Eggs a la Benedict, serviert in Portland, Oregon. Foto: ZDF/Bert Schönborn
Eggs a la Benedict, serviert in Portland, Oregon. Foto: ZDF/Bert Schönborn

Street-Food – Zweiteilige Dokumentation

Spieße, Skorpione und eine deftige Suppe / Burger, Burritos und ein dicker Braten

"Street Food" erzählt von den Menschen eines Ortes, einer Region, eines Landes. Das volksnahe Essen aus den mobilen Küchen macht deutlich, wie unterschiedlich die Kulturen sind. Normen Odenthal, Leiter des ZDF-Studios in Singapur, und Thomas Reichart, Leiter des ZDF-Studios in Peking, begeben sich auf einen Streifzug durch Asien und Amerika und erkunden unterschiedliches Street Food. Sie lernen die Menschen kennen, die es zubereiten, und die Geschichten, die dahinterstecken. In zwei 45-minütigen Dokumentationen bieten die beiden ZDF-Auslandskorrespondenten unerwartete Erkenntnisse über Leute, Land, Politik und Kultur.

  • ZDF, Mittwoch, 4. Januar 2017, 22.15 Uhr / Donnerstag, 5. Januar 2017, 22.15 Uhr

    Texte

    Sendetermine und Stab

    Mittwoch, 4. Januar 2017, 22.15 Uhr, ZDF

    Street Food (1)
    Spieße, Skorpione und eine deftige Suppe

     

    Donnerstag, 5. Januar 2017, 22.15 Uhr, ZDF

    Street Food (2)
    Burger, Burritos und ein dicker Braten

     

    Filme von Normen Odenthal und Thomas Reichart

     

    Kamera: Toby Marshall, Ludger Nüschen, Daniel Raquet, Bert Schönborn
    Schnitt: Jan Dottschadis, Daniel Strobel
    Produktion: ZDF
    Redaktion: Beate Höbermann, Claudia Ruete
    Länge: 2 x 45 Minuten

    Street Food

    Street Food ist Essen von unten, ist näher an den Menschen, authentischer. Und umgekehrt: Kein Essen erzählt mehr von den Menschen eines Ortes, von ihren Vorlieben, ihren Schrulligkeiten.

    Street-Food-Orte sind wie Speisekammern mit mobilen Küchen. Kochstellen, an denen neben den besten Fleischspießen, Burritos, Nudelsuppen und Ceviches auch die tollsten Geschichten lagern. Street Food zeigt aber auch, wie unterschiedlich die Kulturen sind.

    Normen Odenthal und Thomas Reichart erkunden unterschiedliches Street Food und die Menschen, die es zubereiten. Ein Streifzug durch Asien und den amerikanischen Kontinent, der aus dem Bauch heraus beginnt und spannende, unerwartete Erkenntnisse über Leute, Land, Politik und Kultur nebenbei erzählt. Die Filmautoren sind dafür in China, Japan, Thailand und Vietnam ebenso unterwegs wie in den USA, in Mexiko, Kolumbien, Peru und Argentinien. 

    Teil 1: Spieße, Skorpione und eine deftige Suppe

    Im ersten Teil bereisen Normen Odenthal und Thomas Reichart vier Länder Asiens und erleben von touristisch eingefärbtem Street Food bis zur ursprünglichen uigurischen Küche extreme Gegensätze.

    Es gibt nichts, was es nicht gibt – das erfährt Normen Odenthal in Thailands Hauptstadt Bangkok. Westliche Touristen staunen über die Vielfalt der Straßen-Küche. Die Mutigen unter ihnen probieren Frösche, Skorpione, Insekten. Street Food ist für die Köche auch ein Weg aus dem Elend. Saiyuud Diwong, genannt Poo, hat es geschafft: Sie ist im größten Slum Bangkoks aufgewachsen, hat sich dort – wie so viele andere – als Straßenköchin durchgeschlagen. Inzwischen hat sie mit Promi-Köchen wie Jamie Oliver am Herd gestanden und ein Buch herausgegeben. Sie betreibt eine kleine Kochschule.

    Existenzieller, rauer, männlicher geht es auf einem Basar in Chinas wildem Westen, in Xinjiang zu. Straßenkoch Alimu kämpft an seinem Stand mit dem Holzfeuer und einem alten Ventilator, auf dem er mit frischem Lammfleisch Kebab brutzeln will, der so anders schmeckt als in Europa. An den alten Oasenorten der Seidenstraße braucht ein guter Kebab vor allem: Feuer und Fleisch. Thomas Reichart beißt beherzt zu beim Essen wie zu Karawanenzeiten.

    Der Filmautor findet extreme Gegensätze des Street Food weit im Süden Chinas, in der Weltwirtschaftsmetropole Shanghai. An seinem Stand verkauft Xu Junwen jede Nacht Youtiao, Shanghais Kult-Imbiss. Youtiao sind goldgelb ausgebackene Teigstangen. In der Menschenschlange, die sich dort bildet, treffen sich die Armen und die Reichen, die Gesunden und die Kranken. So wird das Straßengericht Youtiao zu einer Art warmen Decke, in die sich jeder gern hüllt in dieser rasanten Stadt, in der genug nie genug ist.

    Rasant ist auch Herr Tuan mit seiner mobilen Garküche unterwegs in Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam. "Ich bin stolz auf meinen Sohn. Er kann seine Familie ernähren." Der Satz, den Normen Odenthal in Südvietnam hört, bringt es auf den Punkt. Street Food heißt dort: Kochen, um zu überleben. Herr Tuan bereitet in seiner Garküche traditionelle Nudelsuppe zu, eine Portion kostet umgerechnet 80 Cent. Für Herrn Tuan reicht das, um über die Runden zu kommen. Dafür musste er seine Heimat am Mekong-Fluss verlassen. Die Erinnerung an seine Kindheit ist wieder da, wenn er die dampfenden Nudelsuppen der Bootsfrauen probiert. Auch wenn er selbst ein Koch ist, sagt Herr Tuan: "So gut schmeckt es nur hier, so gut schmeckt Heimat."

    Nudelsuppe der anderen Art ist in Japan legendär. Ramen geht eigentlich ganz einfach. Schweinekopf und -füße über Stunden bei großer Hitze auskochen, Nudeln in die Brühe, zwei, drei Scheiben krossen Schweinebauch drauf, Frühlingszwiebel drübergestreut – fertig. Spätabends noch Halt machen, bei einem der Yatais in Fukuoka. Auf einem schmalen Hocker sitzen und die Nudeln und Brühe schlürfen. Denn genauso muss man Ramen essen, sehr heiß und sehr laut schlürfend. So hat es der Koch Thomas Reichart und Normen Odenthal jedenfalls gezeigt.

    Teil 2: Burger, Burritos und ein dicker Braten 

    Der zweite Teil führt die ZDF-Korrespondenten Normen Odenthal und Thomas Reichart einmal längs des amerikanischen Kontinents von USA über Mexiko, Kolumbien, Peru nach Argentinien. Die Reise zeigt die große Bandbreite des Street Food und startet an dessen Hotspot in Portland, Oregon.

    Nirgendwo versuchen mehr Menschen ihr Glück im Gastro-Business zu machen als in Portland. An jeder Ecke der Stadt findet man "Food-Carts", die wie kleine Wohnwagen aussehen und in denen gebrutzelt, gebacken, gebraten wird – und zwar weit mehr als nur Burger. Es ist ein Weg, sich den eigenen "American Dream" zu verwirklichen, ein Test, um später vielleicht ein Restaurant zu gründen. Mit Leidenschaft zeigen viele Köche dort kulinarischen Pioniergeist.

    Street Food an allen Ecken und zu jeder Tageszeit gibt es auch in Mexiko. Denn eigentlich essen Mexikaner immer. Dort heißen die Straßenstände "Puesto". Noch wichtiger als Essen ist Mexikanern höchstens die Familie. Und wahrscheinlich hat Viktor Navarrete, der gemütliche, runde Taco-Brater, deshalb immer ein Lächeln im Gesicht. Er hat beides um sich: Essen und Familie. Sie helfen alle mit an seinem Stand, wo es – da lässt er keine Diskussionen zu – die besten Tacos von Mexiko-Stadt gibt. Mit hauchdünnem Rindfleisch und der berühmten Salsa von seiner Frau – Geheimrezept natürlich, aber so gut, dass die Schlange mittags bis hinter die Straßenecke reicht.

    Was für eine Bilderbuchkulisse! Cartagena in Kolumbien ist eine Schönheit. Jedes Jahr kommen mehr Touristen, die Zeiten ändern sich, die Menschen suchen sich ihren neuen Platz. Wie lange können die letzten Fischer am Strand noch so weitermachen? Die Arbeit ist hart, aber etwas anderes haben die Männer nie gelernt. Die Pelikane sammeln sich um sie herum, bequemer kommen sie nicht an den leckeren Fisch. Auf dem Markt wird der Fisch gegrillt – schnell und einfach. Anderswo vielleicht eine Delikatesse, dort ein tägliches Essen der einfachen Leute.

    Manuela und Juliana setzen ganz auf die Touristen. In ihren bunten Kleidern stehen sie auf den Plätzen der Stadt, bieten frisches Obst und selbstgebackene Süßigkeiten an. Mehr Geld verdienen sie allerdings inzwischen als exotisches Fotomotiv für Touristen. Doch die Exotik hat Grenzen. Die Tradition, die sie verkörpern, ist die Erinnerung an die Sklavenzeit. Palenque, der kleine Ort nahe Cartagena, gilt als erster Ort Südamerikas, an dem die Sklaverei ein Ende nahm.

    Beladen mit der Geschichte des Landes ist auch Kaffee-Verkäufer Francisco. Er wurde vom Bürgerkrieg nach Cartagena vertrieben. Er hofft auf den neuen Friedensvertrag. Doch solange es keinen Frieden gibt, wird er weiter Kaffee anbieten, fern seiner Wurzeln.

    Die Gefahr lauert jeden Tag in den Straßen der peruanischen Stadt Lima. Trotzdem hält das Straßenköche nicht davon ab, ihre Kunst zu präsentieren. Sie bieten ein einfaches, magisches Gericht. Ceviche ist roher Fisch, gegart in Limettensaft. Dazu Aji, peruanische Pfefferschoten, Mais, Süßkartoffeln – fertig. Man isst Ceviche bei Virginia am Straßenstand in einem der gefährlicheren Viertel Limas und bei Gaston Arcurio, einem der besten Köche der Welt. Ceviche, der neue Modesnack in den Metropolen der Welt.

    In Argentinien dagegen wussten Normen Odenthal und Thomas Reichart, dass es nur um eines geht beim Essen: Fleisch, viel Fleisch. Wie Claudio, der Taxifahrer, so schlank bleiben konnte, ist ein Rätsel. Essen ist wichtig. Essen ist Spaß. Essen ist Gesellschaft. Essen ist das pralle Leben. Er zeigt uns, wo das Vieh herkommt und wo es hinkommt. Und meistens landet es eben auf dem Grill. Die Männer auf dem Viehmarkt, die Gauchos auf der Ranch, die Kumpels in der Autowerkstatt, die Taxifahrer-Kollegen – wen auch immer man mit Claudio trifft, meistens ist das Feuer schon an, das "Asado" schon angerichtet. Argentinien mag ein Land in der Dauerkrise sein, doch es hat den Menschen nicht den Appetit verdorben.

    "Es gibt kein Essen, das authentischer ist als Street-Food"
    Interview mit den Filmautoren Normen Odenthal und Thomas Reichart

    Inwiefern haben Sie über die Erkundung des Street Foods kulturelle und auch soziale Unterschiede in den von Ihnen bereisten Ländern wahrnehmen können – allein über die unterschiedliche Produktauswahl oder die gegebenenfalls unterschiedliche Qualität der mobilen Küche?

    Thomas Reichart: Es gibt kein Essen, das näher bei den Menschen und authentischer ist als Street Food. Deshalb war für uns die wichtigste Erfahrung, wie viel man über Menschen und Länder lernt, wenn man in Bangkok, Shanghai, in Lima oder Buenos Aires isst, was dort alle essen. Der Mensch ist eben, was er isst – und vor allem auch, wo. Unsere Reportage beginnt deshalb aus dem Bauch und endet hoffentlich bei neuen Erkenntnissen über Land und Leute.

    Wie mutig waren Sie denn selbst beim Probieren exotischer Speisen wie etwa Frösche, Skorpione, Insekten: Wo haben Sie beherzt zugebissen und was mundete Ihnen so gar nicht?

    Normen Odenthal: Ja, gelegentlich muss man sich leicht überwinden. Das ist zunächst mal eine Herausforderung für den Kopf. Und später dann vielleicht auch für den Magen. Insekten zum Beispiel habe ich gegessen, nachdem ich sie selbst gebraten habe. Es hilft natürlich, den Koch persönlich zu kennen.

    Können Sie Ihren Zuschauern nach den Dreharbeiten versichern: In allen Ländern kann man sich auch auf der Straße passabel ernähren, ohne zwangsläufig Verdauungsprobleme fürchten zu müssen?

    Thomas Reichart: Ganz ohne Verdauungsprobleme ging es auch bei uns nicht ab. Uns traf es vor allem in Asien. Aber das war vielleicht auch nur Pech. In Peru haben wir  sogar rohen Fisch auf der Straße gegessen. War alles ganz frisch und sehr lecker. Sonst gilt natürlich: Gekocht, gegart und gebraten ist auf der Straße immer sicherer.

    Welche Begegnung mit den von Ihnen befragten Streetfood-Köchen hat Sie besonders beeindruckt?

    Normen Odenthal: Jede einzelne Begegnung, keine Frage. Jede war anders, aber natürlich gibt es auch Parallelen. Das sind alles Menschen, die mit großer Leidenschaft kochen oder sich mit Essen beschäftigen, viele von ihnen schlichtweg, um zu überleben. Street Food in Deutschland, in Europa, das ist oft mehr ein netter Snack zwischendurch. In anderen Teilen der Welt ist dieses Essen am Straßenrand die selbstverständliche Hauptmahlzeit. Sie ernährt die Kunden ebenso wie die Köche.

    Haben Sie in Ihrem Arbeitsalltag in Peking und Singapur auch bereits vor den Dreharbeiten zu dieser Doku Street Food für die schnelle Mittagspause genutzt? 

    Thomas Reichart: In Peking machen wir das oft, am liebsten holen wir Nudeln oder chinesische Pfannkuchen. Leider tun sich die Straßenstände immer schwerer – sie passen der Stadtverwaltung nicht so recht ins gewünschte Bild und deshalb mussten viele schließen.

    Normen Odenthal: In Singapur geht es praktisch gar nicht anders: Die Singapurer essen immer und überall. Und sie erwarten deshalb auch, dass man jederzeit essen kann. Das Street Food ist allerdings vom Straßenrand in die Einkaufszentren 'gewandert'. Diese wiederum gibt es an jeder Ecke. Inzwischen hat sich der erste Garküchenbesitzer sogar einen Michelin-Stern erkocht – sein preisgekröntes Hühnchen in Soja-Soße kostet 1,30 Euro.

    Das Interview führte Thomas Hagedorn.

    Web-Special zum "Street Food"-Zweiteiler

    Zum Sendetermin der zweiteiligen ZDF-Dokumentation "Street Food" finden sich unter einem Street-Food-Web-Special weitere Infos, Videos und vieles Weitere zum Thema "mobile Küche". Dort können sich die Nutzer ebenso über alte peruanische Street-Food-Traditionen informieren wie auch über die modernen Truck-Märkte. Es werden dort Tipps zu finden sein, unter welchen Bedingungen Street Food zu genießen ist und wann man ein bisschen Vorsicht walten lassen sollte. Und ein Ernährungsexperte der FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, erklärt, wie lecker und schmackhaft Insekten sein können. Zudem bietet das Web-Special weiteren Service: vom Terminkalender für Street-Food-Märkte bis hin zu Rezepten.

    Zu den Biografien der beiden Filmautoren

    Fotohinweis

    Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/streetfood

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    Name: Thomas Hagedorn
    E-Mail: hagedorn.t@zdf.de
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