Stalins Elite-Kämpferinnen

Doku über Pilotinnen der Roten Armee

Der sowjetische Diktator Josef Stalin schickte im Zweiten Weltkrieg junge Pilotinnen im Kampf gegen die deutsche Wehrmacht an die Front. Die berühmtesten Fliegerinnen der Roten Armee gehörten zum 588. Nachtbomberregiment – von den deutschen Soldaten wurden sie die "Nachthexen" genannt. In der ZDFinfo-Dokumentation erinnern sich einige von ihnen, heute hochbetagt, an ihr Leben an der Front. Diese weiblichen Kriegsgeschichten werden mit Ausschnitten aus Wehrmachts- und Spielfilmszenen erzählt, die erstmals im deutschen Fernsehen zu sehen sind.

  • ZDF info, Dienstag, 15. Dezember 2015, 19.30 Uhr

    Texte

    Sendetermine und Stab

    Dienstag, 15. Dezember 2015, 19.30 Uhr, ZDFinfo
    Dienstag, 22. Dezember 2015, 13.30 Uhr, ZDFinfo

    Stalins Elite-Kämpferinnen

    Film von Harriet Kloss und Markus Thöß

    Kamera: Sergey Shoulga
    Produktion: Medea-Film
    Produzent: Irene Höfer, Andreas Schroth
    Redaktion: Martina Schindelka, Susanne Krause-Klinck

    Stalins Elite-Kämpferinnen 

    Krieg ist Männersache. Doch immer mehr Frauen haben daran teil. Kämpferinnen, Befehlshaberinnen und Politikerinnen greifen immer öfter ins Geschehen ein. Die Dokumentation "Stalins Elite-Kämpferinnen" zeigt, dass das nichts Neues ist. Der Krieg hatte schon immer eine weibliche Seite. In der Roten Armee war die Frau nicht Opfer, sondern Kämpferin. Eine besondere Rolle nahmen dabei die russischen Kampfpilotinnen und die Partisanen-Kämpferinnen ein.

    Viele von ihnen sind heute "Heldinnen der Sowjetunion". Wie kamen die Frauen im Großen Vaterländischen Krieg in diese Rolle? Wer fällte die Entscheidungen und wer waren die entscheidenden Figuren? Was erlebten die teils erst 17 oder 18 Jahre alten Mädchen und warum meldeten sie sich zum Kampf? Welche Ambivalenzen und Dynamiken entstanden im Kriegseinsatz? Welche Machtstrategien setzten sich durch? Und waren die Elitekämpferinnen im Krieg danach die großen Verliererinnen? Wie veränderten Gewalt und Kriegsalltag auch die Frauen?

    Der Film beantwortet diese Fragen, indem er die Geschichten von zwei noch lebenden "Nachthexen"-Bomberpilotinnen des 588. Luftwaffen-Geschwaders erzählt. Zudem rückt er die Geschichte der Partisanin Jelena Masanik in den Blick, die 1943 den NS-Gauleiter Wilhelm Kube tötete.

    Von weiblichen Kriegsgeschichten und historischen Filmausschnitten

    "Unter unser Flugzeug wurde eine Bombe geschnallt. Hinter den feindlichen Linien hat die Co-Pilotin dann mit einem Stock die Halterung gelöst und die Bomben sind zu Boden geschnellt auf den Feind. Das war’s." Der Feind – das war für die russische Pilotin Irina Rakobolskaja 1942 die Deutsche Wehrmacht. Die damals 21-jährige Physikstudentin gehörte zum 588. Nachtbomberregiment, das bis Kriegsende mehr als 23.000 Einsätzen flog und über 100.00 Bomben abwarf. Die deutschen Soldaten nannten die gefürchteten Fliegerinnen der Roten Armee nur die "Nachthexen".

    Andere Elite-Kämpferinnen setzten sich am Boden für ihr Vaterland ein. Allein in Weißrussland soll es 375.000 Partisanen gegeben haben. Jelena Masanik war eine von ihnen. Sie wurde Haushaltshilfe bei der Familie des Generalkommissars für Weißrussland in Minsk, Wilhelm Kube. Die 28jährige erschlich sich das Vertrauen der Kubes und kam dem Generalkommissar als Geliebte sehr nahe. Es gelang der Partisanin, eine Haltemine unter dem Bett von Wilhelm Kube zu befestigen, die den deutschen Besatzer tötete.

    Die ZDFinfo-Dokumentation erzählt diese weiblichen Kriegsgeschichten. Zum ersten Mal im deutschen Fernsehen sind Ausschnitte aus Wehrmachtsfilmen aus Weißrussland zu sehen, die die Rote Armee erbeutete, und Spielfilmszenen der in Russland und der Ukraine erfolgreichen TV-Serien "Die Nachthexen" (2012) sowie "Jagd auf den Gauleiter" (2013).

    Die meisten der Elite-Kämpferinnen haben ihre Familie durch die Deutschen verloren. Für ZDFinfo berichten die hochbetagten Frauen noch einmal über ihr Leben an der Front. Von ihrer Kameradschaft, aber auch ihrer Todesangst und Einsamkeit.

    Nach dem Angriff der Deutschen auf die Sowjetunion 1941 hatten sich über eine Million Frauen freiwillig zum Dienst in der Roten Armee und bei den Partisanen gemeldet. Die Sowjetunion schickte als erste Nation Pilotinnen an die Front. Der Diktator Josef Stalin bildete drei Frauengeschwader. Am gefürchtetsten waren die "Nachthexen" des 588. Fliegerregiments. Die Nachthexen schlugen zu, sobald es dunkel war.

    Sie flogen in der Polikarpow 2, genannt Podwa. Ein kleiner Doppeldecker aus Holz ohne Funktechnik und ohne Bremsen. Die Maschinen näherten sich dem Feind fast lautlos, flogen sehr tief und gaben erst wieder Gas, wenn die Bomben gelöst waren. 34 der insgesamt fast 140 Pilotinnen stürzten bei ihrem Einsatz ab.

    Die Dokumentation zeichnet nach, wie junge Frauen den Männern gesellschaftlich nacheiferten. Seit 1922 waren sie den Männern per Gesetz gleichgestellt. Für viele Frauen bedeutete es deshalb eine große Ehre, von Stalin in den Krieg geschickt zu werden. "Am Anfang kämpften wir Frauen für das Recht ein eigenständiges Regiment zu haben. Dann erhielten wir das Recht zu kämpfen. Neidisch sah man auf uns. Aber wir hatten erreicht, dass wir im Kampf gleichwertig waren. Dadurch haben wir bewiesen, würdig zu sein in die höchsten Ränge der Frontkämpfer aufzusteigen", schrieb die Pilotin Galina Dokutowitsch 1943 in ihr Tagebuch. Der Diktator Josef Stalin zeichnete 26 der jungen Frauen als "Heldinnen der Sowjetunion" aus.

    Nach dem Krieg wurde es still um Stalins Elite-Kämpferinnen. Sie zogen sich ins Privatleben zurück. "Es setzte sich das Bild durch, dass Frauen vorrangig mit den Offizieren ins Bett gegangen wären. Dass sie Ehemänner an der Front gesucht hätten", so die Historikerin Kerstin Bischl von der Berliner Humboldt-Universität.

    Mit dem Grauen, das die Elite-Kämpferinnen an der Front erlebten, dem Verlust der Kameradinnen und der Sehnsucht nach Zuwendung und Zuhause blieben die Elite-Kämpferinnen meistens allein. In der einsatzfreien Zeit versuchten die Fliegerinnen sich abzulenken. Sie bemühten sich um ein wenig Normalität in ihrem Kriegsalltag. Sie sangen gemeinsam oder verrichteten Handarbeiten. Als die jungen Frauen an die Front aufgebrochen waren, hatten sie nicht geahnt, wie sie dieses Leben verändern würde. Nachdenklich stellt Irina Rakobolskaja im ZDF-Interview fest: "Ich habe nach dem Krieg nie wieder gestickt."

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    Am 5. September 2011 vollzog ZDFinfo seinen Neustart mit der crossmedialen Ausrichtung auf die Themenfelder Zeitgeschichte, Politik, Wissen und Service. Seitdem steigerte das neuprofilierte Angebot seinen Marktanteil kontinuierlich – auf mittlerweile ein Prozent. Der junge und erfolgreiche Digitalsender legt seinen Schwerpunkt auf zeitgeschichtliche Dokumentationen und bietet seinem Publikum die nachgefragten Hardfacts auf allen verfügba­ren Wegen an – über das Fernsehprogramm ebenso wie über on­line und Social Media. ZDFinfo, vor bald vier Jahren als "Fernse­hen zum Mitreden" neu durchgestartet, schlägt mit dieser konse­quenten crossmedialen Ausrichtung den Weg zum "betreuten Fernsehen" ein. 

    Im Monat Oktober 2015 hat ZDFinfo 1,1 Prozent Marktanteil im Gesamtpublikum erzielt und 1,1 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen. Im Digitalmarkt ist ZDFinfo bei den jüngeren Zuschauern der erfolgreichste öffentlich-rechtliche Digitalkanal. Täglich schalteten 2,69 Mil­lionen Zuschauer das Programm mit Fokus auf Zeitgeschichte, Politik, Wissen und Service ein.

    Künftig will ZDFinfo parallel zu seinen Sendungen verstärkt auf die Social-Media-Kommunikation setzen. Die Zuschauer sollen sich vor, während oder im Anschluss an Fernsehprogramme des Digi­talkanals in sozialen Netzwerken oder entsprechenden Plattfor­men über die Programminhalte informieren und austauschen kön­nen.

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