Ein Jahr lang wurde an der Berliner Gedächtniskirche mit einem improvisierten Kerzenmeer an den Anschlag erinnert. Foto: ZDF/Carsten Behrendt
Ein Jahr lang wurde an der Berliner Gedächtniskirche mit einem improvisierten Kerzenmeer an den Anschlag erinnert. Foto: ZDF/Carsten Behrendt

Berlin Breitscheidplatz – Leben nach dem Attentat

Der Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz hat ein Jahr nach dem schwersten islamistischen Anschlag in Deutschland wieder geöffnet. Wie für die Hinterbliebenen der Opfer das "Leben nach dem Attentat" weiterging, schildert am Sonntag, 17. Dezember 2017, 23.30 Uhr im ZDF und am Montag, 18. Dezember 2017, 20.15 Uhr, in ZDFinfo die Dokumentation von Carsten Behrendt. Der ZDF-Reporter hat Betroffene und Angehörige der Opfer in den vergangenen Monaten begleitet. Am Montag, 18. Dezember 2017, 22.30 Uhr ist in ZDFinfo auch die "Frontal 21"-Dokumentation "Die Akte Anis Amri – Der Terrorist und die Fehler der Fahnder" zu sehen.

  • ZDF, Sonntag, 17. Dezember 2017, 23.30 Uhr
  • ZDF info, Montag, 18. Dezember 2017, 20.15 Uhr und 22.30 Uhr

    Texte

    Sendetermin und Stab

    Sonntag, 17. Dezember 2017, 23.30 Uhr, ZDF
    Montag, 18. Dezember 2017, 20.15 Uhr, ZDFinfo

    Berlin Breitscheidplatz – Leben nach dem Attentat

    Film von Carsten Behrendt

    Produktion: ZDF
    Redaktion: Susanne von Oertzen
    Länge: ca. 45 Minuten

     

    Montag, 18. Dezember 2017, 22.30 Uhr, ZDFinfo

    Die Akte Anis Amri – Der Terrorist und die Fehler der Fahnder

    Film von Arndt Ginzel und Ulrich Stoll

    Kamera: Gerald Gerber, Wolfgang Lindig
    Produktion: Martin Kraushaar
    Redaktion: Christian Rohde
    Länge: ca. 45 Minuten

    Berlin Breitscheidplatz – Leben nach dem Attentat

    Am 19. Dezember 2016 um 20.04 Uhr raste ein Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz. Zwölf Menschen starben, mehr als 60 wurden verletzt.

    Nach dem ersten Schock hat sich die Welt weitergedreht. Für eine kleine Gruppe jedoch steht sie noch immer still. Es sind die Hinterbliebenen der Anschlagsopfer. Sie treffen sich regelmäßig und helfen sich gegenseitig auf dem Weg zurück in den Alltag.

    Der Film begleitet die Angehörigen der Opfer vom Breitscheidplatz auf ihrem Weg – bis zum ersten Jahrestag des Anschlags.

    Die Akte Anis Amri: "Frontal 21"-Doku im ZDF

    Der Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz hat ein Jahr nach dem schwersten islamistischen Anschlag in Deutschland wieder geöffnet. Wie der Tunesier Anis Amri am 19. Dezember des vergangenen Jahres den Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz planen und ausführen konnte, obwohl Geheimdienste und Polizeibehörden ihn auf dem Schirm hatten – das zeigt am Dienstag, 5. Dezember 2017, 21.00 Uhr die "Frontal 21"-Dokumentation „Die Akte Anis Amri – Der Terrorist und die Fehler der Fahnder“. Der Film von Arndt Ginzel und Ulrich Stoll zeichnet Amris Weg von Tunesien über Italien nach Deutschland nach.

    Die Autoren befragten Angehörige und Bekannte Amris, Ermittler, Zeugen und Überlebende des Terroranschlags, sichteten zehntausende Seiten Ermittlungsakten. Ihre Bilanz: Behördenchaos verhinderte, dass der Islamist Amri rechtzeitig gestoppt wurde. "Der Anschlag vom 19. Dezember 2016 hätte verhindert werden können und verhindert werden müssen", ist Hans Christian Ströbele von Bündnis 90/Die Grünen und langjähriges Mitglied des Parlamentarischen Geheimdienst-Kontrollgremiums überzeugt.

    Der Film zeichnet den Weg des späteren Attentäters von seiner Heimatstadt in Tunesien bis zum Tag des Anschlags in Berlin detailliert nach. Der Bruder Amris und Mithäftlinge aus Italien beschreiben, wie und warum sich Amri radikalisierte. Die Autoren konnten tausende Seiten interne Ermittlungsakten einsehen und auswerten. Sie stoßen auf Widersprüche, Fehleinschätzung und Vertuschungsversuche der Behörden. Sie rekonstruieren, dass frühe Warnungen vor dem späteren Attentäter nicht ernst genommen wurden. Zum Beispiel die eines syrischen Flüchtlings, der mit Amri zusammen in einem Flüchtlingsheim wohnte. Selbst Hinweise des marokkanischen Geheimdienstes blieben folgenlos.

    Im Film kommen Überlebende des Anschlags zu Wort, die bis heute nicht verstehen können, warum die deutschen Sicherheitsbehörden den Mörder Anis Amri nicht stoppten.

    Vom Leben nach dem Attentat
    Bericht von ZDF-Reporter Carsten Behrendt

    Wie dreht man einen Film über und mit den Überlebenden eines Attentats? Carsten Behrendt hat Betroffene und Angehörige des Anschlags vom Breitscheidplatz begleitet:

    Heike lebt, Klaus ist tot. Jetzt steht Heike im Haus von Klaus’ Tochter am Stadtrand von Berlin – im Wohnzimmer vor der großen Diele. Zehn Monate hat sie für diesen Schritt gebraucht. Hinter ihr stapeln sich die Beileidskarten für Klaus. Seine Tochter hat die Erinnerungen gesammelt und aufgestellt – Heike hat sie noch nie gesehen. Die beiden Frauen schweigen, weinen, nehmen sich in den Arm, vergraben ihre Gesichter gegenseitig in ihren Strickjacken. Klaus lächelt von oben herab – vom Foto auf dem Schrank. Weiße, strubbelige Haare, offenes Lächeln, 66 Jahre alt. Heike ist 55, sie wollten reisen, Heike beruflich kürzer treten. Doch dann kam der Anschlag. Dieser Lastwagen, der Klaus in den Tod riss und Heike ihr bisheriges Leben nahm.

    Diese Szene gibt einen Einblick in meine Erlebnisse in den vergangenen Monaten. Ausgangspunkt: das Attentat in Berlin auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016. Ich war direkt nach dem Anschlag als Live-Reporter für das ZDF im Einsatz. Während ich im "heute-journal" berichtete, rangen wenige Meter entfernt Menschen um ihr Leben. Zwölf von ihnen haben nicht überlebt. Danach die Frage, wie es den Betroffenen, den Hinterbliebenen geht. Ungewöhnlich still war es um sie in den ersten Wochen. Niemand meldete sich öffentlich. Aber wir wollten auch die Angehörigen zu Wort kommen lassen. Doch wo waren sie? Es wurde eine langwierige und schwierige Recherche, bei der ich behutsam vorgehen wollte. Als gebürtiger Berliner weiß man, dass auch die Hauptstadt ein großes Dorf sein kann. Immer wieder hörte ich aus dem Bekanntenkreis von Menschen, die verletzt worden sind. Doch jede Bitte um Kontaktaufnahme verlief im Sande. Auch Nachfragen bei Anwälten, Seelsorgern und Hilfsorganisationen und selbst ein Studiogespräch im ZDF-Vormittagsmagazin "Volle Kanne" brachten keinen Erfolg.

    Einen Monat nach dem Anschlag besuchte ich einen Erinnerungsgottesdienst in der Gedächtniskirche. Ich wollte nach den aufwühlenden Erlebnissen selbst zur Ruhe kommen. Beim Herausgehen lief ich neben einer weinenden Frau, gestützt von einem Freund. Ich habe es nicht übers Herz gebracht, ihr in diesem Zustand meine Visitenkarte zu geben.
     
    Drei Monate nach dem Anschlag sprach eine Hinterbliebene erstmals vor einer Kamera – auf einem anderen Sender. Ich nahm Kontakt auf, und wir trafen uns auf neutralem Boden. Es war das erste Gespräch mit Astrid Passin. Ich erinnerte mich: Sie war die Frau, die ich weinend in der Kirche gesehen hatte. In ihrem Wohnzimmer würde sich später die beschriebene Szene mit Heike abspielen. Bis dahin war es noch ein langer Weg. Telefonate, Text-Nachrichten, keine Kamera. Schließlich ein erster Beitrag im "heute-journal".

    Nach einem Treffen bei Bundespräsident Gauck hatten sich die Angehörigen vernetzt. Nach und nach lernte ich weitere kennen. Ich baute Kontakte auf und konnte bei einem Angehörigentreffen filmen, danach auch andere Hinterbliebenen in ihrem Alltag begleiten. Immer allein, immer als Videojournalist. Meine Protagonisten wollten keinen großen Trubel um sich herum. Ich begann zu sammeln. Für einen Film zum ersten Jahrestag des Anschlags, der aus dem besteht, was die Hinterbliebenen zulassen.

    Insgesamt fünf Protagonisten kommen in der Doku zu Wort. Jede und jeder hat in den letzten Monaten viel durchgemacht. Und jeder hat eine Strategie gefunden, den Verlust der Frau, des Sohnes, der Mutter auf seine Weise zu verarbeiten. Die eine mit dem Willen zur Aufklärung, der andere mit Verdrängung, Wut im Bauch oder dem Wunsch nach Versöhnung. 

    Am Anschlag
    Bericht von Carsten Behrendt aus dem Januar 2017

    Carsten Behrendt konnte dank einer "Aktentaschen-SNG" nach dem Attentat auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche live vor Ort berichten. Er beschreibt die Chronologie des Abends, die Folgetage – und die unwirkliche Stille, die über allem lag.

    Stille. Keine Sirenen, keine Schreie, keine Panik. Ich sehe Sanitäter, die Menschen in Krankenwagen laden. Einer fährt weg, der nächste rückt nach. Es wirkt verstörend geordnet und routiniert. Wenige Minuten, nachdem der islamistische Terror meine Heimatstadt getroffen hat.

    Der Tag X hat für uns nach einem normalen Arbeitstag begonnen. Ich war gerade zu Hause angekommen, wollte mein Fahrrad abstellen, als Studioleiterin Bettina Warken anrief. Es war halb neun. Ein Lkw-Unfall auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz.Die innere Alarmglocke sprang an. Noch gut eine Stunde bis zum "heute-journal". Schnell umziehen, der Familie "Hallo" und "Tschüss" sagen und ins Taxi Richtung Zoo.

    Unser Kameramann Klaus Kabelitz gibt durch, dass er mit dem Auto bis zum Bahnhof durchgekommen sei. Um Punkt 21 Uhr treffen wir uns an der ersten Absperrung. Ein paar Kamerateams, Fotografen, Printkollegen stehen dort. Eine Polizeibeamtin führt uns überraschend nah ans Geschehen heran. Am Zoo Palast vorbei, bis wir den Lastwagen gut sehen können. Etwa 150 Meter vor uns, die schwarze Zugmaschine quer auf der Straße. Vor der Stoßstange ein ramponierter Weihnachtsbaum. Der silberschwarze Anhänger ragt in ein breites Loch inmitten der Weihnachtsmarktbuden.

    Im Taxi hatte ich noch an unseren Ausbilder aus dem Kriegs- und Krisenseminar denken müssen: "Ein Anschlag kommt selten allein." Jetzt, um halb zehn, stehen der Regierende Bürgermeister und der Innensenator vor uns. Dann sollte es hier sicher sein. Hoffentlich.

    21.45 Uhr, das "heute-journal" beginnt. Doch der LiveU-Rucksack ist nicht da. Via Mobilfunk können wir damit von fast überall schnell auf den Sender kommen. Aber ausgerechnet an diesem Abend ist der Berliner Rucksack nicht in der Stadt. Wir improvisieren: Unser Cutter Hape Conrad hat sich mit seinem Laptop durch die immer schärferen Absperrungen gekämpft, klemmt ihn an die Kamera. Doch das Bild ist unsendbar.

    Marietta Slomka meldet sich, wir schalten übers Telefon. Ich beschreibe, was ich sehe. Gebe nur das weiter, was ich sicher weiß. Keine Spekulation, kein Wettlauf um die Anzahl Toter und Verletzter. So hatte ich mir das vorgenommen. Etliche Male hatte ich das für mich durchgespielt. Nach London, Paris, Brüssel, München, Nizza. Seit Jahren habe ich fast immer eine kleine Notfallausrüstung dabei. Mit Handys, Ladegeräten, Mikrofon und Selfiestick. Diese "Aktentaschen-SNG" hat uns gerettet. Unser Satelliten-Wagen musste auf der anderen Seite der Absperrungen am Aquarium parken. Zunächst unerreichbar und zu weit weg vom Geschehen. Alle Live-Schalten kamen an diesem Abend über eine iPhone-App, die restlichen Bilder und Interviews fuhren Fahrradkuriere ins Hauptstadtstudio.

    Die Stille nach dem Anschlag wurde erst am folgenden Tag durchbrochen. Ohrenbetäubend laut schlugen die Glocken der Gedächtniskirche für den ersten Gedenkgottesdienst. Zuvor hatten wir in unzähligen Schalten vom Breitscheidplatz berichtet und gezeigt, wie neben unserer Kamera ein Meer aus Kerzen und Blumen herangewachsen war. Viele Menschen kamen zusammen: Berliner und Besucher, Muslime und Christen. Neuköllner, Marzahner, Reinickendorfer. Gemeinsam gegen die Angst und gemeinsam für die Stadt.

    Genau einen Monat später sind wir zurück, filmen für die "Drehscheibe" in der Gedächtniskirche. Der Pfarrer blättert durch das Kondolenzbuch. Hunderte Seiten, eng beschrieben. Mitgefühl aus aller Welt. Draußen fegt der Eiswind über den leeren Breitscheidplatz. Der Verkehr rollt, die Buden sind verschwunden. Ein Stück Zaun mit dem Logo des Weihnachtsmarkts ist zur improvisierten Gedenkstätte geworden. Wir blicken auf ein Meer aus verwelkten Blumen und erloschenen Kerzen. Und wieder wirkt alles ganz still.

    Infos zu ZDFinfo

    Zum Programm-Portfolio von ZDFinfo gehört alles, was mit Wissen zu tun hat. ZDFinfo bietet Wissensvermittlung jeder Art. Der Digitalsender mit hochwertigen Dokumentationen aus den Themenfeldern Politik, Zeitgeschichte, Wissen und Service profitiert von seinem stetig wachsenden Programmangebot: Pro Monat starten bis zu 50 neue ZDFinfo-Dokus.

    ZDFinfo erzielte im Monat November 2017 einen Marktanteil von 1,3 Prozent bei den Zuschauern gesamt und 1,3 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Im Gesamtjahr 2016 legte der Digitalsender gegenüber 2015 um 0,2 Prozent zu. Der Sender erreichte sowohl bei den Zuschauern gesamt als auch in der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen einen Marktanteil von 1,2 Prozent. Im Jahr 2015 erreichte ZDFinfo 1,1 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen und 1,0 Prozent bei den Zuschauern gesamt. 2014 lag der Marktanteil beim Gesamtpublikum und der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen bei 0,9 Prozent. Beim Start 2011 hatte ZDFinfo lediglich 0,1 Prozent Marktanteil und ist seitdem kontinuierlich gewachsen.

    ZDF-Chefredakteur Peter Frey: "ZDFinfo ist gemeinsam mit ZDFneo für die Zukunft der ZDF-Familie von entscheidender Bedeutung. Mit seinen herausragenden Dokumentationen erreicht der Sender ein junges Publikum, das sonst nur wenig öffentlich-rechtliche Programme schaut."

    ZDFinfo-Chef Robert Bachem: "Im Laufe der vergangenen sechs Jahre hat sich eindeutig herausgestellt, dass die Zuschauer von uns Dokumentationen rund um die Uhr erwarten. Die Menschen, die uns einschalten, suchen Informationen, Wissen, Geschichte. Und genau das bieten wir mit unseren Dokumentationen über lange thematische Strecken."  

    Fotohinweis

    Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/breitscheidplatz

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