(c) ZDF und Jan Rothstein
(c) ZDF und Jan Rothstein

Unvergesslich – Unser Chor für Menschen mit Demenz

mit Annette Frier

Inwiefern kann Musik, insbesondere das Singen, die Lebensqualität von an Demenz erkrankten Menschen verbessern?

  • ZDF, ab Dienstag, 21. Juli 2020, 22.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, ab Dienstag, 14. Juli 2020, 10 Uhr

Texte

Unvergesslich – Unser Chor für Menschen mit Demenz

Kann Musik und gemeinschaftliches Singen die Lebensqualität und den Krankheitsverlauf von an Demenz erkrankten Menschen verbessern?

Im Januar 2020 startete ein ungewöhnliches Projekt. Schauspielerin Annette Frier gründete gemeinsam mit dem Chorleiter Eddi Hüneke einen Chor für Menschen mit Demenz. 

Annette treibt hierbei nicht nur die Liebe zum Singen an. Sie interessiert sich für die Menschen und deren Geschichten. Und sie geht der Frage nach, ob es möglich ist, trotz aller Einschränkungen, beim Singen wieder wache Momente des Glücks empfinden zu können.

Die Teilnehmer des Chores sind Menschen, die an Demenz erkrankt und deren Leben und Alltag stark von der Krankheit beeinflusst sind. Mit Neugierde und vielleicht auch ein bisschen Herzklopfen wagen sie sich an die neue Herausforderung. Begleitet wird das Chor-Projekt von einem wissenschaftlichen Team aus dem Bereich Altersmedizin der Goethe-Universität Frankfurt. Im Fokus der Forscher stehen allerdings nicht nur die Chorteilnehmer selbst, sondern auch deren Angehörige, deren Leben fast gleichsam durch die Krankheit Demenz geprägt sind. Die zentrale Frage der begleitenden Studie lautet: Wie wirkt sich das Singen sowie die Teilhabe an einer Gemeinschaft auf die Lebenssituation demenziell veränderter Menschen und ihrer Angehörigen aus?

Drei Monate lang werden die Teilnehmer des Chores und ihre Angehörigen auf ihrer ungewöhnlichen, emotionalen und herausfordernden Reise begleitet, von der ersten Begegnung bis zum Abschluss des Projekts und dem Ergebnis der wissenschaftlichen Studie. Annette Frier ist nicht nur selbst Teil des Chores, sie besucht die Sänger auch zu Hause und begleitet die wissenschaftlichen Tests und Untersuchungen. Wie haben sich die Menschen durch den Chor verändert? Was bleibt nach der gemeinsam verbrachten Zeit? Können ein paar unbeschwerte Stunden den Betroffenen neuen Lebensmut bringen und vielleicht sogar Freundschaften entstehen? Und wie schafft man es, der unbarmherzigen Krankheit etwas abzutrotzen, vielleicht sogar mit einem Lied auf den Lippen?

Gesangliche Unterstützung erhält der Chor durch Max Mutzke, der den Teilnehmern mit reichlich Tipps zur Seite steht und ein kleines Privatkonzert gibt. Gemeinsam mit ihrer Freundin Cordula Stratmann erlebt Annette Frier mit den Sängern und deren Angehörigen einen Kneipenabend, der beweist, dass Krankheit und Lebensfreude sich nicht ausschließen müssen.

Die weiteren drei Folgen "Unvergesslich - Unser Chor für Menschen mit Demenz" werden dienstags um 22.45 Uhr ausgestrahlt.

"Unvergesslich – Unser Chor für Menschen mit Demenz" basiert auf dem BBC-Format "Our Dementia Choir" und wurde von der Tower Productions unter der Geschäftsführung von Dietlinde Stroh produziert. Verantwortlich sind die Bereichsleiterin Factual Entertainment Miriam Schulze und Redaktionsleiterin Martina Della Giustina. Die ZDF-Redaktion liegt bei Thorsten Haas, Sarah Flasch und Damaris Sanchez-Parellada. Der Großteil der Dreharbeiten wurde vor Beginn der Corona-Krise abgeschlossen.


Die Sendetermine

Dienstag, 21. Juli 2020, 22.15 Uhr:
"Unvergesslich – Unser Chor für Menschen mit Demenz" Teil 1

Dienstag, 28. Juli 2020, 22.45 Uhr:
"Unvergesslich – Unser Chor für Menschen mit Demenz" Teil 2

Dienstag,  4. August 2020, 22.45 Uhr:
"Unvergesslich – Unser Chor für Menschen mit Demenz" Teil 3

Dienstag, 11. August 2020, 22.45 Uhr: 
"Unvergesslich – Unser Chor für Menschen mit Demenz" Teil 4


Statement von Annette Frier zum Projekt

Warum begleite ich dieses Projekt? Da aller guten Dinge bekanntlich 3 sind, möchte ich hier 2 plus1 Mal antworten, Letzteres vor dem Hintergrund der letzten drei Monate, nachdem wir das Abschlusskonzert also absagen mussten.

1.
Singen macht gute Laune und lindert Schmerzen. Es ist unmöglich, ein Lied zu schmettern und gleichzeitig in Grübeleien zu versinken. Ich habe das als Kind bei meiner Oma beobachten dürfen, diese Wahrheit hat mich nie wieder verlassen. Leute, probiert es bitte aus! Singt! Laut! Es hilft gegen alle Arten Sorgen!

2.
Die Aufgabe eines Schauspielers/ einer Schauspielerin ist es, die Dinge hinter den Dingen sichtbar zu machen, sich quasi unangezogen in die Welt zu stellen. Menschen mit Demenz tun das jeden Tag, ohne Schutzpanzer, das kann von lustig bis traurig, von schön bis hässlich alles sein in der Betrachtung, aber immer menschlich.

2. plus 1
Wir Gesunden wähnen uns sicher und stabil, wenn wir zum Beispiel auf einen Menschen mit Demenz schauen. So eine vermeintliche Schwäche scheint meilenweit weg zu sein, als wären „Wir“ ein bisschen unsterblich. So lange, bis das Leben uns eines Besseren belehrt: Alles bedingt sich, alles ist miteinander verbunden und unser vermeintlicher Panzer immer nur eine hauchdünne Membran. Um es mit der Musik zu sagen: "Lest we forget how fragile we are" (aus: Sting "Fragile")

 

Zitate der Beteiligten

Zitate Annette Frier
"Mich hat das wirklich tief beeindruckt, diese universelle Kraft von Musik."

"Meine große Hoffnung ist, dass der positive Effekt von Musik, den ich als Kind bei meiner Oma festgestellt habe, dass der wissenschaftlich bewiesen werden kann."

"Ich finde die Idee einen Chor zu gründen so reizvoll […]. Es ist keine Heilung, aber es ist Linderung. Es ist wie ein Medikament. Dieses gemeinsame Musizieren habe ich als absolute Pille empfunden."

 

Zitate Wissenschaftler/Psychologen:

Dipl.-Psych., M.A. Arthur Schall: "Wer sind die größten Experten für Menschen mit Demenz? Das sind nicht die Ärzte, das sind nicht die Psychologen. Das sind Angehörige."

Dipl.-Psych., M.A. Arthur Schall: "Ganz wichtig ist bei diesem Projekt, dass sie spüren, sie sind nicht allein. Es gibt viele wie sie. Sie fühlen sich akzeptiert, sie fühlen sich wertgeschätzt und sie bemerken, es ist doch nicht alles schlecht."

Prof. David Poeppel: "Eines der faszinierenden Teile von Musik ist, dass es so eine enge Verbindung an Erinnerungen hat."

Prof. Dr. med. Johannes Pantel: "Wir sind zuversichtlich, dass wir jetzt durch dieses Projekt den Menschen wirklich etwas geben können. Eine positive emotionale Erfahrung, die ihre Lebensqualität zum Beispiel verändern kann."

 

Zitate Demenzkranke & Angehörige

Renate, 65 - Ehefrau des demenzkranken Bruno: "Es löst sich ja nicht nur ein Ich auf, es löst sich ein Wir auf."

Beni, 62: (nach der ersten Chorprobe) "Ich bin überrascht und ich komme gerne wieder. Das ist wirklich toll. Endlich wird mal was gemacht für uns."

Rita, 89: "Manchmal denke ich, der Verlust von Erinnerungen ist auch eine Form von Armut."

Beni, 62: "Ich habe eigentlich gedacht, das war´s. Jetzt ist dein Leben vorbei. Und dann habe ich aber gesagt: Nein, ich will leben!"

Rolf,53 - Ehemann des demenzkranken Beni: "Es hat mal jemand gesagt, das Herz wird nicht dement."

Beni, 62: "Wer singt, der lebt."

Kerstin, 40, Tochter des demenzkranken Martin: "Die Krankheit ist manchmal schon schwierig, wenn man denjenigen dann doch verliert. Aber das ist dann schön, wenn der alte Papa wieder zum Vorschein kommt durch die Musik."

Renate, 65, Ehefrau des demenzkranken Bruno: "Zu sehen, wie intensiv und positiv die Wirkung ist, macht natürlich riesen Freude. Jede Woche wieder die neue Freude auf die nächsten Proben, auf das Wiedersehen mit Allen. Das inspiriert."

Josef, 71: "Das berührt meine Seele. Ohne Musik wäre das Leben nicht schön."

Josef, 71: "Singen ist für mich eine Therapie und holt mich wieder auf die richtige Stelle, wo ich hingehöre."

Paul, 79, Ehemann der demenzkranken Gisela: "Ganz toll. Sie geht richtig auf in dem Chor. Man merkt, es macht ihr Spaß."

Beni, 62: "Man kann sich austauschen und das tut auch gut. Man merkt, man ist nicht alleine auf der Welt."

Hans, 82, Ehemann von Rita: "Man fühlt sich schon […] als eine große Familie, die traurig ist, wenn sie wieder auseinandergeht."

Rolf-Dieter, 81: "Wenn man singt, ist man befreit. Da denkt man nicht an die Probleme den ganzen Tag."

Beni, 62: "Ich habe gemerkt, dass viele die Demenz haben, nicht mehr unter die Leute gehen. Ich finde, das ist genau das Falsche. Ich sage immer wieder: Geht raus! Die Menschen sind viel besser, als wir meinen. Man muss auf die Leute zu gehen und die Zeit nutzen, die wir noch haben."


Info zu Eddi Hüneke

Eddi Hüneke war Gründungsmitglied der Wise Guys, gewann zahlreiche Preise und spielte mehr als 3.000 Konzerte. Nach dem Ende der Band startet er 2017 als Solokünstler durch. Parallel ist er leidenschaftlicher Chor-Coach - und freut sich, auch die Sängerinnen und Sänger dieses ganz besonderen Chors für das Singen begeistern zu dürfen.


Fotos

Fotos sind erhältlich über die ZDF Presse und Information
Telefon: 06131 - 70-16100
und unter https://presseportal.zdf.de/presse/unvergesslich

 

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