Copyright: ZDF / Jörg Kirschstein
Copyright: ZDF / Jörg Kirschstein

ZDF-History: Auguste Victoria – Deutschlands letzte Kaiserin

Ein Film von Annette von der Heyde

30 Jahre war sie deutsche Kaiserin, vor 100 Jahren starb sie im niederländischen Exil: Auguste Victoria. Öffentlich stand sie im Schatten ihres Gatten Wilhelm II., doch hinter den Kulissen nahm sie zunehmend Einfluss auf seine Entscheidungen, prägte und gestaltete das Kaiserreich mit – weit mehr als bekannt. Der Film erzählt ihren Weg von der verhöhnten Provinzprinzessin zur einflussreichen Monarchin bis zu ihrem frühen Tod am 11. April 1921.
Sunnyi Melles und ihre Tochter Leonille Wittgenstein verkörpern in den Spielszenen die Kaiserin in verschiedenen Altersstufen.

  • ZDF, Sonntag, 11. April 2021, 23.45 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Samstag, 10. April 2021, 23.45 Uhr
  • ARTE, Donnerstag, 8. April 2021, 20.15 Uhr

    Texte

    Stab und Besetzung

    ZDF: Sonntag 11. April 2021, 23.45 Uhr
    ZDFmediathek, ab Samstag, 10. April 2021, 23.45 Uhr
    ARTE, Donnerstag, 8. April 2021, 20.15 Uhr
    ZDF History: Auguste Victoria – Deutschlands letzte Kaiserin

    Buch und Regie_____Annette von der Heyde
    Kamera und szenische Regie_____Anthony Miller, Christian Baumann
    Schnitt und Animation_____Christoph Schuhmacher
    Sprecher______Isaak Dentler
    Bühnentechnik_____Benjamin Ryan
    Außenrequisite_____Doris Becker
    Kostümbild_____Jutta Kerz
    Maskenbild_____Niki Riegler
    Produktion_____Achim Seegebrecht (ZDF), Katharina Krohmann (ZDF/ARTE)
    Redaktion_____Ursula Nellessen (ZDF), Peter Allenbacher (ZDF/ARTE)
    Leitung______Michael Renz, Stefan Brauburger
    Sendelänge_____45 Minuten

    Expert*innen:
    Jörg Kirschstein, Preußenkenner und Biograf
    Prof. Dr. Lothar Machtan, Historiker
    Angelika Obert, Biografin
    Cornelia Radeke-Engst, Theologin

    Die Rollen und ihre Darsteller*innen
    Auguste Victoria____Sunnyi Melles
    Auguste Victoria (jung)_____Leonille Wittgenstein
    und andere

    Inhalt

    Für ihre Zeitgenossen war sie die ideale Frau: mustergültige Gattin, liebevoll, dem Volk eine wohltätige Landesmutter, eine imposante Erscheinung mit geschnürter Taille und Hüten wie Vogelnestern. Als Auguste Victoria am 11. April 1921 starb und aus dem holländischen Exil nach Potsdam überführt wurde, säumten über 200.000 Menschen ihren letzten Weg. 30 Jahre war sie deutsche Kaiserin eines Reichs gewesen, das mit ihr und Wilhelm II. 1918 unterging.

    Ihr Weg an die Spitze dieses Kaiserreichs war indes schwierig. Ihre Familie galt als nicht standesgemäß. Der Großvater hatte sein Fürstentum Schleswig-Holstein erst an Dänemark, dann an Preußen verloren. Doch man verkehrte weiterhin im Hochadel. Bei einem Familientreffen 1878 verliebten sich der damals 20-jährige Wilhelm von Preußen und die gleichaltrige Auguste Victoria. Bismarck war "außerordentlich überrascht", als man ihm von dem Begehren des Prinzen berichtete. Er hielt die Wahl für eines künftigen Monarchen unwürdig und verhöhnte die Auserwählte als "holsteinische Kuh". Doch Wilhelm setzte seine Wahl durch, die Hochzeit fand 1881 statt. Die Berliner Hofgesellschaft lästerte über Auguste Victoria, die Öffentlichkeit aber war begeistert von der schüchternen Prinzessin, die 1888 – nach dem überraschenden Krebstod ihres Schwiegervaters – Kaiserin wurde.

    Auguste Victoria sah sich zuallererst als leidenschaftliche Ehefrau und Mutter. Doch an der der Seite ihres sprunghaften und gelegentlich depressiven Mannes, Kaiser Wilhelm II., gewann sie zunehmend an Einfluss. Sie schirmte ihren Mann ab von liberalem Ideengut und verhinderte Reformen hin zu einer parlamentarischen Monarchie. Je mehr dem Kaiser die Fäden entglitten, desto mehr kämpfte die erzkonservative, bibelfeste Frau an seiner Seite für den Erhalt der in ihren Augen gottgewollten und -begnadeten Königsherrschaft und des dazugehörigen Gesellschaftsmodells. Daneben engagierte sie sich als Landesmutter in besonderem Maße für kirchliche Einrichtungen, karitative Vereine und Institutionen. Auguste Victoria gründete die Evangelische Frauenhilfe und startete ein gigantisches Kirchenbau-Programm. Allein in den Arbeitervierteln Berlins entstanden 66 neue Kirchen, mit Gemeindehäusern und Kindergärten. "Kirchenjuste" wurde sie deshalb spöttisch im Volksmund genannt.

    Schauspielerin Sunnyi Melles und Tochter Leonille Wittgenstein schlüpften für den Film in die Rollen der jungen und reiferen Kaiserin. Interviews mit Preußenkenner und Biograf Jörg Kirschstein, Biografin Angelika Obert, Theologin Cornelia Radeke-Engst und Historiker Lothar Machtan erklären den Kontext.

    Statements der Schauspielerinnen Sunnyi Melles und Leonille Wittgenstein

    Sunnyi Melles: "Wie schön, dass die lange unterschätzte Bedeutung der letzten deutschen Kaiserin, die unter anderem Krankenhäuser baute und soziales Engagement für Frauen ins Leben rief, in einem filmischen Porträt so ins Rampenlicht tritt. Schon bei dem Doku-Drama "Kaisersturz" war ich begeistert davon, sie spielen zu dürfen. Dass ich nun mit meiner Tochter Leonille, die der jungen Auguste Victoria Gestalt und Charakter gibt, diesen Faden noch einmal aufgreifen und weiterspinnen konnte, ist ein seltener Glücksfall."

    Leonille Wittgenstein: "Es war mir eine große Ehre, die junge letzte deutsche Kaiserin Auguste Victoria spielen zu dürfen. Die Vorbereitungen zum Dreh waren 'mega nice', weil das ganze Team von Maske, Ausstattung, Kamera und Regie so intensiv zusammengearbeitet hat. Ich habe mich sofort wohl gefühlt! Meine Mutter und ich haben uns mit dem Leben und Wirken der letzten deutschen Kaiserin auseinandergesetzt, was für uns beide eine tolle Erfahrung war."

    Zusatzinformation:
    Das Dokudrama "Kaisersturz" (88 Minuten/ 2018) über die dramatischen Wochen ab September 1918, als führende Generäle Kaiser Wilhelm II. die drohende militärische Niederlage im Ersten Weltkrieg offenbarten, ist in der ZDFmediathek verfügbar: https://www.zdf.de/dokumentation/dokumentation-sonstige/kaisersturz-100.html

    Zitate aus der Dokumentation

    Zur Erziehung von Auguste Victoria

    Angelika Obert, Theologin und Biografin: "Auguste Victoria hatte einen frommen Vater, der auf die religiöse Erziehung der Kinder großen Wert legte: Hausandacht, Tischgebet, Abendgebet. Und es gehörte auch dazu, dass man die Bibel sehr wörtlich nahm, so ein bisschen wie ein moralisches Gesetzbuch. Sätze wie "ein jeder sei Untertan der Obrigkeit" oder "die Frau sei dem Manne untertan" nahm man sozusagen als heiliges ewiges Wort.

     

    Zum Kennenlernen von Auguste Victoria und Wilhelm

    Jörg Kirschstein, Biograf: "In der Tat war es so, dass sich Wilhelm, der spätere Wilhelm II., eigentlich sofort in Auguste Victoria verguckt hat. Er fand sie sehr interessant, das ruhige Wesen und ihr Aussehen. Er war also wirklich sehr angetan."

     

    Die Anfänge von Auguste Victoria am Berliner Hof

    Angelika Obert, Biografin: "Sie galt als provinziell, weil sie in der Provinz aufgewachsen war, wurde auch mal als "Kuh" tituliert – "sanfte Kuh", "holsteinische Kuh". Das schlug ihr am Anfang entgegen und sie war wohl auch wirklich still und befangen."

     

    Auguste Victoria als junge Mutter und Ehefrau

    Angelika Obert, Biografin: "Sie brachte sechs Söhne und eine Tochter zur Welt. Das steigerte ihr Ansehen bei Hof sehr. Aber sie war eben auch eine leidenschaftliche Mutter, gerade für die kleinen Kinder. Es war für sie selbstverständlich, die Kinder zu stillen, selbst ins Bett zu bringen und auch den Kinderwagen selbst durch den Park zu fahren. Als Mutter war sie ganz bei sich und glücklich.
    Jörg Kirschstein, Biograf: "Nachdem das erste Kind kam, ein Jahr nach der Eheschließung, war Wilhelm seiner Frau schon überdrüssig geworden und hat versucht, aus diesem Eheleben zu entfliehen."
    Angelika Obert, Biografin: "Sie wollte die perfekte Gattin sein. Wenn Wilhelm meinte, du musst jetzt mal ein bisschen abnehmen, dann machte sie eine Schlankheitskur. Für ihn wollte sie perfekt sein. Sie wollte auch die perfekte Mutter sein, die jeden Abend allen sieben Kindern Gute Nacht sagt. Und dann hatte sie auch noch ihr großes karitatives Programm."

     

    Über die neue Rolle als Kaiserin

    Angelika Obert, Biografin: "Als sie Kaiserin werden muss, stöhnt sie: "Ach, wenn ich doch nur mit meinem Mann und den Kindern auf eine einsame Insel fliehen könnte!" Sie hat sich dann aber relativ schnell an den großen Prunk gewöhnt, den Wilhelm II. im Berliner Schloss entfaltete."

     

    Über kirchliches und soziales Engagement von Auguste Victoria

    Angelika Obert, Biografin: "Sie hatte als fromme und mütterliche Frau, die sie wirklich war, ein soziales Gewissen. Und wo immer ihr reale Not begegnet ist, da hat sie auch spontan geholfen. Aber sie war eine konservative Frau, und insofern war sie an einer Veränderung der sozialen Verhältnisse nicht interessiert."
    Jörg Kirschstein, Biograf: "Auguste Victoria gründete eine Säuglingsklinik mit eigenem Kuhstall. Das war ein Novum im Kaiserreich. Die Kinder wurden dann i durch diese Milch versorgt, wenn die Mütter nicht stillen konnten. Das war sowieso ein schwieriges Thema. Die meisten Mütter der Arbeiterklasse mussten nach der Entbindung sofort wieder in die Fabriken gehen(…)."
    Angelika Obert, Theologin und Biografin: "Ende des 19.Jahrhunderts hatten manche Gemeinden bis zu 100.000 Mitglieder. Die Pfarrer kamen nicht mehr hinterher. Und so startete ein gigantisches Kirchbauprogramm mit der Kaiserin als Schirmherrin. Auguste Victoria hat die Entwürfe für jede einzelne Kirche genehmigt, sie hat sich um die Finanzierung gekümmert. Sie war bei der Grundsteinlegung und bei der Einweihung dabei. Da brachte sie als besonderes Geschenk immer eine Altarbibel mit, in der sie einen Bibelspruch und ihren Namen von Hand eingetragen hatte."
    Cornelia Radeke-Engst, Theologin: "Auguste Victoria gründete die "Evangelische Frauenhilfe". Da gab es Kochkurse, es gab Krankenpflegekurse, Säuglingspflegekurse. Die Frauen wurden vielfältig unterstützt und es gehörte in der Vereinsstruktur auch dazu, dass Frauen die Bibel lasen. Das hat Frauen auf ganz besondere Weise gestärkt und später auch dazu gebracht, sich zu engagieren. Zunächst einfach im sozialen Umfeld. Doch dann entwickelte sich aus der Frauenarbeit eine politisch relevante Bewegung. Das hatte die Kaiserin auf keinen Fall im Blick gehabt."

     

    Auguste Victorias Einfluss auf den Kaiser ab 1908

    Lothar Machtan, Historiker: "In der Daily Telegraph-Affäre hat die Kaiserin intuitiv erkannt, was für eine massive Bedrohung der Machtbefugnisse im Gange war. Auguste Victoria hat darauf reagiert, indem sie ihren Mann gleichsam aus dem Verkehr gezogen hat. Sie hat ihn abgeschottet von seinem gewöhnlichen Umfeld. Und dann hat sie ihn peu a peu seelisch wiederaufgerichtet und mit Zuversicht erfüllt, so dass er dann wieder in sein normales Leben zurückkehren konnte. (…)
    Seit 1908 teilte Auguste Victoria den Kaiserthron mit ihrem Gemahl. Wobei man aber sagen muss, von ihrem Selbstverständnis her war das vielleicht nicht Politik machen, sondern sie sah es mehr als ihre moralische Pflicht, Schaden von der Dynastie und insbesondere vom Kaiser abzuwenden."

     

    Auguste Victoria und der Erste Weltkrieg

    Lothar Machtan, Historiker: "Wie viele hielt auch Auguste Victoria Krieg für ein legitimes Mittel der Politik. Sie hat, glaube ich, den Kriegsausbruch als eine Art Gottesurteil gebilligt. Und hat geglaubt, dass das Kaiserreich aufgrund der Überlegenheit der deutschen Waffen obsiegen würde. (…)
    Ehefrauen im Großen Hauptquartier – das war ein absolutes Tabu. Aber die Entourage, die Adjutanten, alle wussten, dass der Kaiser jemand brauchte, dem er sich rückhaltlos anvertrauen konnte. Deswegen durfte sich Auguste Victoria wiederholt im Großen Hauptquartier aufhalten. Ich glaube, ohne diese tätige Fürsorge hätte sich Wilhelm II. in seiner Rolle als oberster Kriegsherr nicht so lange halten können."

     

    Kriegsende und Kaisersturz 1918

    Lothar Machtan, Historiker: "Am 9. November 1918 ist für Auguste Victoria eine Welt zusammengebrochen. Sie hat immer wieder gesagt, das ist wörtliches Zitat: Sie sei fassungslos, dass Gott das zuließ. (…)
    Auguste Victoria hat es als Schande empfunden, nicht mehr mit der Aura einer Majestät öffentlich agieren zu können und öffentlich anerkannt zu werden. Das war das Hauptproblem, und ich glaube, sie war auch persönlich zutiefst beleidigt. (…)
    Auguste Victoria hatte maßgeblichen Anteil daran, dass sich der Kaiser einer echten Demokratisierung verweigert hat. Und insofern kann man, Ironie der Geschichte, durchaus davon sprechen, dass Auguste Victoria durch ihr Eingreifen letztendlich auch zum Fall der Monarchie beigetragen hat." 

    Weitere Informationen

     

    Fotos: Telefon: (06131) 70-16100 oder über https://presseportal.zdf.de/presse/zdfhistory

    Impressum

    ZDF Hauptabteilung Kommunikation
    Presse und Information
    Verantwortlich: Alexander Stock
    E-Mail: pressedesk@zdf.de
    © 2021 ZDF

    Kontakt

    Name: Dr. Birgit-Nicole Krebs
    E-Mail: presse.berlin@zdf.de
    Telefon: (030) 2099 1096