Köpfe des "heute-journals": Claus Kleber und Marietta Slomka. Foto: ZDF/Klaus Weddig/Nico Schmid/Montage
Köpfe des "heute-journals": Claus Kleber und Marietta Slomka. Foto: ZDF/Klaus Weddig/Nico Schmid/Montage

heute-journal

Am 2. Januar 1978 ist das ZDF mit einem Nachrichtenmagazin auf Sendung gegangen, das am Ende eines langen Tages nicht nur kompakt und umfassend informiert, sondern auch Schwerpunkte setzt und Hintergründe beleuchtet. Das "heute-journal" im ZDF bietet politische Berichte, scharfsinnige Analysen, verständliche Erklärungen, farbige Reportagen und Inter­views, in denen Klartext geredet wird. Das erfolgreichste tägliche Nachrichtenmagazin im deutschen Fernsehen steht ganz im Dienste aktueller, hintergründiger, glaubwürdiger Informationen.

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Texte

"Klar, mutig und mit Haltung berichten"
Statement von ZDF-Chefredakteur Peter Frey

"Das ZDF ist vor 40 Jahren mit einem Nachrichtenmagazin auf Sendung gegangen, das seitdem seinen Markenkern kontinuierlich ausbauen konnte: Moderatorinnen und Moderatoren, die ihre eigene Handschrift einbringen, Erklärstücke, die Hintergründe erschließen, bildstarke Reportagen, die Wirklichkeit vermitteln, pointierte Interviews, die die politische Agenda mitbestimmen. Und da die Welt in ihrer Komplexität eher zunimmt, gibt es weiter viel zu erklären und aufzuklären. Das 'heute-journal' ist dafür prädestiniert, klar, mutig und mit Haltung zu berichten. Die Konflikte in der Gesellschaft darzustellen, bleibt die Kernaufgabe. In Zeiten von Fake-News und Lügenpresse kommt hinzu: Transparent und offen die Bedingungen der Berichterstattung zu benennen. Das Vertrauen der Zuschauer in die Glaubwürdigkeit der Berichterstattung ist für das ZDF oberstes Gebot. Und das 'heute-journal' ist bestens geeignet, jeden Abend aufs Neue deutlich zu machen, warum wir ausgewogene Berichterstattung fördern, die unterschiedliche Sichtweisen auf die Themen miteinbezieht. Unsere Demokratie braucht diesen qualitativ hochwertigen Journalismus, der in der 'heute-journal'-Redaktion tagtäglich gelebt und erarbeitet wird."

"Umfassend, zuverlässig und profund informieren"
Statement von Elmar Theveßen, Leiter der ZDF-Hauptredaktion Aktuelles

"Die ZDF-Nachrichtenfamilie, die ihre Crossmedialität weiter ausbaut, arbeitet seit Jahrzehnten kontinuierlich und intensiv daran, dass die Primetime-Formate 'heute' und 'heute-journal' herausragend und auffallend bleiben. Das 'heute-journal' steht zum 40. Geburtstag voll im Saft und ist für viele Zuschauerinnen und Zuschauer ein geschätzter Orientierungspunkt, um sich am Ende eines langen Nachrichtentages umfassend, zuverlässig und profund zu informieren. Als führendes Nachrichtenmagazin im deutschen Fernsehen ist das 'heute-journal' zudem bestens geeignet, Abend für Abend das Vertrauen in den professionellen Journalismus zu kräftigen – zum Beispiel auch dadurch, dass immer wieder die Bedingungen transparent gemacht werden, unter denen die Berichterstattung geleistet wird."

"Gemeinsam das beste Nachrichtenjournal des Tages machen"
Redaktionsleiter Wulf Schmiese über die Arbeit im "heute-journal"

Seit acht Monaten leiten Sie die "heute-journal"-Redaktion, zuvor waren Sie politischer Hauptstadtkorrespondent: Gab es beim Perspektivwechsel Überraschungen?

Mein ältester Sohn sagte: Jetzt wirst Du vom Spieler zum Trainer. Das stimmt und macht enorm Spaß. Das Team hat meine hohen Erwartungen sogar noch übertroffen. Hier arbeiten Vollblutjournalisten mit vollem Einsatz. Auf unseren Konferenzen sondieren wir gemeinsam die Lage: Moderatoren, Reporter, Researcher, Grafik- und Themenredakteure, Produktionsingenieure und viele mehr machen sich zusammen ein möglichst breites Bild der aktuellen Situation und gewichten die Themen. Da wird heftig diskutiert, um gemeinsam das beste Nachrichtenjournal des Tages zu machen. 

Und wie leitet und motiviert man ein Team mit so sendungsprägenden Moderatorinnen und Moderatoren?

Die beste Motivation ist Respekt. Mir fällt es nicht schwer, Claus Kleber, Marietta Slomka und Christian Sievers Anerkennung zu zollen. Sie sind Profi-Journalisten und waren, wie ich selbst, lange Korrespondenten. Durch meine Erfahrungen als Moderator wiederum kann ich mich gut in ihre Lage hineinfühlen. Sie sind diejenigen, die für unsere Arbeit buchstäblich den Kopf hinhalten. Um beim Fußball zu bleiben: Die Redaktion schuldet ihnen dafür die besten Torvorlagen.

Was würden Sie als die Stärken des "heute-journals" bezeichnen?

Die Stärke des "heute-journal" ist seine Ernsthaftigkeit und handwerkliche Präzision, die aus engster Team-Arbeit entsteht. Von den Korrespondenten bis zu den Tontechnikern: Nähme nur einer von uns seine Position nicht ernst, käme alles ins Schlingern – vor den Augen von durchschnittlich vier Millionen Zuschauern. Wir senden an fast 365 Tagen im Jahr, und unsere Qualität macht den Erfolg aus: Das "heute-journal" ist das meist gesehene Nachrichtenmagazin Deutschlands. Unsere Zuschauer wissen, dass sie sich immer darauf verlassen können, gründlich, sauber und fair informiert zu werden. 

Der Journalismus erlebt eine Vertrauenskrise es gab zuletzt viele Diskussionen um Fake-News und Lügenpresse-Vorwürfen. Sehen Sie dadurch die Glaubwürdigkeit des "heute-journal" beeinträchtigt? 

Diese Vorwürfe werden ohne Beweis erhoben, früher hätte man sie üble Nachrede genannt. Wir machen sicher auch Fehler, aber verdrehen nie bewusst die Wahrheit oder setzen Lügen in die Welt. In Wirklichkeit sind es die sozialen Netzwerke, die Fake-News verbreiten. Sie treiben vermeintliche Nachrichten rasend schnell um die Welt, ohne dass sie irgendjemand überprüft. Wahre Journalisten, und das sollte den Unterschied klarmachen, dürfen nur gesicherte Fakten vermelden, es gilt immer die Regel der zwei Quellen. Wo wir noch nicht ganz sicher sind, machen unsere Moderatoren das kenntlich: "Für diese Nachricht können wir uns noch nicht verbürgen, aber es deutet alles darauf hin, dass ..." Das stärkt, so hoffe ich, unsere Glaubwürdigkeit, ohne unsere Autorität zu schwächen.

In den sozialen Medien gibt es viel Hass gegen die Journalisten öffentlich-rechtlicher Sender: Sollte man als Antwort darauf die Arbeitsweisen des unabhängigen Journalismus transparent machen?

Die Fairness-Regeln sind für alle Journalisten gleich und ja, man sollte sie offensiv erklären – auf allen Plattformen Am besten geht das in Polit-Talk-Runden. Wenn dort Journalisten direkt auf ihre Kritiker treffen, platzen deren Verschwörungstheorien wie Luftballons. Würden wir hier gläsern arbeiten – und jeder, der uns einmal besucht hat, wird das bestätigen können – , dann sähen alle: Niemand gibt hier Anweisungen in diese oder jene politische Richtung. Wir versuchen darzustellen, was ist. Wir analysieren auch zuweilen, warum etwas sich so oder so darstellt. Für mich ist vor allem wichtig, dass die Qualitätsmedien sich nicht spalten lassen. Ich war lange bei der Zeitung und weiß: In der Presse arbeiten Menschen, denen an Meinungsvielfalt und demokratischem Diskurs viel liegt. Das Gleiche gilt aber auch für meine Kollegen beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Wir sollten die Angriffe auf unseren Berufsstand gemeinsam parieren. Aber es wird niemals Stil im "heute-journal" sein, gegen irgendwen zu hetzen. Ernsthafte Kritiker nehmen wir ernst.

40 Jahre "heute-journal": Ist das vor allem Verpflichtung, eine etablierte Nachrichtenmarke weiter zu pflegen, oder Ansporn, die Angriffe aus Social-Media-Kampagnen abzuwehren?

Unsere Aufgabe ist nicht Abwehr. Wir sind der Information unserer Zuschauer verpflichtet – ohne Zorn und Eifer, sondern nach bestem Wissen und Gewissen. So wurde das "heute-journal" zu einer tragenden Säule des Journalismus und der Medienfreiheit in Deutschland. Wir fühlen uns diesem Anspruch weiter verpflichtet, den unser Format in seinen 40 Jahren erfüllt hat.

Interview: Thomas Hagedorn

"Die richtigen Fragen stellen"
Marietta Slomka zum "heute-journal"

Was kennzeichnet das "heute-journal"?

Zunächst liegt die Stärke darin, dass es ein Magazin ist. Es heißt "heute-journal", nicht "heute-sendung" oder "heute-schau". Das ist keine Wortklauberei, sondern eine grundsätzliche Formatentscheidung. Das "heute-journal" entstand vor 40 Jahren als Erweiterung klassischer Nachrichtensendungen. "Journal" oder "Magazin" bedeutet: Es werden Schwerpunkte gesetzt. Es vermischen sich journalistische Formen, es geht um Hintergrund, Analyse und Einordnung. Und es wird eine persönliche Handschrift der Autoren und Moderatoren erwartet und erwünscht – dazu gehören zum Beispiel auch kritisch geführte Interviews. Die Moderatoren sind keine Nachrichtensprecher und die Berichte, die wir anmoderieren, sind keine verfilmten Agenturmeldungen. Das ist, seit 40 Jahren, die Grundidee des "heute-journals". Und ich glaube, dass genau das auch unsere Stärke ist. Dass unsere Stammzuschauer genau das suchen, erst recht in bewegten Zeiten. Mich persönlich fasziniert es, dass in einer so veränderlichen Medienwelt ein Sendekonzept seit vier Jahrzehnten im Kern unverändert besteht – und erfolgreich besteht. Wir sind ja kein Dinosaurier, der in den letzten Zügen liegt und nur noch ein paar letzte Mohikaner erreicht, sondern quicklebendig und quotenstark. In letzter Zeit habe ich den Eindruck: Da wächst uns sogar eher noch etwas zu. Das erstaunt mich manchmal selbst.

Haben Sie ein Thema, eine Sendung, ein Interview besonders in Erinnerung behalten?

Ich mache das jetzt seit mehr als 16 Jahren – da einzelne Sendungen oder Interviews herauszupicken, fällt mir schwer. Ich habe unendlich viele Situationen und Gespräche im Kopf. Es gab viele Interviews, in denen es auch hoch herging und die teils für Furore sorgten. Für mich ist entscheidend, mit welcher Haltung wir in Interviews mit Politikern und anderen Entscheidungsträgern gehen. Der grundsätzliche Ansatz ist immer: das jeweilige Gegenüber, ohne Ansehen von Person und Partei, mit konträren Positionen zu konfrontieren. Und auch auf wunde Punkte zu zielen. Mit einer präzisen Fragestellung Informationen zu transportieren und Denkanstöße zu geben. Befrage ich einen Politiker aus dem linken Spektrum, wird das linksorientierten Zuschauern nicht gefallen. Befrage ich einen Politiker aus dem rechten Spektrum, wird das rechtsorientierten Zuschauern nicht gefallen. In diesen 16 Jahren habe ich regelmäßig Kritik von rechts wie von links erfahren. Eine schöne Bestätigung dafür, journalistisch richtig zu liegen.

Und welcher Wunsch fällt Ihnen zum "heute-journal" als erstes ein?

Ich wünsche mir, dass wir weiterhin den Raum, die Mittel und die Aufmerksamkeit haben, das zu tun, was wir seit 40 Jahren für richtig und wichtig halten: seriös und kritisch zu informieren, Ereignisse einzuordnen, die richtigen Fragen zu stellen. Natürlich sind wir nicht unfehlbar. Wir irren auch und nicht jede Sendung ist gelungen. Wir selbst sind unsere schärfsten Kritiker, zerfleischen uns manchmal regelrecht in unseren Konferenzen. Ich liebe diese Diskussionsfreude, Freiheit und Leidenschaft in unserer Redaktion. Umso mehr erschüttert es mich, wenn uns unterstellt wird, wir seien staatsgelenkt. Die Vorstellung, das Kanzleramt würde bei uns anrufen, um unsere Sendung mitzubestimmen, ist atemberaubend abstrus. Bei uns muss selbst die Redaktionsleitung verdammt gut argumentieren, um die Inhalte der Sendung zu beeinflussen. Wir sind eher der wilde Haufen, der tut was er will – und hart ringt um die Frage: Was wollen wir denn? Ich wünsche mir, dass das auch in 40 Jahren noch möglich und erwünscht ist. Und dass Informationen über das Weltgeschehen bis dahin nicht zu einem Algorithmus verkommen sind, in dem jeder nur noch seiner eigenen, maßgeschneiderten Filterblase folgt und glaubt, da liege die ganze Wahrheit.

Interview: Thomas Hagedorn

"Mit klarem Verstand, solidem Handwerk, offenen Augen und offenen Karten"
Statement von Claus Kleber

"In meiner Erinnerung gab es noch keine Zeit, in der vertrauenswürdige, professionelle Nachrichtenarbeit wichtiger war als heute. Der 'freie Marktplatz der Ideen' steht von vielen Seiten unter Feuer. Der Zusammenhalt unserer Gesellschaft ist bedroht. Es gab aber auch noch nie so gute und so viele Möglichkeiten, zu recherchieren, Sachverhalte klarzustellen und unsere Inhalte zu Köpfen und Herzen zu tragen. Ich erlebe hier jeden Tag eine Redaktion, die darauf brennt, diesen Job zu machen. Mit klarem Verstand, solidem Handwerk, offenen Augen und offenen Karten. Forever young!" 

"Mit Respekt vor den Menschen und den Inhalten" 
Statement von Gundula Gause 

"Für mich bedeutet das 'heute-journal': Mit Respekt vor den Menschen und Inhalten, über die wir zu berichten haben, an die Themen herangehen, objektiv und sachlich das Geschehen darstellen. In der Redaktion diskutieren wir immer engagiert über die verschiedenen Gemengelagen, Krisen und Konflikte in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – neben der journalistischen Basisarbeit aller ZDF-Redaktionen und Korrespondenten eine der Voraussetzungen für eine profunde Sendung, Abend für Abend. Ich bin sehr dankbar, dass ich von den 40 Jahren 'heute-journal' mehr als die Hälfte Teil der Redaktion sein durfte und sehe das Jubiläum als Moment des Innehaltens, um zu schauen: Wie können wir das 'heute-journal' noch besser machen?"

Gundula Gause 25 Jahre Ko-Moderatorin im "heute-journal"

Als Moderatorin und Redakteurin der "heute"-Nachrichten schon seit 1989 im ZDF aktiv, wechselte Gundula Gause im Februar 1993 in die "heute-journal"-Redaktion (erste Sendung: 8. Februar 1993). Gut fünf Wochen nach dem Jubiläum 40 Jahre "heute-journal" steht entsprechend gleich das nächste an: 25 Jahre Gundula Gause als Ko-Moderatorin im "heute-journal", ein Vierteljahrhundert "zuverlässige Navigatorin durch eine brausende Nachrichtenwelt":

Statement von Gundula Gause zu einem Vierteljahrhundert im "heute-journal":

"Seit 25 Jahren arbeite ich mit Begeisterung und Leidenschaft für das 'heute-journal‘. Dass mir die Mitarbeit an dieser Sendung seit einem Vierteljahrhundert immer eine Herzensangelegenheit ist, hat auch mit der tollen Mannschaft zu tun, die hinter dem 'heute-journal‘ steht: von der Redaktionsleitung, über die Planer bis zu den einzelnen Redakteuren sind alle hochmotiviert und engagiert – ebenso wie die Kollegen von der Produktion und Technik. Fernsehen ist Teamarbeit – und ich arbeite sehr gerne in diesem Team."

"Neue Facetten der wichtigen Themen unserer Zeit"
Statement von Kay-Sölve Richter

"Stets am Puls der Welt das prägt für mich die Arbeit im 'heute-journal'. Denn wenn wir in der Redaktion über die Themen des Tages diskutieren, dann treffen die unterschiedlichsten Expertisen, Hintergründe und Meinungen aufeinander. Und dabei lernt jeder von uns Seiten und Facetten der wichtigen Themen unserer Zeit kennen, an die wir vorher noch gar nicht gedacht haben. Oft gehen wir nachdenklich aus der Redaktionskonferenz. Oder mit neuen Ideen und einem frischen Blick auf die Dinge. Und ich hoffe, dass es den Zuschauern nach unseren Sendungen genauso geht."

Ein Abend im "heute-journal" – ein Bericht von Marietta Slomka

Es ist der 15. Juli 2016. Ein Freitag. Der Anschlag in Nizza am Abend davor steckt meinen Kollegen und mir noch in den Knochen. Schreckliche Nachrichten, furchtbare Bilder. Nicht alles, was wir zu sehen bekommen, zeigen wir – keine Zensur, sondern Abwägung: Was ist mit der Menschenwürde der Opfer vereinbar? Muss man Zuschauern abgerissene Beine zumuten, um ihnen die Schrecklichkeit eines Anschlages zu verbildlichen? Schwierige Überlegungen. Unsere Sendung an diesem Abend steht jedenfalls ganz im Zeichen des Terroranschlags in Südfrankreich. Als ich mich gerade Richtung Nachrichtenstudio auf den Weg mache, erreichen uns eigentümliche Meldungen: "Schüsse in Istanbul und Ankara. Brücken abgesperrt." Unser Chef vom Dienst ruft mir noch zu: "Mal sehen, was daraus wird. Wir telefonieren mit Istanbul". Damit gehe ich ins Studio. Vielleicht ein Terroranschlag, wäre ja nicht überraschend in der Türkei. Kaum stehe ich an meinem Tisch und fahre den Laptop hoch, ploppt die Meldung auf: "Putsch in der Türkei". Mir klappt die Kinnlade runter. Putsch? Da ertönt auch schon die Melodie des "heute-journals": Wir sind auf Sendung!

Der geplante Ablauf ist hinfällig. Nun gilt es zu entscheiden: Wann liefern wir welche Informationen? Wie gesichert sind sie? Was können wir sicher sagen, was ist reine Spekulation? Wie thematisiert man Spekulationen, ohne unseriös zu werden? Abläufe und Texte gibt es nicht mehr, nur noch journalistische Kriterien und Instinkt. Wir entscheiden uns, die noch unklaren Ereignisse in der Türkei direkt am Anfang zu thematisieren danach aber erstmal nach Nizza zu blicken. Das gibt uns und unserem Korrespondenten Zeit, Informationen zu sortieren. Mein Gehirn teilt sich in zwei Hälften: halb Nizza, halb Istanbul. Ich höre unserem Frankreich-Korrespondenten zu, während ich zeitgleich die Agenturen aus der Türkei verfolge. Unser Korrespondent fährt währenddessen in Windeseile sein Studio in Istanbul hoch. Es wird ein langer Abend.

Dass so außergewöhnliche Geschehnisse so hart aufeinander folgen, ist selten. Doch insgesamt hat die Häufigkeit extremer Nachrichtenereignisse zugenommen. Ereignisse, die geschehen, während wir live auf Sendung sind. Sieben Tage nach meiner Türkei-Sendung sitze ich im Auto auf dem Weg in den Sommerurlaub. Und höre im Radio: Schüsse in München. Und weiß genau, was in meinem Sender nun gerade abläuft und welche schwierigen Entscheidungen zu treffen sind.

Das ZDF ist kein Nachrichtensender wie CNN, dessen gesamtes Personal und Programm nur auf News eingestellt ist. Notfalls berichtet man stundenlang, dass man nichts weiß. Und wenn das Ereignis am Ende so groß doch nicht war, ist das auch kein Problem. Unser Sender ist anders strukturiert: Wenn wir mit einem "heute-journal spezial" plötzlich auf Sendung gehen, ist das für unsere Zuschauer ein erheblicher Moment. Beunruhigend, besorgniserregend – hoffentlich gut begründet. Ich bekomme Zuschriften von Zuschauern, die mir sagen: "Wenn ich sehe, dass Sie Ihre Lesebrille tragen, werde ich nervös. Dann weiß ich: Da ist was los."

Im Dezember 2016 wurde ich von einem Medienjournalisten für einen Jahresrückblick interviewt. Es ging um den Umgang mit Terror. Ich sagte, dass ich seit vielen Jahren versuche, mich innerlich auf einen großen Anschlag in Deutschland vorzubereiten. Dass ich damit rechne, dass das passieren wird, vielleicht in Berlin. Dass ich mir Gedanken mache, wie ich damit dann umgehe. Und ab welchem Informationsstand wir auf Sendung gehen – in welcher Tonlage. Wie ich das selbst wegstecken werde, wenn ich weiß: Das ist für uns alle jetzt sehr nahe. Auch Angehörige von mir selbst könnten betroffen sein. Zehn Tage nach Veröffentlichung dieses Interviews habe ich in Mainz wieder Dienst. Ich konzentriere mich auf diverse Meldungen aus aller Welt, feile noch an einzelnen Moderationen. Plötzlich die Eilmeldung: "LKW fährt in Weihnachtsmarkt in Berlin". Bei uns: Stille. Ich schaue meine Kollegen an. "Vielleicht ist es ja nur ein Unfall?". "Vielleicht". Es wurde ein langer Abend.

40 Jahre "heute-journal" – Zahlen, Daten, Fakten

Anzahl der Sendungen:

2. Januar 1978 bis Ende 2017: zirka 12.500

 

Der Sendeplatz im Laufe der Jahre:

Von 1978 bis 1984: Montag bis Donnerstag, 21.00 Uhr,
Freitag, 22.00 Uhr (Sendelänge: 20 Minuten)

Von 1984 bis 1992: Montag bis Freitag, 21.45 Uhr
(Sendelänge: 30 Minuten)

Von 1992 bis 2000: Montag bis Samstag, 21.45 Uhr

Seit dem 16. Januar 2000: täglich – Montag bis Sonntag, 21.45 Uhr (freitags derzeit mit der Beginnzeit 22.00 Uhr, samstags: 22.45 Uhr)

 

Die Ersten

Die erste Sendung moderierte am 2. Januar 1978 Dieter Kronzucker, der auch der erste Leiter des "heute-journals" war.

Die erste weibliche Moderatorin war Ingeborg Wurster, sie präsentierte das "heute-journal" von 1979 bis 1984.

 

Die Redaktionsleiter:

1978 bis 1981 und 1987 bis 1988: Dieter Kronzucker
1981 bis 1984: Klaus Bresser
1984 bis 1986: Peter Voß
1988 bis 1992: Ruprecht Eser
1992 bis 2003: Wolf von Lojewski
2003 bis 2008: Claus Kleber
2008 bis 2009: Jan Metzger
2009 bis 2017: Anne Reidt
seit April 2017: Wulf Schmiese

Bis 2008 haben die Redaktionsleiter auch moderiert. Jan Metzger, Anne Reidt und Wulf Schmiese waren und sind als Redaktionsleiter nicht zugleich Moderatoren der Sendung.

 

Die Moderatoren des "heute-journals" von 1978 bis heute:

Dieter Kronzucker, Karlheinz Rudolph, Jochen Schweizer, Gustav Trampe, Klaus Bresser, Ingeborg Wurster, Hans Scheicher, Peter Voß, Ernst Elitz, Gerd Helbig, Ruprecht Eser, Sigmund Gottlieb, Alexander Niemetz, Wolf von Lojewski, Eberhard Piltz, Helmut Reitze, Klaus-Peter Siegloch, Marietta Slomka, Claus Kleber, Steffen Seibert, Maybrit Illner, Christian Sievers.

 

Die aktuellen Hauptmoderatoren sind Claus Kleber mit Ko-Moderatorin Gundula Gause und Marietta Slomka mit Ko-Moderator Heinz Wolf. Zirka acht Wochen im Jahr moderiert in Vertretung Christian Sievers mit Ko-Moderatorin Kay-Sölve Richter.

Erstes "heute-journal" mit Marietta Slomka: 29. Januar 2001
Erstes "heute-journal" mit Claus Kleber: 3. Februar 2003
Erstes "heute-journal" mit Christian Sievers: 15. Januar 2013

Erstes "heute-journal" mit Gundula Gause: 8. Februar 1993
Erstes "heute-journal" mit Heinz Wolf: 11. Januar 1999
Erstes "heute-journal" mit Kay-Sölve Richter: 10. Dezember 2010

 

Die Ko-Moderatoren von 1978 bis heute:

Ekkehard Gahntz, Susanne Gelhard, Ulrike Grunewald, Peter Hahne, Nina Ruge, Bernhard Nellessen, Gundula Gause, Alexander Stock, Anja Wolf (später: Charlet), Heinz Wolf, Michaela Kolster, Caroline Hamann, Barbara Hahlweg, Dunja Hayali, Kay Sölve Richter.

 

Durchschnittliche Zuschauerzahlen der vergangenen zehn Jahre:

2017: 3,83 Millionen, 14,0 Prozent Marktanteil

2016: 3,88 Millionen, 13,8 Prozent Marktanteil

2015: 3,72 Millionen, 13,6 Prozent Marktanteil

2014: 3,72 Millionen, 13,6 Prozent Marktanteil

2013: 3,65 Millionen, 13,2 Prozent Marktanteil

2012: 3,54 Millionen, 12,7 Prozent Marktanteil

2011: 3,63 Millionen, 12,8 Prozent Marktanteil

2010: 3,52 Millionen, 12,3 Prozent Marktanteil

2009: 3,38 Millionen, 12,3 Prozent Marktanteil

2008: 3,33 Millionen, 12,0 Prozent Marktanteil

2007: 3,36 Millionen, 12,0 Prozent Marktanteil

"Sie können alles senden" – Kleine Besonderheiten aus 40 Jahren

2. Januar 1978: Begrüßung von Dieter Kronzucker zur ersten "heute-journal"-Ausgabe: "Also, wir begrüßen Sie zum 'heute-journal'".

20. Februar 2005: Marietta Slomka vertauscht im Schaltgespräch mit Peter Harry Carstensen dessen beide Vornamen.

19. April 2007: Harald Schmidt moderiert das "heute-journal".

14. November 2007: Dunja Hayalis Hund im "heute-journal"-Studio auf dem Moderationstisch (Hintergrund: Meldung über Tierschutz).

12. November 2008: Abmoderation Claus Klebers zu Loriots 85. Geburtstag: Es ist Loriots Stimme zu hören ("Bitte verzeihen Sie die Überziehung unserer Sendezeit…"), Claus Kleber bewegt dazu seine Lippen.

11. Mai 2011: Marietta Slomkas Maskenbildnerin ist zu Beginn der Sendung noch im Bild.

16. Mai 2011: Fliege im Nachrichtenstudio.

3. November 2011: Claus Kleber beamt in einer Anmoderation erst sich und dann den Tisch weg.

14. Dezember 2011: Ein Schwarzes Loch hat live im Studio eine Gaswolke verschlungen.

14. Mai 2012: Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer im Interview bei Claus Kleber: "Das können Sie alles senden!"

5. Dezember 2012: Aus Anlass des Todes von Dave Brubeck beginnt das "heute-journal" nicht mit der üblichen Titelmelodie, sondern mit einer Melodie Brubecks.

28. Oktober 2013: "Lassen Sie uns den Quatsch beenden. Das hat doch mit der Wirklichkeit nichts zu tun." Das sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel, nachdem Marietta Slomka zum Thema SPD-Mitgliederbefragung "hart zur Sache" gefragt hatte.

20. November 2017: "Sie haben fix die Mitteilung verschickt, lieber nicht regieren als falsch. Die Logik erschließt sich mir nicht so ganz. Ist es Ihnen am Ende lieber, Deutschland wird gar nicht regiert?" Das fragte Marietta Slomka FDP-Chef Christian Lindner, nachdem dieser die Sondierungen für eine Jamaika-Koalition scheitern ließt. Es entwickelt sich ein Wortgefecht, das Focus.de veranlasste, "Slomkas Knallhart-Fragen im Überblick" zu präsentieren.

außerdem:

Ingeborg Wurster – die erste Moderatorin im "heute-journal" – hat immer in Pantoffeln moderiert. Einmal waren diese auch im Bild zu sehen.

In einer Sendung funktionierte ein Schaltgespräch nicht, und Wolf von Lojewski sagte etwas ärgerlich: "Wir sehen nur mich. Das ist zu wenig"

Wolf von  Lojewski sagte einmal: "Heute ist wirklich gar nichts passiert. Gehen Sie aus, genießen Sie den Abend."

Alexander Niemetz kam bei der Übergabe zu den Nachrichten nicht auf Gundula Gauses Namen.

Tanz von Wolf von Lojewski mit Gundula Gause im "heute-journal"-Studio. 

                                   

"Auswirkung auf den Bürger genauso wichtig wie das Ereignis selbst"

Zur Einführung des "heute-journals" schrieb der damalige ZDF-Chefredakteur Reinhard Appel im ZDF Jahrbuch 77, Seite 52:

"Mit der Einführung des 'heute-journals' sollte der Tatsache Rechnung getragen werden, dass es dem durchschnittlichen Nachrichten-Konsu­menten in einer komplizierter werdenden Welt immer schwerer fällt, die Fakten richtig einzuordnen. Daher führt ein Moderator durch die Sendung; bei der Auswahl der Beiträge wird nicht allein von tagesak­tuellen Ereignissen ausgegangen, sondern auch von der aktuellen In­teressenlage des Publikums, in der Erkenntnis, dass die Auswirkung auf den Bürger genauso wichtig ist wie das Ereignis selbst. Das 'heute-journal' hat sich zum Ziel gesetzt, mit 'Antenne' und 'Phantasie' jene Themen aufzugreifen, die Zeitgespräch oder Tagesgespräch sind."

Fotohinweis 

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/heutejournal

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