Neue Technik für den Test, welches Bakterium einen Menschen krank macht. Foto: ZDF/Sven Döring
Neue Technik für den Test, welches Bakterium einen Menschen krank macht. Foto: ZDF/Sven Döring

Killerkeime – Wenn Antibiotika nicht mehr wirken

Schwerpunkt-Thema in "ZDFzeit", "Frontal 21", "37°", "Leschs Kosmos"

Gefährliche Keime werden durch Antibiotika in Schach gehalten, doch gegen immer mehr Krankheitserreger erweisen sich Medikamente als machtlos. Am Dienstag, 26. November 2019, 20.15 Uhr, beleuchtet das ZDF in vier Sendungen die wachsende Gefahr der Antibiotikaresistenzen. Los geht es mit "ZDFzeit: Killerkeime – Wenn Antibiotika nicht mehr wirken". Anschließend greift um 21.00 Uhr auch "Frontal 21" das Thema auf. "37°" berichtet ab 22.15 Uhr über "Der unsichtbare Feind – Ein Leben mit dem Keim". "Leschs Kosmos" fragt um 22.45 Uhr: "Wer stoppt die Killerkeime? Neue Wege der Medizin".

  • ZDF, Dienstag, 26. November 2019, 20.15, 21.00, 22.15 und 22.45 Uhr
  • ZDF Mediathek, Dienstag, 26. November 2019, 8.00 Uhr

Texte

Sendetermine und Stab

Dienstag, 26. November 2019, 20.15 Uhr, ZDF

ZDFzeit: Killerkeime  – Wenn Antibiotika nicht mehr wirken

Film von Annebeth Jacobsen und Marc Rensing

Kamera: Ilhan Coskun, Pascal Schmidt, Sven Siegrist, Sebastian Woithe
Schnitt: Elisabeth Raßbach
Produktion: Broadview TV
Redaktion: Michael Strompen, Caroline Reiher
Leitung der Sendung: Ursula Schmidt
Länge: ca. 45 Minuten

 

Dienstag, 26. November 2019, 21.00 Uhr, ZDF

Frontal 21

Moderation: Ilka Brecht

Produktion: ZDF
Redaktionsleitung: Ilka Brecht
Länge: ca. 45 Minuten

 

Dienstag, 26. November 2019, 22.15 Uhr, ZDF

37°: Der unsichtbare Feind – Ein Leben mit dem Keim

Film von Mechthild Gassner

Produktion: Gassner Film pr.
Redaktion: Marina Fuhr
Länge: ca. 30 Minuten

 

Dienstag, 26. November 2019, 22.45 Uhr, ZDF

Leschs Kosmos: Wer stoppt die Killerkeime?
Neue Wege der Medizin

Mit Harald Lesch

Produktion: ZDF
Redaktion: Christiane Götz-Sobel
Länge: ca. 30 Minuten

ZDFzeit: Killerkeime – Wenn Antibiotika nicht mehr wirken

Pest und Cholera haben einst ganze Landstriche verwüstet. Heute halten Antibiotika gefährliche Keime in Schach. Doch gegen immer mehr Krankheitserreger erweisen sich Medikamente als machtlos. Was passiert, wenn kein Antibiotikum mehr hilft? Gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut hat "ZDFzeit" den Ausbruch eines solchen Keims in einem deutschen Krankenhaus durchgespielt. Das Szenario wird ergänzt durch Experteninterviews und die Fakten zur Antibiotika-Krise.

Allein in Deutschland sterben jährlich mehrere Tausend Menschen durch multiresistente Keime. Weltweit sind es geschätzt 700 000 Todesfälle. Dass resistente Keime rasant zunehmen, ist auch eine Folge des allzu sorglosen Umgangs mit den lebensrettenden Medikamenten – in der Humanmedizin, aber auch in der Tiermast. Die Vereinten Nationen warnten jüngst: Wir steuern auf ein postantibiotisches Zeitalter zu. Machtlose Antibiotika wären das Ende der Medizin, so wie wir sie kennen.

Vor der Erfindung des Penicillins konnte jede kleinste Wunde eine lebensbedrohliche Infektion nach sich ziehen. Dann brachten Pharmafirmen jahrzehntelang immer bessere und maßgeschneiderte Antibiotika auf den Markt, bakterielle und Mikroben-Infektionen verloren ihren Schrecken. Doch der überbordende Antibiotika-Einsatz sorgte dafür, dass die Wirkstoffe längst überall in der Umwelt, im Boden wie in Gewässern zu finden sind. Das sorgt für eine Art "Turbo-Evolution" unter Bakterien: Wenn sich auch nur ein einziges mutiertes Bakterium unter den unzähligen genetischen Varianten als resistent gegen Antibiotika erweist, vermehrt es sich besser und schneller als alle anderen.

Die steigende Zahl von Krankheits- und Todesfällen durch solche multiresistenten Keime ist bereits heute alarmierend – Gesundheitsexperten rechnen jedoch mit noch schlimmeren Szenarien. Ein Fall aus den USA hat 2016 international Schlagzeilen gemacht. Eine Patientin wurde mit einer schweren Blutvergiftung in das Krankenhaus von Reno eingeliefert. Sie kam gerade zurück von einer Indien-Reise, war dort mehrfach im Krankenhaus. Diagnose: Sie hat sich mit hochresistenten Klebsiella pneumoniae infiziert. Die Analyse des Erregers ergab: Er war gegen alle in den USA zugelassenen Antibiotika unempfindlich. Für die Patientin in Reno konnten die Ärzte nichts mehr tun – sie starb. Solche panresistenten Keime, gegen die gar nichts mehr wirkt, sind noch die absolute Ausnahme. In Reno konnte die Ausbreitung des Keims durch strenge Hygienemaßnahmen verhindert werden.

Gemeinsam mit Experten des Robert-Koch-Instituts hat "ZDFzeit" den Ausbruch eines panresistenten Keims in einem deutschen Krankenhaus durchgespielt – nicht real, aber realistisch. Das Szenario verdeutlicht, welchen Herausforderungen die Medizin in einem solchen Fall gegenübersteht. Welche Behandlungsmöglichkeiten bleiben den Ärzten noch? Wie lässt sich eine Ausbreitung verhindern? Warum ist es wichtig, die Quelle des Keims ausfindig zu machen? Was können Forscher und Pharmaunternehmen tun, um Abhilfe zu schaffen? Und welche Handlungsoptionen haben Politik und Gesellschaft?

Das Problem drängt. Die Vereinten Nationen erklärten Antibiotikaresistenzen jüngst zur globalen Krise und warnen: Die Menschen steuern auf ein postantibiotisches Zeitalter zu.

Zusatzinfos zu Krankheitserregern wie Klebsiella pneumoniae

Bakterien können Menschen nicht sehen, aber sie leben billionenfach im menschlichen Körper, auf ihm, um ihn herum. Für gesunde Menschen sind sie harmlos. Auch die meisten Krankheitserreger können von einem intakten Immunsystem rasch besiegt werden. Zum Beispiel der Keim Klebsiella pneumoniae. Etwa ein Drittel aller Menschen trägt ihn in sich, ohne krank zu werden. Bei geschwächten Patienten aber kann der Erreger eine Lungenentzündung auslösen, bis hin zu einer tödlichen Sepsis. Klebsiella pneumoniae sind häufig multiresistent, das heißt, nur noch wenige Antibiotika helfen. Das macht die Behandlung langwierig und kompliziert. Schon jetzt sind die Folgen gravierend.

37°: Der unsichtbare Feind - Ein Leben mit dem Keim

Bis zu 600 000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an Infektionen durch multiresistente Keime.

"37°" begleitet zwei Frauen, die am gleichen Schicksal leiden: eine langjährige, chronische Infektion, die ihr Leben bestimmt. Bei Manuela K. zerbrach darüber ihre Familie. Irmtraut G. hofft, mit einer Phagen-Therapie ihr langes Leiden in den Griff zu bekommen.

Manuela K. ist Anfang 50, sie war 24, als das Unglück begann. Manuela wurde am Knöchel operiert. Zur Stabilisierung setzten die Ärzte ihr eine kleine Metallplatte ein, ein Routine-Eingriff. Fünf Wochen nach der Operation ging die Wunde auf. Abszesse, Eiter, neue Entzündungen. Die Operationswunde brach immer wieder auf.

Um finanziell über die Runden zu kommen, geht Manuela putzen. Einer festen Arbeit kann die gelernte Kauffrau nicht nachgehen, da sie immer wieder zu erneuten Eingriffen ins Krankenhaus muss. Dieser Zustand belastete ihre Ehe zunehmend, ihr Mann verließ sie. Die Jahre danach waren ein ständiges Auf und Ab von vermeintlich gesunden Phasen und neuen Infektionen. Darunter litt die Beziehung zu ihren Kindern, Freunde wendeten sich ab aus Angst vor Ansteckung. Manuela wurde  depressiv.

Im Nachgang zu einer OP wurde dann festgestellt, dass sie MRSA hat, einen multiresistenten Keim. Da hat sie bereits mehr als 200 Eingriffe hinter sich. Heute muss Manuela täglich eine Handvoll Tabletten nehmen und kann nur mit Morphinpflastern leben. Und doch genießt sie jeden guten Tag. Auch wenn sie jetzt "Ruhe vor dem Keim" hat, weiß sie doch, wie schnell sich alles wieder ändern kann.

Irmtraut G. ist 83 Jahre alt. Seit einer Hüftgelenk-Operation vor wenigen Jahren stellen sich immer wieder Infektionen ein. 2015 musste die Hüftprothese samt Schaft ausgebaut werden. Sieben Monate lag Irmtraut im Krankenhaus, bis die Infektion abgeklungen war. Mehrere Operationen folgten. "37°" begleitet sie bei einer Operation, die aufgrund einer neuen Infektion notwendig geworden ist.

Irmtraut wird derzeit in der Berliner Charité mit Phagen behandelt. Sie ist erst die 17. Patientin, die seit 2018 Phagen bekommen hat. In Deutschland ist diese Therapie noch nicht allgemein zugelassen. Phagen dürfen zurzeit nur eingesetzt werden, wenn es keine alternativen Antibiotika mehr gibt und wenn eine Amputation droht.

Leschs Kosmos: Wer stoppt die Killerkeime? Neue Wege der Medizin

Forscher suchen fieberhaft nach neuen Wunderwaffen gegen tödliche Erreger – im Regenwald, in Höhlen und in giftigen Tieren. Wer kann die "Killerkeime" im post-antibiotischen Zeitalter stoppen?

Hunderttausende Menschen werden an einfachen Infektionen sterben, warnen Experten. Die Zeit drängt. Harald Lesch zeigt, welche neuen hoffnungsvollen Wege es im Kampf gegen multiresistente Bakterien in der Medizin gibt.

Die Wandlungsfähigkeit und raschen Generationsfolgen von Bakterien machen aus "vertrauten" Krankheitserregern lebensgefährliche Eindringlinge, gegen die kein Antibiotikum mehr wirksam ist. Schon heute sterben jedes Jahr 33 000 Menschen allein in Europa an Infektionen mit multiresistenten Keimen. Tendenz steigend.

Zeit ist ein wichtiger Faktor beim Kampf gegen die Mikroben. Bisher dauerte es drei bis fünf Tage, bis Ärzte genau wussten, um welches Bakterium es sich handelt und welches Medikament gezielt dagegen wirkt. Doch bereits in diesem kurzen Zeitraum kann sich der Gesundheitszustand eines Patienten massiv verschlechtern. Wissenschaftlern ist nun ein wichtiger Schritt gelungen: Mit dem Lab-on-a-Chip können sie in nur drei Stunden die Krankheitserreger bestimmen und wissen zugleich, welches Antibiotikum in welcher Konzentration den Patienten retten kann. Noch ist es ein Pilotprogramm, aber in wenigen Jahren soll diese Methode in Kliniken bereits Standard sein.

In der Natur herrscht ein ständiges Wettrüsten – Tiere und Pflanzen versuchen, für sie gefährliche Bakterien in Schach zu halten, doch der Mikrokosmos rüstet immer neu auf. Selbst Bakterien müssen sich ständig gegen andere Bakterien behaupten. Dazu produzieren die Organismen Abwehrmechanismen gegen konkurrierende Keime. Hier hoffen Wissenschaftler, auch neue mögliche Antibiotika zu finden.

Sie suchen nicht nur an entlegenen Orten, sondern auch in exotischen Tieren. Die Komodowarane sind Aasfresser. Mit ihrer Nahrung nehmen sie ständig schädliche Bakterien auf, die sie abwehren müssen. Forscher vermuten, es könnte sich um eine effektive biowirksame Waffe handeln, die vielleicht auch beim Kampf gegen multiresistente Keime hilft.

Welche ausgeklügelten Strategien gibt es in der Natur, sich gegen Bakterien zu wehren? Gibt es bereits Aussicht auf neue Stoffe? Wann entwickelt die Medizin das Antibiotikum 2.0?

Fotohinweis

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/killerkeime

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