroffen, die als Conservation Managerin arbeitet, sie kümmert sich um den Schutz der einzigartigen Natur, um gefährdete Tiere wie die Hawksbill-Meeresschildkröten. Sie geht völlig in ihrer Arbeit auf und sagt auch ganz offen: Hier ist sie glücklich, hier will sie sein. Das ist tatsächlich ein Satz, den vieler unserer Protagonisten so unterschreiben würden. Insgesamt haben wir Frauen und Männer gleichermaßen getroffen, in ganz verschiedenen Altersklassen, in ganz verschiedenen Lebenssituationen, Zugereiste, Einheimische. Wir wollten über diese Protagonisten ein möglichst vielfältiges Bild der Region zeichnen. Denn Vielfalt herrscht nun wirklich auf diesen Inseln.

Was hat Sie vor Ort am meisten beeindruckt – positiv, aber auch negativ?

Als Journalisten sind wir natürlich mit kritischen Fragen und unter dem Eindruck von großen Herausforderungen angereist: Pandemie, Klimawandel. Und diese Herausforderungen waren auch überall auf unserer Reise sehr präsent. Aber – und das ist wirklich beeindruckend – wir sind auf Menschen getroffen, die deshalb nicht verzagen, die mit positiver Energie an diese Aufgaben herangehen. Viele von ihnen machten auf mich in der Tat einen glücklichen Eindruck, so als seien sie zur rechten Zeit am rechten Platz, mit sich im Reinen. Das ist durchaus bemerkenswert, vielleicht sogar beneidenswert.

Sind Dinge passiert oder haben Sie Erkenntnisse gewonnen, die Sie vorher nicht erwartet haben?

Wo immer das möglich war, haben wir uns von den Ereignissen treiben lassen. Und es war wirklich eine Reise voller Überraschungen. Ich hatte vorher zum Beispiel keine Vorstellung davon, dass Pferderennen auf Mauritius so eine große Nummer sind. Die Begeisterung ist riesig. Umso bedauerlicher für die Menschen, dass Zuschauer zurzeit ausgeschlossen sind wegen der Pandemie. Sonst kommen Zigtausende zu jedem Rennen auf die älteste Rennbahn der südlichen Hemisphäre. So war die Kulisse etwas geisterhaft. Wir haben jedoch – vermutlich gerade weil es um uns herum so ruhig war – exklusive Einblicke in die Welt der Spitzenjockeys bekommen. Das war schon toll.

Wo liegen – ihrer Beobachtung nach – Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Inseln im Indischen Ozean?

Die größte Gemeinsamkeit ist vermutlich diese unfassbare Schönheit. Die Seychellen, Mauritius, die Malediven – das ist wirklich wie aus dem Bilderbuch. Trotzdem hat jede Inselwelt ihren eigenen Charakter, ist landschaftlich verschieden. Die Seychellen mit den opulenten Granitfelsen an den Stränden, Mauritius mit seinen durchaus imposanten Bergen, die Malediven mit ihren Puderzuckerstränden. Es gibt Schicksale, die alle teilen – etwa die harten Einbußen, die Corona dem Tourismussektor verpasst hat. Und es gibt Sorgen, die manche haben, andere nicht. Der steigende Meeresspiegel etwa wird vor allem die flachen Koralleninseln auf den Seychellen und den Malediven bedrohen.

Sind die Bedrohungen durch den Klimawandel für aufmerksame Touristinnen oder Touristen spürbar?

Auf der ersten Blick vielleicht nicht. Die pure Schönheit der Natur erschlägt einen ja erst mal. Aber wer genauer hinsieht, der findet doch die Anzeichen. Manche Strände haben ihren Traumcharakter schon etwas verloren, weil sie mit viel Beton befestigt werden mussten. Aber was die Touristen sehen, sind ja nur Momentaufnahmen. Problematischer sind die Entwicklungen, von denen die Einheimischen berichten. Über Jahre und Jahrzehnte hinweg sind sie Zeugen geworden, wie Strände schrumpfen, das Wasser steigt, Küstenstraßen verlegt wurden, Bewohner ihre Häuser aufgeben mussten. Klimawandel ist hier kein abstraktes Thema. Klimawandel ist Realität.

Wie empfinden die Bewohner diese Situation?

Eine schwierige Situation: Wer sich eingesteht, dass der Klimawandel eine Bedrohung ist, muss ja auch zugeben, dass der Tourismus ein kritischer Faktor ist. Aber für alle Inseln gilt: Der Tourismus ist die wichtigste Einnahmequelle. Alle betonen daher, dass es keinen Massentourismus geben dürfe. Und so ist es ja auch: Diese Ziele muss man sich leisten können. Und das kann eben nicht jeder. Generell ist auf den Inseln eher die Einstellung verbreitet, dass man beim Klimawandel Opfer ist, nicht Täter. So ist man ja auch beim jüngsten Klimagipfel in Glasgow aufgetreten. Mit einem Appell an die Welt, endlich effektiv etwas gegen den Klimawandel zu tun. Der steigende Wasserpegel sei eine existenzielle Bedrohung.

Die Fragen stellte Birgit-Nicole Krebs

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