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Das goldene Ufer

Historischer Liebesfilm

Nach dem Bestseller von Iny Lorentz: Der historische Liebesfilm erzählt das Schicksal zweier junger Menschen in der Zeit des deutschen Vormärz. Regisseur Christoph Schrewe inszenierte ein Star-Ensemble mit aufwändigem Kostüm- und Produktionsdesign: Neben Miriam Stein, Volker Bruch, Ulrike Folkerts und Walter Sittler sind Trystan Pütter, Hans-Peter Hallwachs, Michael Mendl und andere zu sehen.

  • ZDF, Sonntag, 5. April 2015, 20.15 Uhr

Texte

Persönliche Freiheit als fernes Ideal

Wir zeigen am Ostersonntag 2015 einen historischen Liebesfilm, der im deutschen Vormärz verortet ist. Ein kleines Gut im Königreich Hannover im Jahr 1825 steht hier beispielhaft für das Leben in einem Gefüge aus winzigen Stadtstaaten und kleinen Königreichen, in denen persönliche Freiheit noch das ferne Ideal einer kleinen Gruppe junger Leute war.

"Das goldene Ufer" erzählt die Geschichte von Gisela und Walther, die als Waisenkinder vom Gutsherrn aufgenommen wurden und sich seitdem als Magd und Knecht verdingen – ohne Chance, sich in ihrem Leben so etwas wie Selbstbestimmung erarbeiten zu können. Doch selbst auf Gut Rennitz erreicht sie eine Ahnung von den Gedanken der Studenten, die in Hinterzimmern über eine andere Gesellschaft sprechen; und hin und wieder sogar von dem fernen Land "Amerika", in dem man angeblich so viel mehr sein kann als das, was der Geburtsstand für einen Menschen vorsieht.

Miriam Stein und Volker Bruch portraitieren Gisela und Walther mit Idealismus und einer Energie, die mitreißt. Ulrike Folkerts und Walter Sittler als Gräfin und Graf von Rennitz geben Einblick in die Oberschicht und schaffen es, aus ihren Figuren keine reinen Antagonisten zu machen – sondern komplexe Menschen, die ebenso den gesellschaftlichen Normen unterworfen sind wie ihre Untergebenen. Wir freuen uns über dieses großartige Ensemble!

Die Autoren Benjamin Hessler und Florian Oeller haben aus dem Bestseller-Roman von Iny Lorentz ein scharfes und differenziertes Drehbuch entwickelt, das sowohl den historischen Wahrheiten als auch dem Unterhaltungspotenzial der Geschichte gerecht wird. Christoph Schrewe hat mit seiner freudigen und sinnlichen Inszenierung beide Aspekte der Geschichte herausgekitzelt, und die Welt auf Gut Rennitz trotz aller Hürden mit einem Star-Ensemble und aufwändigem Kostüm- und Produktionsdesign zu einer gemacht, die ihre Reize hat.

Nun hoffen wir, dass wir unseren Zuschauerinnen und Zuschauern ein Erlebnis anbieten können, das die Freude an einer im Fernsehen bisher kaum erzählten historischen Epoche entfacht.

Anna Bütow
Hauptredaktion Fernsehfilm/Serie II

Stab, Besetzung, Inhalt

Historischer Liebesfilm
nach einem Roman von Iny Lorentz

 

BuchBenjamin Hessler, Florian Oeller
RegieChristoph Schrewe
KameraMathias Neumann
SzenenbildJana Karen
KostümSergio Ballo
MusikMarcel Barsotti
ProduzentenAndreas Bareiss, Sven Burgemeister
RedaktionHeike Hempel, Anna Bütow
Längeca. 104 Min.

Eine Andreas Bareiss Produktion der TV60Film im Auftrag des ZDF.

 

Die Rollen und ihre Darsteller

Gisela FürnagelMiriam Stein
Walther FichtnerVolker Bruch
Diebold von RennitzTrystan Pütter
MathiasHans Peter Hallwachs
Heinrich von RennitzWalter Sittler
Elfreda von RennitzUlrike Folkerts
RichardOliver Stritzel
SenneisenRolf Kanies
Graf von GehlenMichael Mendl
Heinrich HeineVladimir Burlakov
und andere

 

Vormärz in Deutschland: Gisela und Walther, eine Magd und ein Knecht – eine vorgezeichnete Lebensbahn, gegen die Gisela aufbegehrt. Ihr freidenkender Geist bringt sie in höchste Gefahr. Wird Walther ihren gefährlichen Weg mitgehen?

Es ist das Jahr 1825 auf dem Gut der Grafenfamilie von Rennitz im Königreich Hannover: Die adelige Vorherrschaft sieht schweren Zeiten entgegen, die politische Aufklärung und der bürgerliche Ruf nach Chancengleichheit stehen vor der Tür.

Nach wie vor gelten dennoch die Regeln von Oben und Unten, von adligem Geburtsrecht und lebenslanger Knechtschaft. Und inmitten dieser Verhältnisse begehrt die Jugend auf.

Gisela und Walther, die vor zehn Jahren als Waisenkinder nach Gut Rennitz kamen, verdingen sich dort inzwischen als Hausmagd und Knecht. Doch Gisela weiß, dass das Leben mehr zu bieten haben muss als einen Tag ohne Demütigungen durch Gräfin Elfreda von Rennitz und die Hoffnung auf einen zweiten Sack Stroh zum Schlafen. Sie glaubt an ein Recht auf Glück und Selbstbestimmung und versucht unter Einsatz ihres eigenen Lebens, einem verfolgten Knecht zu helfen, der aus Hunger einen Laib Brot gestohlen hat. Walther dagegen bekommt die Chance, im bestehenden System aufzusteigen: Als Graf von Rennitz erkennen muss, dass der Adel nicht mehr wie selbstverständlich privilegiert behandelt wird, versieht er Walther mit einer neuen Aufgabe und schickt ihn zu Vertragsverhandlungen auf die Holzmesse nach Göttingen – sehr zum Unmut seines Sohnes Diebold, der im Wetteifern um die Gunst des Vaters einen heimtückischen Plan schmiedet.

Walther und Gisela müssen sich entscheiden, ob ihre Zukunft im Ideal eines demokratischen Deutschlands oder unter der Geißel der Aristokratie liegt. Oder ob sich ihre Wünsche in ihrer Heimat gar nicht erfüllen können ...

"Eine der aufregendsten Aufgaben"
Statement von Produzent Andreas Bareiss

Aus einem monumentalen, Ozeane überwindenden Abenteuerroman einen Historienfilm für einen Spielort und einen historischen Moment erlebbar zu machen, war eine der aufregendsten Aufgaben als Produzent überhaupt. Die Herausforderung bestand darin, die ausschweifende Handlung so zu verdichten, dass wir mit den Figuren auf engstem Raum leben, sie verstehen und uns angezogen fühlen. Den Film auf den wesentlichen Gedanken zu konzentrieren, so dass unsere Protagonistin nur den einen Wunsch hat, nicht dem willkürlichen Zwang durch den Willen eines anderen oder einer anderen unterworfen zu sein. Dieser Konzentration haben wir alle kreativen Produktionsentscheidungen angepasst.

"Eine wunderbare Zeitreise in eine andere, vergangene Welt"
Statement von Regisseur Christoph Schrewe

Als ich das Angebot für "Das goldene Ufer" bekam, hatte ich gerade zwei Jahre Beschäftigung mit den Renaissancefürsten der Familie "Borgia" hinter mir. Von der Renaissance in den untergehenden Feudalismus von 1825 – was für eine Gelegenheit zu erforschen, wie der Freiheitsgeist der Renaissance verkümmerte und doch im Aufschwung der Bürgerlichen, dem Traum von einer demokratischen Revolution im fernen, freien Amerika, wiederbelebt wurde.

Ich liebe es, historische Filme zu drehen, da sie immer etwas Besonderes sind, sowohl inhaltlich als auch technisch. Für "Das goldene Ufer" haben wir lange am visuellen Stil des Films gefeilt. Der Film sollte aussehen wie aus einer anderen Zeit, wie von einem Maler gemalt. Also haben wir, der Kameramann und die Ausstatterin, uns bei den Bildern um eine gewisse Patina bemüht. Besonders die Beleuchtung war entscheidend. Wir haben beispielsweise fast alle Nachtszenen mit echten Kerzen beleuchtet, um dem Licht der Gemälde von beispielsweise Caspar David Friedrich oder J.M.W. Turner nahezukommen.

Gleichzeitig haben wir dann in diesen Gemälden die Kamera sehr modern und heutig bewegt, dicht an den Charakteren und Ihren Emotionen.

Auch bei den Kostümen hat sich der italienische Kostümbildner unglaubliche Mühen gegeben, den Gemäldecharakter zu unterstreichen, er ist durch ganz Europa gereist um die richtigen Stoffe und Kostüme zu finden.

Wenn dann alles zusammenpasst, das Kostüm, das Licht und das Setting, dann entstehen magische Momente, die uns den Zugang in die Vergangenheit gestatten.

Das Leben im Jahr 1825 mit seinen starren, einzwängenden, aber auch haltgebenden Standesregeln ist so fern von unserem heutigen – die Herausforderung dieses Films bestand in meinen Augen darin, dem Zuschauer die Realität einer vergangenen, fremden Zeit spüren zu lassen – und doch auch zu zeigen, dass das Aufbegehren der Magd Gisela, des Knechts Walther so fern von uns gar nicht ist. Auch heute hat man immer wieder mit Bedingungen zu tun, die schwierig sind oder auch mit Veränderungen in unserer Lebenswelt.

Die Frage ist immer, wie wir damit umgehen. Anpassung an die herrschenden Umstände oder den ganz eigenen Träumen folgen? Wann bin ich frei – wenn ich Schutz bekomme und versorgt werde, dafür aber gefährliche eigene Gedanken beiseiteschieben muss? Oder wenn ich in Freiheit mein Leben wage? Welchen Preis fordert Freiheit? Diese Fragen sind auch heute noch so relevant wie für Gisela und Walther ...

So ist "Das goldene Ufer" ein Film über eine große Liebe geworden, ein nachdenklicher Film über das Streben nach Glück und eine wunderbare Zeitreise in eine andere, vergangene Welt.

"Die Kostüme waren ein Erlebnis"
Interview mit Miriam Stein und Volker Bruch

Wie sind Sie auf das Projekt "Das goldene Ufer" aufmerksam geworden?

Volker Bruch: Florian Oeller, der Drehbuchautor, ist ein Freund aus der Schulzeit und hat mir von dem Projekt erzählt.

Miriam Stein: Er wusste aber gar nicht, dass wir zu dem Casting eingeladen waren. Da sind mehrere Zufälle zusammengekommen. Das Casting war sehr lustig. Christoph Schrewe ist ein unglaublich positiver Mensch. Diese positive Energie ist beim Casting sofort auf uns übergeschwappt.

Ihr steht ja öfter gemeinsam vor der Kamera. Sucht ihr gezielt nach gemeinsamen Projekten?

Stein: Lustigerweise liegt das ja gar nicht in unserer Hand. Das ergibt sich immer so. Ich kann nur sagen, ich arbeite gerne mit Volker zusammen, weil ich finde, dass er ein guter Schauspieler ist.

Bruch: Bei diesem Film kannten nicht nur wir beide uns, sondern auch Trystan Pütter, mit dem ich auf die Schauspielschule gegangen bin. Das ganze Projekt ist eine sehr familiäre Veranstaltung.

Frau Stein, können Sie uns etwas über die Rolle der Gisela erzählen?

Stein: Gisela nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie reflektiert nicht, sie sagt sofort in dem Moment, was sie empfindet, was sie ungerecht findet. Das finde ich einen unglaublich guten Zug, der aber zu der Zeit ungemein gefährlich war. Ohne Walther hätte sie sich wahrscheinlich noch mehr Probleme eingehandelt. Sie hört zwar nicht auf ihn, aber er bremst sie immer noch ein bisschen. Vielleicht ist sie ihrer Zeit voraus. Ich finde sie eine sehr aktive und mutige Figur. Mein Ansatz bei ihrer Entwicklung war, sie am Anfang etwas zaghafter darzustellen und dann immer stärker zu werden. So, dass sie nicht gleich in der ersten Szene mit Inbrunst sagt: "Mann, das ist so ungerecht!" Also haben wir versucht, das am Anfang aus einer Naivität spielerisch darzustellen. Und dann wird es zu einer Idee, die durch die gesellschaftlichen Entwicklungen bestärkt wird. Das finde ich das Schöne an unserem Beruf: sich wahnsinnig viele Gedanken darüber zu machen, in welche Richtung man gehen will. Da ist Christoph ein guter Regisseur. Wir haben zwei komplette Nachmittage mit ihm am Drehbuch gesessen und durften viele Vorschläge einbringen. Er hat schon im Vorfeld sehr mit uns zusammengearbeitet.

Was hat es damals bedeutet, Frau zu sein? Gibt es da Parallelen zur heutigen Zeit?

Stein: Grundsätzlich war man damals als Frau schlimmer dran. Aber der auffälligere Unterschied war in meiner Wahrnehmung das damalige Zweiklassensystem. Das gibt es leider auch heute noch, aber es äußert sich anders. Insofern habe ich bei diesem Film gar nicht so sehr über die Rolle der Frau in dieser Zeit nachgedacht, sondern eher über den Stand. Darüber, was es bedeutet, adelig zu sein oder nicht. Walther ist zwar ein Mann, aber es geht ihm nicht viel besser als Gisela.

Bruch: Es gibt wahrscheinlich die zwei Optionen: Entweder man richtet sich ein und ist mit der Situation zufrieden oder man verändert aktiv etwas. Walther sieht anfangs keine Notwendigkeit für diese Veränderung. Gisela und Walther müssen viel arbeiten, aber sie haben genug zu essen, es geht ihnen gut. Gisela ist viel mutiger. Sie ist nicht nur eine Maulheldin, sie tut auch etwas.

Herr Bruch, können Sie uns etwas über Walther erzählen?

Bruch: Walther ist zunächst einmal konservativ veranlagt. Er hat sich in seiner Position ganz gut eingerichtet und hat sogar Karriereaussichten als Verwalter.

Er stellt das System nicht infrage, weil er sich darin ganz gut bewegt. Gisela bringt das ganz schön ins Wanken, indem sie das System von Grund auf in Frage stellt. Sie öffnet ihm den Blick auf die Realität. Dieser Wahrheit kann er sich nicht entziehen.

Stein: Wobei für mich als Frau die Liebe das zentrale Thema ist. Gisela kämpft für etwas, merkt aber, dass es ohne Walther keinen Sinn macht. Er will keine Revolution, aber wenn sie nicht da ist, macht es auch für ihn keinen Sinn.

Bruch: Beide kommen zu demselben Schluss – nämlich, dass sie den anderen gehen lassen müssen. Die Zweisamkeit der beiden hat keine Abhängigkeit, sondern eine unglaubliche Freiwilligkeit.

Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle vorbereitet?

Stein: Der Austausch mit Regisseur Christoph Schrewe war Gold wert. Ich habe nicht so viel zeitlich recherchiert. Die Probleme, die die Figur hat, die musste ich aus heutiger Sicht nachvollziehen können. Insofern versuchte ich eher zu schauen, was das mit mir heute zu tun hat.

Bruch: Die Vorbereitung war sehr Text- und Drehbuchbezogen. Wir haben geschaut, dass Konflikte gut funktionieren und dass die Texte einem über die Lippen gehen. Da gibt es ja immer die Frage, wie sehr man sich auf die Sprache des Buches verlässt und wie sehr man sich anpassen will.

Stein: Wir hatten einen super Sprach-Coach. Sie hatte Ideen für altertümliche Wörter, so dass man diese Zeit als Zuschauer spürt, aber trotzdem nicht aussteigt, weil man denkt: "Die reden wie in einem alten Theaterstück."

Es gibt aber auch ein paar actiongeladene Szenen, wie waren die für Euch?

Stein: Ich mag Action-Tage. Ich hatte ein bisschen Angst vor der Kälte im Wasser, aber es ging ganz gut. Es gab heiße Becken für uns, in die man sich setzen konnte, nachdem man im Fluss war. Am beängstigendsten fand ich die Szene, in der Gisela im Fluss untergeht. Da hatte ich Gewichte am Gürtel und in der Hand, die mich runterziehen und die ich zum Auftauchen schnell loslassen sollte. Die Szene wurde in einem Take gedreht: Ich sinke ab und Volker taucht nach. Es ist ein unheimliches Gefühl, wenn man mit Gewichten am Bauch sinkt und es kommt noch das Gewicht des Kleides dazu. Ich bin eine gute Schwimmerin, aber das hat mich wirklich runtergezogen.

Für Volker war es gar nicht so leicht, mich zu packen. Es war eine Art eine Vertrauensübung: Rettet er mich, oder rettet er mich nicht?

Welche Rolle haben denn das Kostüm und das Szenenbild gespielt? Der Drehort in Prag war ja sehr besonders und atmosphärisch.

Bruch: Das war super. Es ist schon toll, wenn man an Orte kommt, die selber schon eine Geschichte haben. Da muss man sich einfach nur reinstellen. Auch die Kostüme waren ein Erlebnis.

Stein: Gisela hat eigentlich nur ein Kleid, sie wechselt vielleicht mal die Schürze. Diesen Prozess finde ich ganz spannend, wenn man sich überlegt, wie das Kleid aussieht, wenn man nur ein Kostüm im ganzen Film hat. Mit dem, worauf wir uns dann geeinigt haben, war ich sehr zufrieden – das hilft. Und man hat auch eine andere Körperhaltung in dem Kleid und den Schuhen.

Bruch: Auch das Reiten war aufregend. Es gab diese Szenen, in denen ich galoppieren musste. Mein Pferd war ein Vollblüter, von Take zu Take wurde er schneller. Ich konnte ihn fast nicht mehr bremsen.

Gibt es denn von den Dreharbeiten ein besonderes Erlebnis, das ihr mitnehmt?

Stein: Das, was erstaunlich war, ist der Ruß! Wir hatten viel Kerzenlicht und alle immer komplett schwarze Nasenlöcher. Die Nase und die Haut waren schwarz und das Kostüm wurde immer dunkler. Dessen ist man sich nicht so bewusst, man sieht nur das schöne Licht und die Kerzen. Das ist mir extrem in Erinnerung geblieben.

Bruch: Es war jeden Tag aufregend, an das Set zu kommen. Das ist natürlich toll, wenn man früh um sechs in der Innenstadt in Prag an einen Platz kommt, an dem alles Moderne fehlt, der komplett mit Stroh bedeckt ist und überall altertümliche Stände aufgebaut sind. Das sind schöne Überraschungen.

Könnt Ihr zum Abschluss in ein bis zwei Sätzen den Film beschreiben?

Bruch: Es ist ein Film über das Aufkeimen einer Realität, die man dann nicht mehr leugnen kann. Eine Realität, die immer größer wird und einen zu Handlungen zwingt, die vielleicht unüberlegt oder dumm sind, aber die in letzter Konsequenz keine Alternative bieten.

Stein: Das stimmt, sowohl auf der politischen Ebene, als auch bezüglich der Liebessituation. Sowohl zwischenmenschlich, als auch gesellschaftlich und politisch, kommen sie an einen Punkt, an dem sie nicht mehr wegsehen können. Das, finde ich, ist das Moderne an der Geschichte. Es geht uns heute, gerade in Deutschland und Österreich, irrsinnig gut. Aber Machtstrukturen gibt es immer. Insofern kann man viele Anknüpfungspunkte finden, auch in den Konflikten, die die beiden haben.

"Das gibt es alles wieder"
Interview mit Ulrike Folkerts und Walter Sittler

Was hat Sie an dem Projekt gereizt?

Folkerts: Da haben viele Dinge zusammengepasst – ein historischer Stoff, eine Gräfin zu spielen, die Besetzung und der Regisseur – so dass ich gesagt habe: das muss ich machen und ich habe nicht lange gezögert. Es war eine schöne Aufgabe für mich.

Sittler: Ich bekam die Rolle angeboten und als ich gehört habe, dass Ulrike Folkerts als Gräfin mitspielt, fand ich das schon sehr schön. Mir hat auch die Rolle gefallen: ein etwas altmodischer Herr, der mit der neuen Zeit nicht so recht zu Rande kommt und versucht, so ehrlich wie möglich zu sein.

Frau Folkerts, können Sie uns etwas über Ihre Figur erzählen?

Folkerts: Ich fand es spannend an der Figur, dass sie in dieser Zeit lebt, in der die Revolution spürbar im Anbruch ist: Die Herrschenden fühlen sich bedroht, die Geschäfte sind bedroht, man weiß nicht so recht, was passieren wird und man sucht eine gute Partie für den Sohn, damit man sich auf der Standesebene absichern kann. Diese Frau hat sehr große Angst, ihren Stand zu verlieren und ihre Art damit umzugehen, ist einfach die, ihre Machtposition auszuüben. Sie haut durchaus mal jemandem eine runter, droht oder schreit, statt sachlich zu diskutieren.

Sittler: Und das ist etwas, was es heute noch gibt. Das hat sich nicht geändert, da werden Leute ganz merkwürdig.

Was hat es damals bedeutet, eine Frau zu sein?

Folkerts: Elfredas Rolle ist natürlich nicht so richtig vergleichbar mit der einer normalen Bürgerin. Elfreda hat das Glück, dass sie gut geheiratet hat und dass sie im weitesten Sinne auch einen Job hat. Sie schmeißt den ganzen Laden, sie hat wahnsinnig viel Personal das macht, was es will. Das betrifft das ganze Haus. Nur die Geschäfte nach außen tätigt der Mann und in die wird sie auch nicht einbezogen.

Elfredas Gegenpart ist Gisela. Können Sie den Konflikt zwischen den beiden beschreiben?

Folkerts: Gisela ist schon länger bei Elfreda und die kennt Gisela so gut, dass sie weiß, dass Gisela immer schon ihren eigenen Kopf hat. Sie glaubt, sie muss auf Gisela besonders aufpassen. Das tut sie, indem sie sie auch bei einer Lappalie hart bestraft. Sobald Gisela aufsteigt, drückt Elfreda sie wieder nach unten.

Herr Sittler, können Sie uns die Rolle des Grafen von Rennitz beschreiben?

Sittler: Rennitz gehört zu den Leuten, die in einer langen Familientradition stehen, er hat geerbt und ist – in einem guten Sinne – sehr konservativ. Er weiß, dass etwas geändert werden muss, hat aber Angst vor der Revolution. Er möchte die bestehenden Zustände erhalten, reagiert dabei aber anders als seine Ehefrau, die einen sehr autoritären Umgang mit den Angestellten hat. Der Konflikt, den er hat, ist eher ein Konflikt mit seinem Sohn, der sich nicht so entwickelt, wie er sich das wünscht. Wenn aus dem Sohn nichts wird, gehen der ganze Hof und die Dynastie zu Grunde. Da geht es um alles.

Folkerts: Wobei sich die beiden Eheleute wegen des Sohnes schon manchmal in der Wolle haben. Sie würde für ihn eine ganze Menge tun – obwohl Diebold ein kleines, hinterlistiges Ding ist. Er kämpft um des Vaters Anerkennung und macht aber permanent das Falsche. Das sind richtig gut beschriebene, komplizierte Charaktere, die man psychologisch durchleuchten kann.

Sittler: Es sind hilflose Charaktere. Sie handeln, obwohl sie eigentlich hilflos sind. Das schlägt natürlich in alle möglichen Richtungen aus. Wie das in der Revolution so ist: Die, die bedroht sind, schlagen um sich.

Welche Bedeutung haben die Ideale des Vormärz in unserer heutigen Gesellschaft?

Sittler: Wenn man sich einer bestehenden Ordnung nicht widersetzt, die sich, aus der Überzeugung heraus, die man hat, in die falsche Richtung entwickelt, ändert sich nichts. Die Methoden sind heute noch dieselben wie vor 100 Jahren, wie vor 200 Jahren, wie vor 500 Jahren. Das ist ein unsterbliches Thema: Wenn die, die keinen Platz und keine Würde mehr haben, nicht aufstehen, ändert sich nichts. Wenn wir glauben, wir leben heute im Paradies, so ist das ein Irrtum. Wir leben sehr gut und man darf auch die Vorteile des Kapitalismus und der Marktwirtschaft, die wir haben, nicht unterschätzen. Aber man darf die Nebenwirkungen nicht verdrängen und die sind enorm. Wie bei allen Systemen, die aus dem Gleichgewicht geraten. Und das System war damals eben auch aus dem Gleichgewicht geraten. Die Mächtigen haben die Entwicklungen der Zeit verschlafen, sie nicht wahrhaben wollen. Genau dann kommt es zu Revolution oder Umstürzen und Aufregungen.

Folkerts: Junge Menschen und Frauen haben heute ganz andere Chancen als damals. Trotzdem gebe ich Walter Recht. Wenn Menschen Macht haben, nutzen sie die, um ihren Reichtum zu schützen und die Leute, die auf deren Kosten ausgebeutet werden, werden irgendwann aufstehen, ihre Länder verlassen. Das haben wir jetzt – es gibt riesige Flüchtlingsströme, die nach Europa wollen. Das gibt es alles wieder.

Wie ist es einen Kostümfilm zu drehen? Haben Sie sich denn besonders mit der Zeit des Vormärz beschäftigt?

Folkerts: Das war einer der Reize für mich: in eine andere Zeit schlüpfen und sich komplett verkleiden. Wir hatten einen wunderbaren Kostümbildner, Sergio Ballo, der sich wahnsinnig reingekniet hat, um für die Figuren entsprechende Klamotten zu zaubern, die den Charakter unterstützen. Das hilft natürlich dabei, eine Figur zu finden. Es verändert sich der eigene Gang. Dem Regisseur Christoph Schrewe ging es auch sehr darum, die damalige Sprache richtig zu erfassen. Es gibt Unterschiede, wie die Angestellten reden und wie die Gräfin mit ihrem Grafen redet. Er hat das ziemlich genau geprüft und ins Buch eingearbeitet. Natürlich denkt man auch darüber nach, wie es damals gewesen ist – wie die Leute damals gelebt haben, wie alt man damals geworden ist, was das Ziel in dieser Gesellschaft war. Man fängt an, sich für diese Zeit zu interessieren und das hat mir großen Spaß gemacht.

Sittler: Durch die 15 Jahre am Theater hatte ich schon häufiger alle möglichen Kostüme an, das ist sehr schön. Denn, wie Ulrike sagte, verändert es einen, wenn man ein historisches Kostüm trägt. Eine Kostümbildnerin hat einmal gesagt, "was du anhast, das brauchst du nicht zu spielen." Das stimmt auch.

Wie waren die Dreharbeiten in dem alten Schloss in der Nähe von Prag?

Folkerts: Das Schloss war wahnsinnig gut und toll ausgestattet. Die Komparsen waren alle sehr diszipliniert, die haben das großartig mitgetragen und die Atmosphäre in dem Schloss mitgezaubert. Es waren lauter Kerzen angezündet und wir alle hatten rußige Nasenlöcher, aber das Licht war wunderschön! Da haben wirklich viele Departments alles gegeben. All das brauchte der Film, um atmosphärisch so stark zu werden, wie er jetzt geworden ist.

Sittler: Und man hat auch diese unglaublichen Figuren, die nicht so gleichgebürstet sind. Leute, von denen man denkt, man findet sie bei uns nur noch im Hinterwald. Das war sehr beeindruckend – eben wie auf alten Gemälden. Wenn man einen Kutscher hat, der im Regen einfach sitzen bleibt mit seinem Hut, dann macht das die Atmosphäre sehr stimmig. Das war beeindruckend und verändert die Haltung, die man selber hat.

Können Sie den Film kurz beschreiben?

Folkerts: Eine Liebesgeschichte! Nein, es ist natürlich viel mehr.

Sittler: Letztlich sucht ein junges Paar unter Führung des Mädchens die Freiheit und setzt das Leben dafür aufs Spiel. Sie ist aber die Führende, sie ist treibende Kraft und er lässt sich mitreißen.

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