Copyright: ZDF / Conny Klein
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Mein Freund, das Ekel

Komödie

Olaf Hintz, Lehrer a.D., tyrannisiert jeden. Insbesondere seine Schwester Elfie, mit der er seit dem Tod seiner Frau in einer 120-Quadratmeter-Wohnung zusammenlebt. Elfie kümmert sich rührend um den alten Miesepeter, bis sie es leid ist und sich auf eine lange Kreuzfahrt begibt. Da Hintz im Rollstuhl sitzt und auf Hilfe angewiesen ist, hat Elfie mittels einer Online-Plattform für Ersatz gesorgt. So zieht Hintz' fleischgewordener Albtraum ein: die alleinerziehende, mittellose Trixie samt ihrer drei Sprösslinge.

  • ZDF, Komödie, Donnerstag, 9. Mai 2019, 20:15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Donnerstag, 2. Mai 2019, ab 10:00 Uhr

    Texte

    Stab & Besetzung

    Buch & Regie: Marco Petry

    Kamera: Gerhard Schirlo

    Musik: Paul Eisenach

    Tonmeister: Michael Eiler, Ludwig Bestehorn

    Szenenbild: Eva-Maria Wendt

    Schnitt: Renata Salazar Ivancan

    Kostümbild: Mo Vorwerck

    Maskenbild: Karla Meirer, Katja Melches

    Casting: Uwe Bünker, Antje Bünker

    Herstellungsleitung: Oliver Nommsen

    Produktionsleitung: Joannes Pantos

    Produktion: Rat Pack Filmproduktion in Zusammenarbeit mit An der Gassen FILM

    Produzentin: Franziska An der Gassen

    Produzent: Christian Becker

    Redaktion: Thorsten Ritsch         

    Länge: ca. 90 Minuten

     

    Olaf Hintz: Dieter Hallervorden

    Trixie Kuntze: Alwara Höfels

    Murat: Julius Gabriel Göze

    Afia: Latisha Kohrs

    Sean: Lior Kudrjawizki

    Elfie    Ursela Monn

    Helmut: Michael Hanemann

    Amar: Mohamed Issa

    Bella: Stephanie Krogmann

    Frau Grieslein: Kathleen Gallego Zapata

    Holger: Roland Wolf

    Frau Knappick: Friederike Sipp

    als Gast: Jolig: Axel Stein

    und andere

    Inhalt

    Olaf Hintz, Lehrer im Ruhestand, ist ein rollstuhlfahrendes Ekel und ein Misanthrop. Er tyrannisiert jeden – vor allem seine Schwester Elfie. Sie lebt seit dem Tod von Hintz' Ehefrau mit ihm in einer 120-Quadratmeter-Wohnung zusammen und kümmert sich um ihn – bis ihr der Kragen platzt und sie auf eine sechsmonatige Kreuzfahrt flieht. Da Hintz versorgt werden muss, hat Elfie mittels einer Online-Plattform für Ersatz gesorgt. So zieht Hintz' fleischgewordener Albtraum ein: die alleinerziehende, mittellose Trixie samt ihrer drei Spröss-linge Murat, Afia und Sean. Da Trixie zum Überleben mit mehreren Jobs jonglieren muss, überlässt sie Hintz' Versorgung ihren Kids, denen der reaktionäre Senior sogleich den Krieg erklärt. Als Hintz Murat beim Klauen erwischt, setzt er alle direkt wieder vor die Tür. Doch in dem pensionierten Lehrer keimt eine Idee auf: Er würde von einer Anzeige gegen Murat absehen und alle wieder einziehen lassen, wenn Murat ab sofort das Schuleschwänzen lässt und unter seiner Aufsicht büffelt. Dabei findet "das Ekel" nicht nur heraus, dass der Junge musikalisch hoch talentiert ist, sondern auch, warum Trixie so schlecht bezahlte Jobs hat: Sie kann nicht lesen und schreiben. Jetzt ist der alte Pauker in Hintz endgültig wiedererweckt. Doch mit Unterricht allein sind sowohl die Probleme von Trixie, als auch die von Hintz nicht zu lösen.

    Die Annäherung zweier höchst unterschiedlicher Menschen - Interview mit Regisseur und Drehbuchautor Marco Petry

    Können Sie etwas zur Stoffentwicklung sagen?

    Am Anfang gab es ein fünfseitiges Exposé, das den Fokus stark auf das Verhältnis zwischen Hintz und den drei Kindern legte. Der Redakteur Thorsten Ritsch, die Produzentin Franziska An Der Gassen und ich hatten das Gefühl, dass die Beziehung zwischen Hintz und der alleinerziehenden Mutter Trixie die interessantere ist, woraufhin ich diese in den Vordergrund meiner Drehbucharbeit gestellt habe. Mit diesem Fokus und auch durch das Feedback von Dieter Hallervorden und Alwara Höfels hat sich die Story dann entwickelt und geformt. Wir alle wollten eine langsame Annäherung zweier höchst unterschiedlicher erwachsener Menschen erzählen.

    Zu welchem Zeitpunkt hatten Sie Dieter Hallervorden und Alwara Höfels als Hauptdarsteller vor Augen?

    Dieter Hallervorden hatte schon Interesse an dem Stoff bekundet, bevor ich an Bord kam. Tatsächlich konnte ich mir niemand passenderen für die Rolle des Hintz vorstellen; und seine Leistung hat meine Erwartungen noch übertroffen. Mit Alwara hatte ich schon gearbeitet und brachte sie selbst ins Spiel. Ich wusste, dass sie einer einfachen Frau wie Trixie enorm viele Facetten geben kann und dass sie wie Dieter Hallervorden die Komödie genauso gut beherrscht wie das Drama.

    Was ist für Sie das Tragische an dieser Komödie?

    Der Film hat viele tragische Elemente. Tragisch ist, dass ein verbitterter alter Mann wie Hintz jeden, der nicht seinen moralischen oder intellektuellen Ansprüchen genügt, aus seinem Leben verbannt, obwohl ihm eigentlich nichts besser tut als die Nähe von anderen Menschen. Tragisch ist auch, dass eine alleinerziehende Mutter wie Trixie im täglichen Überlebenskampf für sich und ihre drei Kinder keine Chance hat, sich in anderen Bereichen weiterzuentwickeln. Das funktioniert erst, als sie und Hintz anfangen, eine Gemeinschaft zu bilden.

    "Ich fand zu ganz neuen Facetten" - Interview mit Dieter Hallervorden

    Wie war es für Sie, im Rollstuhl zu sitzen?

    Jeder weiß, dass man von einem bestimmten Alter an nicht von Tag zu Tag gesünder wird. Aber man kann ja glücklicherweise selbst aktiv daran arbeiten, den "Verschleiß" in Grenzen zu halten. Ich mache von dieser Möglichkeit reichlich Gebrauch und hoffe daher, dass mir der Rollstuhl noch lange erspart bleibt. Meine optimistische Lebenseinstellung hilft mir dabei.

    Zu Anfang hatte ich die Befürchtung, dass mich der Rollstuhl und die damit verbundene körperliche Abhängigkeit von dem Fortbewegungsmittel in meinen schauspielerischen Möglichkeiten stark eingrenzen könnten. Dem war aber nicht so. Im Gegenteil: Ich fand zu ganz neuen Facetten, die Rolle eines Behinderten mit Leben und Selbstbewusstsein zu erfüllen.

    Ist eine "Generationen-WG" vielleicht ein Modell der Zukunft?

    Eine Generationen-WG war in früheren Zeiten eine absolute Selbstverständlichkeit. Man überließ weder ältere noch jüngere Schutzbedürftige ihrem Schicksal. Die Gemeinschaft stand zusammen. Es war den Menschen damals bewusst: Man kann ein einzelnes Streichholz ganz leicht zerbrechen – ein ganzes Bündel von Streichhölzern zusammen aber nicht!

    In welchen Situationen sind Sie ein richtiges Ekel?

    Es kommt immer darauf an, wer mich in welchem Umfang an die Grenzen meiner Selbstbeherrschung bringt. Ich kann sehr geduldig sein, aber wenn es innerlich brodelt, kann ich auch ordentlich Dampf ablassen. Da kann ich an die Decke geh'n wie 'ne geschüttelte Sektflasche.

    "Trixie hat ein großes Herz" - Interview mit Alwara Höfels

    Beschreiben Sie Trixie in drei Worten:

    lebensbejahend, realistisch, stark.

    Was halten Sie von dem Wohnungsmodell "Wohnen für Hilfe"?

    Es gibt immer weniger bezahlbaren Wohnraum in den Großstädten, die Gentrifizierung ist mittlerweile leider Teil unserer gesellschaftlichen Realität. Somit sind Modelle wie "Wohnen für Hilfe" aus der Notwendigkeit geboren. Die Politik ist nun mehr denn je gefragt, der fortschreitenden Gentrifizierung Einhalt zu gebieten und bezahlbaren Wohnraum für alle zu schaffen und zu gewährleisten.

    Trixie ist Analphabetin, schlägt sich trotzdem irgendwie durch. Können Sie es sich erklären, wie es passieren kann, dass es noch heute Leute gibt, die nicht lesen können?

    In Deutschland gelten etwa 7,5 Millionen Erwachsene als sogenannte funktionale Analphabeten. Funktionaler Analphabetismus hat nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun. Er entsteht vielmehr durch ein Zusammenspiel von individuellen Faktoren – zum Beispiel in der Familie, der Schule oder der Gesellschaft. Analphabetismus entsteht oft durch ungünstige Lebensumstände, zum Beispiel häufige Umzüge in der Grundschulzeit oder psychische und familiäre Probleme. Manchmal ist Überleben einfach wichtiger als Lernen. Die Betroffenen haben nicht selten enorme Fähigkeiten entwickelt, um ihre Schwäche zu verbergen und besitzen besondere Stärken im alltäglichen Leben.

    Wie war die Arbeit mit Dieter Hallervorden und den drei Kindern?

    Es war eine schöne und konstruktive Zusammenarbeit. Wir hatten viel Spaß.

    Können Sie die Geduld, die Trixie Olaf Hintz entgegenbringt, nachvollziehen?

    Trixie hat ein großes Herz, da hat auch ein widersprüchlicher Charakter wie Olaf Hintz seinen Platz. Zudem befindet sie sich mit ihren Kindern in einer schwierigen Lebenssituation, somit ist sie gezwungen, die Beziehung mit Olaf Hintz so gut es geht zu meistern.

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