planet e.: Ein giftiger Verdacht

Wie ein Pestizid in unser Essen kommt

Ethoxyquin ist ein Konservierungsstoff in Nutztierfutter, der über den Fleischverzehr in den menschlichen Organismus gelangt. Die Wirkungen sind kaum bekannt. Was man aber weiß, ist alarmierend. In einem eigens beauftragten, bisher so noch nie durchgeführten Stichprobentest zeigt die ZDF-Umweltreihe „planet e.“, dass die Chemikalie in Muttermilch und menschlichem Fettgewebe nachweisbar ist und sich dort sogar anreichert.

  • ZDF, Sonntag, 31. Mai 2015, 14.45 Uhr

Texte

planet e.: Ein giftiger Verdacht
Wie ein Pestizid in unser Essen kommt

Sonntag, 31. Mai 2015, 14.45 Uhr

Film von Birgit Hermes und Michael Wiedemann

Kamera      Michael Habermehl
SchnittAndreas Lupczyik
RedaktionVolker Angres
Längeca. 28 Minuten

Ethoxyquin ist ein Konservierungsstoff in Nutztierfutter, der über den Fleischverzehr in den menschlichen Organismus gelangt. Die Wirkungen sind kaum bekannt. Was man aber weiß, ist alarmierend. In einem eigens beauftragten, bisher so noch nie durchgeführten Stichprobentest zeigt „planet e.“, dass die Chemikalie in Muttermilch und menschlichem Fettgewebe nachweisbar ist und sich dort sogar anreichert.

Was die Substanz und seine Abbauprodukte im menschlichen Körper insgesamt bewirken, ist quasi unerforscht. Eine der wenigen Wissenschaftler, die sich mit der Giftigkeit von Ethoxyquin befasst haben, ist Dr. Alina Błaszczyk. Bei ihren Forschungen mit menschlichen Blutzellen beobachtete sie, dass die Chemikalie zu Chromosomenbrüchen führt, also die Erbsubstanz schädigt. Mit dieser Beobachtung liegt der Verdacht nahe, dass Ethoxyquin krebserregend ist. Zudem erkannte die norwegische Wissenschaftlerin Dr. Victoria Bohne bei Versuchen mit Ratten, dass die Substanz die Bluthirnschranke überwindet, also bis in das Gehirn vordringt. Für Experten wie den niederländischen Toxikologen Dr. Henk Tennekes ist das Anlass zu größter Sorge. Sein Verdacht: Schon während der Schwangerschaft könnte Ethoxyquin die Gehirnentwicklung von Föten stören.

Bis 2011 war die Chemikalie auch als Pflanzenschutzmittel erlaubt. Mangels Daten zu seiner Giftigkeit entzog die EU jedoch dem Pestizid die Zulassung. Als Zusatzstoff für Tierfutter aber darf Ethoxyquin weiterhin verwendet werden, denn es ist billig und praktisch in der Anwendung. Ethoxyquin verhindert auf einfache Weise, dass teures Vieh- und Fischfutter ranzig wird oder seine Vitamine verliert. Dass Ethoxyquin überhaupt als Futterzusatzstoff zugelassen ist, liegt in der Verantwortung der EU-Kommission. Deren Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) liefert die wissenschaftliche Einschätzung dieser Substanz. Seit mindestens fünf Jahren versucht sich die EFSA an der dringend erforderlichen Neubewertung – bislang ohne Erfolg. Für die europäische Nichtregierungsorganisation C.E.O. keine Überraschung: Mitglieder der EFSA-Arbeitsgruppe zu Ethoxyquin haben offenbar zu enge Kontakte zur Industrie.

Die „planet e.“-Dokumentation greift die Verdachtsmomente zu den alarmierenden Wirkungen von Ethoxyquin auf und fügt sie zu einer Indizienbeweiskette zusammen. Allerdings ohne Stellungnahmen der EU-Kommission, der EFSA oder des Verbandes der Futtermittelhersteller: Niemand dort war zu einem Interview vor der Kamera bereit.

Das vormittägliche ZDF-Service-Magazin "Volle Kanne - Service täglich" berichtet bereits am Donnerstag, 28. Mai 2015, ab 9.05 Uhr, in einem Beitrag davon, wie das Pestizid Ethoxyquin in unser Essen gelangt.

Der andere Blick auf unsere Erde
planet e.: die Umwelt-Dokumentation

Seit 2011 geht „planet e.“, sonntags, um 14.45 Uhr, in intensiven Dokumentationen aktuellen Fragen des Umwelt- und Naturschutzes auf den Grund. Die Dokureihe findet Themen ganz in der Nähe, in Europa und weltweit. Es geht um globale Trends, nachhaltige Lebensgestaltung und ökologisch verträgliche Lösungen für die drängenden Fragen der Zeit.

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