Copyright: ZDF / Oliver Killig
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Ein Staat geht. Abschied von der DDR

ZDFzeit-Dokumentation

328 Tage bleiben der DDR, nachdem die Mauer gefallen ist. Es sind Monate, in denen sich die Ereignisse überschlagen und sich das Leben von 16 Millionen Menschen im Osten Deutschlands grundlegend verändert.
Die Dokumentation "Ein Staat geht. Abschied von der DDR" erzählt persönliche Geschichten und stellt sie in den politischen Zusammenhang. Dabei kommen Menschen zu Wort, die mit Eigeninitiative und Ideen ihre Zukunft gestalteten – und andere, die sich als Verlierer sehen, vom Strudel der Ereignisse fortgerissen fühlten. So entsteht ein facettenreiches Bild einer Zeit, die bis heute intensiv nachwirkt.

  • ZDF, Dienstag, 29. September 2020, 20.15 Uhr

Texte

Stab und Besetzung

Dienstag, 29. September 2020, 20.15 Uhr
Ein Staat geht. Abschied von der DDR
ZDFzeit-Dokumentation

Buch und Regie_____Christin Köppen
Kamera_____Moritz Bauer
Schnitt_____Martin Reimers
Szenenbild_____Josephine Calliotte
Ausstattung_____Judith Prollius
Kostümbild_____Sophia Sigel
Ton_____Luca Schliefer
Grafik_____Tom Degel
Producer_____Sönke thor Straten
Produktion_____Carola Ulrich (ZDF), Philipp Müller (ZDF), Sascha Lienert (Februar Film)
Produzent_____Florian Hartung (Februar Film)
Redaktion_____Mario Sporn, Stefan Mausbach
Leitung_____Stefan Brauburger

Die Rollen und ihre Darsteller
Erich Petke_____Dieter Bernhardt
Leticia Koffke_____Sara Simons

Inhalt

Es ist eine historisch beispiellose Umwälzung. Ein Staat – die DDR – geht, Menschen, die Jahrzehnte lang durch Mauern und Stacheldraht voneinander getrennt waren, sollen zusammenfinden – in einem freiheitlich-demokratischen, geeinten Deutschland. Vieles, was in über 40 Jahren DDR-Sozialismus aufgebaut worden war, gilt im Kapitalismus mit einem Schlag als Auslaufmodell – ob zu Recht oder zu Unrecht. Die Geschwindigkeit, mit der sich der Wandel vollzieht, überrascht, verunsichert und löst Ängste aus. Manche halten verzweifelt an der Vergangenheit fest. Andere erkennen die Gunst der Stunde und nehmen ihr Schicksal in die eigene Hand.

Es sind Geschichten wie die von Barbara Egler: Gemeinsam mit ihrem Mann eröffnet sie noch vor der Währungsunion den ersten Quelle-Shop der DDR im thüringischen Weida. Manche DDR-Bürger und -Bürgerinnen wie Ulla Wacker aus Dresden träumen von einem "Dritten Weg" zwischen Kapitalismus und Sozialismus und rufen in der Elbestadt sogar einen eigenen "Staat" aus – die "Bunte Republik Neustadt". In diesen Tagen des Umbruchs scheint vieles möglich: So wird aus der Brandenburger Krankenschwester Leticia Koffke die erste und gleichzeitig letzte "Miss DDR". Auch für andere erfüllen sich jetzt große Träume, wie für Andreas Thom. Fußballmanager Rainer Calmund schickt damals einen Kollegen undercover in die Kabine der DDR-Nationalmannschaft. Er will den Spitzenspieler vom Ost-Berliner BFC Dynamo für Bayer Leverkusen verpflichten und lockt ihn mit einer halben Million D-Mark pro Jahr.

Doch längst nicht alle haben so viel Glück. Eberhard Aurich ist überzeugter Kommunist und seit 1984 Vorsitzender der "Freien Deutschen Jugend", der staatlichen Jugendorganisation der DDR. Noch im Herbst 1989 tritt er zurück, die FDJ ist fortan Geschichte – wie der ganze Staat. Dem Einzug der D-Mark folgt auch das Ende vieler Ostbetriebe. Der Dresdner Franz Zadnicek vom Kamerahersteller VEB Pentacon verliert damals seinen Job – wie Millionen andere Menschen in den darauffolgenden Jahren. Und der einst überzeugte Grenzoffizier Erich Petke aus Treffurt muss nun dabei mithelfen, die Mauer abzubauen. Sie sehen sich als Verlierer der Wende.

Zitate von Zeitzeugen

Über das damalige Lebensgefühl

Victoria Herrmann, Moderatorin bei der DDR-Jugendsendung "Elf99"
"So ein Gefühl hatte ich seitdem nie, nie wieder, eine Art von Unsicherheit. Was steht dir da bevor? Was passiert jetzt mit uns?"

Inka Bause, Sängerin und Moderatorin
"Ich habe von Tag zu Tag gelebt. Es überstürzten sich die Nachrichten. (…)
Wir sind gleich. Wir sind nur unterschiedlich groß geworden. Wir in Käfighaltung und ihr in Freilandhaltung."

Erich Petke, Major bei den DDR-Grenztruppen
"Ich war mit Leib und Seele Grenzoffizier und auch politisch zweihundertprozentig überzeugt. (…)
Es ist für mich als Berufsoffizier in der Deutschen Demokratischen Republik eine Welt zusammengebrochen. Es war ja zu der Zeit nicht klar, wird irgendjemand vom Bundesgrenzschutz übernommen oder nicht. Es war auch nicht klar, kommt irgendwann ein Gesetz, dass alle Grenzer vor Gericht gestellt werden. Es war überhaupt nichts klar. (…)
Es ist eine Zeit, für die es keine Anleitung gab. Eine Zeit, in der man heute nicht wusste, was die Zeit morgen bringt. Für mich ist ganz klar, dass das eine Zeit war, die ein Mensch nur einmal in seinem Leben erleben kann."

 

Über erste Erfahrungen mit dem Westen

Inka Bause, Sängerin und Moderatorin
"Ich gehörte zu den vielen Millionen Ossis, die einen ganz schlechten Gebrauchtwagen irgendwo in Westdeutschland gekauft haben, und der Gebrauchtwagenhändler war heilfroh dass er den an einen dummen Ossi noch verkaufen konnte."

Andreas Thom, DDR-Fußballer, über sein erstes Treffen mit Reiner Calmund
"Ich war schon sehr aufgeregt. Ich wusste ja, was er wollte. Er wollte mich nach Leverkusen holen und hat all seinen Charme spielen lassen, um mir das so schmackhaft wie möglich zu machen. Sicherlich hat er mir auch ein paar Zahlen genannt."

 

Über die D-Mark und neue Geschäftsideen im Osten

Barbara Egler, Gründerin eines Quelle-Shops in Weida
"Mein Mann hatte die Idee, dass wir in unserer Heimat auch so ein Geschäft eröffnen. Der Bedarf an westlichen Artikeln war ja riesengroß. Einen Quelle-Katalog gab es seit Jahrzehnten in vielen DDR-Haushalten. Natürlich haben die Leute den Quelle-Katalog angeschaut und fasziniert gelesen. Aber es war natürlich unmöglich, vom Osten aus zu bestellen. Aber die Sehnsucht war da. (…)
Unsere Erwartungen sind mehr als erfüllt worden. Am besten gingen Kleinelektroartikel weg. Ich glaube, wir haben ganz Weida mit orangefarbenen Kaffeemaschinen ausgestattet. Wir haben es überhaupt nicht bereut, hierhergekommen zu sein."

Inka Bause, Sängerin und Moderatorin
"Westgeld, Westgeld, Westgeld! Am Ost-Geld hat keiner gehangen. Und dann kam es, dieses schöne, schöne Westgeld. Also für mich gibt's noch heute nichts Schöneres als dieses alte Fünfmarkstück. Es war nicht nur Geld, das einen Wert hatte, und wo wir natürlich alle froh waren, das zu haben – sondern es war auch diese Magie, die es natürlich auch für uns Ossis hatte."

 

Über DDR-Funktionäre

Thomas Krüger, damals Bürgerrechtler in der DDR
"Es gab einen kollektiven Druck, Mitglied der FDJ zu werden. Die FDJ wollte einen uniformen, passgenauen, jungen, sozialistischen Menschen erziehen. Die sozialistische Persönlichkeit, die einen ganz klaren Auftrag hatte, nämlich dieses System zu tragen und zu stabilisieren."

Eberhard Aurich, bis November 1989 Vorsitzender des DDR-Jugendverbands "Freie Deutsche Jugend" (FDJ)
"Wir Funktionäre waren Täter, weil wir das vertreten haben und vielleicht auch dies und jenes gemacht haben, was man vielleicht nicht hätte tun sollen. Aber wir waren wiederum auch Opfer der Struktur. Aber Täter bleiben wir trotzdem, weil wir die Verantwortung trugen. Das ist ganz klar."

 

Über die "Bunte Republik Neustadt" in Dresden, die bis heute jedes Jahr als Stadtteilfest gefeiert wird

Ulla Wacker, lebte damals in Dresden
"Die 'Bunte Republik Neustadt' wurde gegründet, weil zu dem Zeitpunkt klar wurde: Es kommt die Wiedervereinigung. Mit dem Westen kommen die Investoren, kommt der Konsum. (…)
Gerade Dresden tut die Bunte Republik Neustadt extrem gut. Das ist mir ganz wichtig. Hier wird eine Toleranz gelebt, eine Vielfarbigkeit gelebt, die haben wir in anderen Ecken der Stadt leider nicht mehr."

 

Über "Wende" und Wiedervereinigung

Ulla Wacker, lebte damals in Dresden
"Dass die Wiedervereinigung kam, fand ich jetzt nicht schlimm. Was ich schlimm fand, war, dass man in einen abgetragenen Pulli schlüpfen musste. Es wurde uns irgendetwas übergestülpt."

Inka Bause, Sängerin und Moderatorin
"Ich gehöre nicht zu den Klugscheißern, die sagen, sie hätten es besser gemacht. Um Gottes willen, Fehler müssen gemacht werden, und es war für uns alle die erste Wende."

 

Über Arbeitslosigkeit und die Abwicklung des Dresdner Kameraherstellers VEB Pentacon

Thomas Krüger, damals Bürgerrechtler in der DDR
"Man darf nicht vergessen, dass Anfang der Neunzigerjahre mehr als drei Viertel der Menschen in der ehemaligen DDR ihren Job verloren hatten oder einen anderen Job annehmen mussten. Das macht etwas mit Menschen, wenn sie sich sozusagen von einem auf den anderen Tag komplett neu einstellen müssen, die Herausforderungen für sich und ihre Familien neu meistern müssen."

Franz Zadnicek, Werkzeugmacher bei Pentacon
"Das war eine Geschichte, die hat man als Arbeiter hier nicht verstanden. Man meinte, dass die Treuhand Verbrecher sind, obwohl das gar nicht so war, würde ich meinen. Wer ist schuld? Das System, das vorhergehende System. Die haben dreißigtausend Kameras hergestellt mit immer schlechterem Material. Das ist sinnlos."

 

Über neue Chancen

Reiner Calmund, damals Manager von Bayer 04 Leverkusen
"Andreas Thom war so talentiert, pfeilschnell, Linksfuß, Rechtsfuß, technisch perfekt. Und der hatte einen Schuss, der konnte ein Pferd totschießen. Zum Zeitpunkt des Mauerfalls war er DDR-Fußballer des Jahres, Torschützenkönig und hatte mit 24 Jahren schon 54 Länderspiele gemacht. Ja, da brauchst du nicht groß zu überlegen."

Andreas Thom, DDR-Fußballer
"Für uns als DDR-Spieler haben sich ganz neue Möglichkeiten ergeben, und die musste man beim Schopfe packen."

Leticia Koffke, 1990 zur Miss DDR und zur Miss Germany gewählt
"Die Wende an sich war für alle Menschen in Ost und West ein ganz besonderer Punkt, aber für mich persönlich war der Gewinn der "Miss DDR"-Wahl der persönliche Wendepunkt. Ich war vorher Krankenschwester in Brandenburg, hatte meine Ausbildung abgeschlossen. Es war der Plan, zu arbeiten, meinen Freund zu heiraten, Kinder zu bekommen. Und dann, mit diesem Ereignis, wurde ich rauskatapultiert. Die Welt stand mir offen und mein ganzes Leben hat sich komplett verändert. Diese persönliche Wende, das ist der Punkt, der mich auch heute immer noch berührt, und ich denke: Wow, dass mir das passiert ist!"

Inka Bause, Sängerin und Moderatorin, über ihren ersten Auftritt in der "ZDF-Hitparade"
"Ich habe den dritten Platz geschafft, und das fand ich unfassbar, weil mich ja keiner so richtig kannte. Im Westen in den Filmstudios am Tempelhofer Feld zu stehen. Das war für mich wie das Traumschiff, wie Derrick, der Alte. Das war für mich absolut die Krönung. Dort als Künstler auftreten? Das war grandios."

Persönliche Wegmarken der Zeitzeugen

Andreas Thom

Donnerstag, 16. November 1989
Andreas Thom erhält am Tag nach dem WM-Qualifikationsspiel der DDR gegen Österreich heimlichen Besuch von Leverkusens Manager Reiner Calmund in Ostberlin.

Samstag, 17. Februar 1990
Andreas Thom wechselt als erster DDR-Fußballer offiziell in die Bundesliga und schießt bei seinem Einstandsspiel direkt den Siegtreffer für Bayer 04 Leverkusen.

 

Eberhard Aurich

Freitag 24. November 1989
Eberhard Aurich verlässt seinen Posten als Erster Sekretär des Zentralkomitees der FDJ – seine erfolgreiche Karriere als einer der wichtigsten Funktionäre der DDR findet ein jähes Ende.

 

Barbara Egler

Donnerstag, 29. März 1990
Barbara Egler und ihr Mann Klaus eröffnen den ersten Quelle-Shop in der DDR – mit einschlagendem Erfolg.

Sonntag, 1. Juli 1990
Mit der Währungsunion kommt die begehrte D-Mark, jetzt kaufen die DDR-Bürger im Quelle Shop von Barbara Egler vor allem Fernseher, Videorekorder und Videokameras.

 

Ulla Wacker

Freitag, 22., bis Sonntag, 24. Juni 1990
Mit der Gründung der "Bunten Republik Neustadt" wehrt sich ein Dresdner Stadtteil gegen Immobilienspekulanten, und Ulla Wacker feiert als 17-Jährige bei dem ausgelassenen Stadtfest mit.

 

Franz Zadnicek

Sonntag, 1. Juli 1990
Die gerade gegründete Treuhandanstalt übernimmt auch die Geschicke des Kameraherstellers Pentacon in Dresden, bei dem Franz Zadnicek seit seiner Ausbildung arbeitet.

Dienstag, 2. Oktober 1990
Franz Zadnicek steht nach einem Urlaub plötzlich vor einem verschlossenen Fabriktor – die Treuhand hat Pentacon einen Tag vor der Wiedervereinigung liquidiert.

 

Inka Bause

Mittwoch, 11. Juli 1990

Mit ihrem Lied "Aber du" tritt Inka Bause zum ersten Mal in der "ZDF-Hitparade" auf.

 

Erich Petke

Mittwoch, 3. Oktober 1990
Mit der Wiedervereinigung sind die innerdeutschen Grenztruppen überflüssig geworden, deshalb wird Major Erich Petke ausgerechnet zum Abriss der Berliner Mauer beordert.

 

Leticia Koffke

Samstag, 22. September 1990
Leticia Koffke aus Brandenburg an der Havel wird zur ersten und letzten Miss DDR gekürt – und gewinnt ein paar Monate später auch noch den Titel der Miss Germany.

9. November 1989 bis 3. Oktober 1990 – Chronologie der Ereignisse

Donnerstag, 9. November 1989
SED-Politbüromitglied Günter Schabowski schreibt Geschichte: Auf einer Pressekonferenz an diesem Abend verkündet er, dass Privatreisen in den Westen "ab sofort, unverzüglich" möglich seien. Eigentlich war die Mitteilung erst für den nächsten Tag bestimmt. Tausende Ostberliner strömen daraufhin zu den Grenzübergängen, die zunächst geschlossen bleiben. Es kommt zu tumultartigen Szenen. Eine halbe Stunde vor Mitternacht entschließen sich einzelne Grenzkommandanten, die Übergänge zu öffnen.

Freitag, 10. November 1989
In der Nacht werden an vielen Berliner Übergangsstellen die Grenzanlagen einfach "überrannt". Zehntausende DDR-Bürger strömen nach West-Berlin.In der ganzen DDR drängen sich die Menschen vor den Meldestellen, um ein Visum für einen Besuch im Westen zu erhalten. Auf einer Kundgebung vor dem Schöneberger Rathaus in West-Berlin sprechen Willy Brandt, Walter Momper und Helmut Kohl.

Mittwoch, 15. November 1989
In Wien findet das WM-Qualifikationsspiel der DDR gegen Österreich statt. Der Endstand lautet 3:0 für österreichische Elf, die damit das WM-Ticket bucht. Auf der Tribüne sitzen bereits viele westdeutsche Fußballscouts auf der Suche nach Talenten aus dem Osten.

Dienstag, 28. November 1989
Der Bundestag in Bonn debattiert über die Veränderungen in der DDR. Bundeskanzler Helmut Kohl überrascht mit einem 10-Punkte-Plan für die deutsche Einheit.

Sonntag, 3. Dezember 1989
Zentralkomitee und Politbüro der SED treten zurück. In den folgenden Monaten verschwindet das Vermögen der DDR-Staatspartei: Sechs Milliarden Ostmark. Bis heute ist ein großer Teil verschollen.

Donnerstag, 7. Dezember 1989
Erste Zusammenkunft des Zentralen Runden Tisches in Ost-Berlin.

Freitag, 22. Dezember 1989
Der Grenzübergang am Brandenburger Tor wird in Anwesenheit von Bundeskanzler Kohl und dem DDR-Ministerpräsidenten Hans Modrow offiziell eröffnet.

Montag, 15. Januar 1990
Tausende Demonstranten dringen in die einstige Machtzentrale der DDR-Staatssicherheit ein. Fortan wird der Gebäudekomplex von einem Bürgerkomitee kontrolliert.

Samstag, 10. Februar 1990
Der sowjetische Präsident Michael Gorbatschow gibt Bundeskanzler Helmut Kohl anlässlich seines Besuchs in Moskau die prinzipielle Zusage zur Wiedervereinigung Deutschlands. Die Frage der Bündniszugehörigkeit bleibt allerdings noch offen.

Mittwoch, 14. März 1990
In Bonn beginnen die sogenannten "Zwei-plus-Vier"-Verhandlungen zwischen Vertretern der beiden deutschen Staaten und den vier alliierten Staaten, Frankreich, Großbritannien, UdSSR und USA. Auf dem Weg zum vereinten Deutschland sind wichtige außenpolitische Fragen zu klären: Die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze und die Zugehörigkeit zu Militärbündnissen.

Sonntag, 18. März 1990
An diesem Sonntag dürfen die Wähler und Wählerinnen im Osten zum ersten Mal selbst entscheiden, welche Parteien und Politiker sie zukünftig in der Volkskammer vertreten sollen. Die Beteiligung ist hoch. 93 Prozent der wahlberechtigten DDR-Bürgerinnen und Bürger geben bei den Volkskammerwahlen ihre Stimme ab.
Die Allianz für Deutschland unter Führung der Ost-CDU siegt mit 48,15 Prozent der Stimmen. Ihr folgen die SPD mit 21,84 und die PDS mit 16,33 Prozent. Lothar de Maizière bildet die Regierung und wird am 12. April1990 letzter Ministerpräsident der DDR.

Donnerstag, 5. April 1990
Die neugewählte Volkskammer tritt erstmals zusammen und streicht die Verfassungsklausel, nach der die DDR ein "sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern" ist.

Sonntag, 6. Mai 1990
Erste freie Kommunalwahlen in der DDR. Auch hier entscheidet sich über ein Drittel der Wahlberechtigten für die CDU.

Freitag, 18. Mai 1990
Bundesfinanzminister Theo Waigel und sein DDR-Amtskollege Walter Romberg unterzeichnen den Vertrag über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen beiden deutschen Staaten.

Mittwoch 13. Juni 1990
In Berlin wird mit dem endgültigen Abriss der Mauer begonnen.

Sonntag, 1. Juli 1990
Energisch haben die DDR-Bürger die Einführung der D-Mark gefordert. Als sie kommt, reisen hunderte Tonnen Scheine und Münzen in die DDR. Am Stichtag liegen in den Bankfilialen 28 Milliarden D-Mark bereit. Am selben Tag nimmt die Treuhandanstalt ihre Arbeit auf. Eine Behörde mit einer gewaltigen Aufgabe: 8.500 volkseigene Betriebe sollen privatisiert und saniert oder liquidiert werden.

Sonntag, 8. Juli 1990
Die bundesdeutsche Nationalmannschaft wird durch ein 1:0 gegen Argentinien in Rom Fußball-Weltmeister.

Montag 16. Juli 1990
Bei Gesprächen mit Bundeskanzler Kohl im Kaukasus billigt der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow dem vereinten Deutschland volle Souveränität und freie Wahl der Bündniszugehörigkeit zu.

Donnerstag, 23. August 1990
Die DDR-Volkskammer beschließt den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes zum 3. Oktober 1990.

Dienstag, 4. September 1990
Eine zweite Besetzung der Stasi-Zentrale durch Bürgerrechtler und ein Hungerstreik sorgen dafür, dass die Akten des Geheimdiensts offen für die Aufarbeitung bleiben und nicht vernichtet oder unter Verschluss genommen haben, wie es Pläne der Bundesregierung vorsehen.

Mittwoch, 12. September 1990
In Moskau wird der Zwei-plus-Vier-Vertrag unterzeichnet. DDR, Bundesrepublik und die vier Siegermächten des Zweiten Weltkrieges ebnen den Weg für ein vereintes Deutschland.

Dienstag, 2. Oktober 1990
Am Vorabend der Wiedervereinigung wird die NVA, die Nationale Volksarmee, nach einem großen Zapfenstreich in die Bundeswehr eingegliedert. 90.000 Soldaten wechseln die Uniform. Plötzlich stehen sich ehemals feindliche Soldaten als Kameraden gegenüber.

Mittwoch, 3. Oktober 1990
Der Abschied von der DDR: 328 Tage nach dem Mauerfall findet in Berlin die offizielle Feier zur Deutschen Einheit statt. 

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