Jella (Maren Kroymann). Fotocredit: ZDF/Hendrik Heiden
Jella (Maren Kroymann). Fotocredit: ZDF/Hendrik Heiden

Jella jagt das Glück

Herzkino mit Maren Kroymann

Frisch pensioniert ziehen Jella und Klaus nach Bayern – ganz in die Nähe ihrer drei erwachsenen Kinder. Doch keiner in der Familie hat sonderlich viel Zeit für Jella übrig. Da hilft in ihren Augen nur eins: Sie braucht Enkel. Leider machen ihre Kinder allerdings keine Anstalten, Nachwuchs in die Welt zu setzen...

  • ZDF, Sonntag, 27. August 2017, 20.15 Uhr

Texte

Stab

Buch    Sebastian Orlac
Regie    Enno Reese
Kamera   Daniel Schönauer  
Musik Sebastian Peter Bender, Martin Rott
Produktion    Neue Bioskop Television GmbH
Produzent    Dietmar Güntsche, Christian Balz
Redaktion    Heike Lagé
Länge    ca. 89 Minuten

Besetzung

Jella                        Maren Kroymann
Klaus     Rudolf Kowalski 
Hilke    Valerie Niehaus   
Franz           Martin Lindow
Momme            Oliver Wnuk
Rudi    Frederic Linkemann
Fine       Amelie Plaas-Link
David   Bert Tischendorf
Schorsch     Winfried Frey
Gerda     Hedi Kriegeskotte
Judith       Grit Paulussen
Frau Huber        Marlene Morreis
Gundi    Barbara Bauer  
Prof. Dornhagen       Stefan Merki
Sprechstundenhilfe    Teresa Rizos
Masseurin         Mirjam Kendler
und viele andere

Kann das Glück erjagt werden? - Statement von Redakteurin Heike Lagé

Lebensnah, weise und unterhaltsam eröffnet "Jella jagt das Glück" den komödiantischen Reigen dieser "Herzkino"- Saison und geht der Frage auf den Grund, ob das Glück erjagt werden kann, oder ob es doch eher ein Geschenk ist, das errungen und wahrgenommen werden muss. Damit ist es eins der "Herzkino"-Einzelstücke, das sich zu einem starken Alltagsbezug bekennt und unter Nutzung der tradierten Erzählmomente einen vergnüglichen Sonntagabend bereiten will.

Sich im Ruhestand neu zu definieren, Beschäftigung und Bestätigung zu finden, ist eine der großen Herausforderungen dieser Lebensphase, die jeder Zuschauer irgendwann meistern muss. Und so gerät die Protagonistin – wunderbar gespielt von Maren Kroymann – in eine Art Jagdfieber, welches Ideen für familiäre Zusammengehörigkeit und Beschäftigungsmöglichkeiten hervorbringt, die so überbordend sind, dass sie drohen, die Familie auseinanderzutreiben. Da kann nur die Familie helfen.

Heike Lagé
HR Fernsehfilm / Serie II

Inhalt

Frisch pensioniert zieht es die Nordlichter Jella und Klaus Petersen nach Bayern – ganz in die Nähe ihrer drei erwachsenen Kinder Hilke, Fine und Momme. Besonders Jella freut sich, endlich viel Zeit mit ihnen verbringen zu können. Und auch Ehemann Klaus soll nicht zu kurz kommen und mit zahlreichen romantischen Stunden zu zweit bedacht werden.

Aber da hat Jella die Rechnung ohne ihre Familie gemacht: Klaus stürzt sich lieber in ein neues berufliches Abenteuer, die Kinder leben längst ihr eigenes Leben – und in dem wollen sie für ihre Mutter nicht so recht Platz schaffen. Für Jella bleibt also nur noch die Beschäftigung mit Freundin Gerda. Doch dass sie ihre Tage fortan mit Tai Chi, Töpfern und Tolstoi ausfüllen soll, passt der Power-Frau gar nicht in den Kram.

Erst als sie Gerda im Umgang mit deren Enkelkindern erlebt, scheint die Lösung für Jellas Misere auf der Hand zu liegen: Sie will selbst Großmutter werden! Immerhin könnte sie mit ein paar kleinen Wonneproppen wunderbar ihre Freizeit verbringen. Da ihre Kinder allerdings keine Anstalten machen, Nachwuchs in die Welt zu setzen, sieht sich Jella gezwungen, ihnen etwas auf die Sprünge helfen.

Doch als aus ihren gut gemeinten Tipps langsam üble Tricks werden, gehen Hilke, Fine und Momme zunehmend auf die Barrikaden. Schließlich kommt es zum großen Eklat, bei dem auch Klaus Jella vorwirft, zu weit gegangen zu sein. Da flieht Jella in die regnerische Nacht und sucht Unterschlupf bei Schorsch, mit dem sie so wunderbar reden kann ...

"Das Leben ist generell ein Langzeit-Projekt" – Interview mit Maren Kroymann

Jella hat eine To-do-Liste fürs Alter erstellt – besitzen Sie auch so etwas?

(lacht) Also, To-do-Listen führe ich mein ganzes Leben lang. Und da ich seit etwa Mitte 30 das Gefühl habe, ich werde älter, suche ich mir seitdem Dinge aus, die ich gerne machen möchte, beruflich und privat. Witzigerweise steht auf Jellas Liste zum Beispiel Tai Chi – was ihr dann überhaupt nicht gefällt. Ich hingegen praktiziere schon ganz lange Qigong. Eine To-do-Liste speziell fürs Alter brauche ich im Moment nicht, weil ich als freiberufliche Schauspielerin noch voll berufstätig bin. Das hätte ich mir ja nie träumen lassen – dass ich als Frau mit fast 68 noch so viel zu tun haben würde. Darüber freue ich mich natürlich total.

"Alt werden muss man lernen", sagt Jellas Freundin Gerda. Wie siehen Sie das?

Ich mache mir Gedanken übers Älterwerden, aber nicht erst seit kurzem. Eigentlich ist schon mein ganzes Leben aufs Älterwerden eingestellt – ich finde, das Leben ist generell ein Langzeitprojekt. Und je früher man damit anfängt, sich zu überlegen, wie's im Alter sein wird, desto besser. Insofern ist das für mich gar kein besonderer Einschnitt, sondern ich lebe einfach so weiter wie seit vielen Jahren.

Jellas jüngste Tochter Fine bezeichnet ihre Eltern als Stalker. Wieweit dürfen sich Eltern ins Leben ihrer Kinder einmischen?

Natürlich sind Eltern viele Jahre lang für das Leben ihrer Kinder verantwortlich oder mitverantwortlich. Eine schwierige Frage, zu entscheiden, wann man sich als Eltern zurückzieht. Ich glaube, es ist aber sehr wichtig, irgendwann die Entscheidung zu fällen, dass man nicht ein Leben lang Zugriff auf seine Kinder hat oder Anspruch darauf, dass sie den Eltern nahebleiben. Wir beschweren uns ja immer, und auch zurecht, über diese Kinder, die ewig bei ihren Eltern wohnen bleiben. Andererseits ist es die Frage, ob die Eltern loslassen – ich glaube, das ist das Schwerste überhaupt.

Kinder zu haben, ist heute gar nicht mehr so selbstverständlich, sondern eine bewusste Entscheidung der Frauen. Früher haben sie einfach Kinder gekriegt. Und mein Eindruck ist, dass sich die Mütter heute mehr auf ihre Kinder "draufsetzen" als früher. Meine Mutter hatte fünf Kinder, die konnte sich gar nicht auf jedes einzelne so "draufsetzen".

Wie haben Sie sich denn abgenabelt?

Ich habe mich ziemlich früh ganz gut abgenabelt. Nach dem Abitur – ich war gerade 18 – bin ich für ein Jahr in die USA gegangen. Unterstützt von meinen Eltern, besonders von meiner Mutter, die wusste, das Kind muss jetzt mal selbstständig werden. Anschließend hab' ich noch zwei Jahre in Tübingen studiert und bei meinen Eltern gewohnt, aber dann war ich endgültig weg. Meine Eltern fanden es normal, dass ich, dass ihre Kinder irgendwann weg sind.

Also, ich hatte schon die Neigung, es zuhause sehr, sehr schön zu finden. Aber irgendwie war mir auch klar, dass ich wegmusste von dieser Elterngeneration. Es war Anfang der 70er-Jahre, Studentenbewegung, Revolte. Das frühe Abnabeln war eine große Hilfe, und es hat das Verhältnis zu meinen Eltern überhaupt nicht beschädigt. Eher im Gegenteil, ich bin immer sehr gerne nach Hause gekommen und hatte bis zum Tod meiner Eltern ein sehr gutes Verhältnis zu ihnen.

Jella möchte immer nur das Beste für ihre Familie, trotzdem driftet alles auseinander. Was macht sie falsch?   

Jella ist eine Frau, die daran gewöhnt ist, zu bestimmen und deshalb meint sie, sie kann eben alles bestimmen. Und das ist falsch. Sie denkt, sie ist so wichtig und so fürsorglich und so perfekt, dass sie auch im Leben ihrer Kinder alles bestimmen und alles in die Wege leiten muss. Zum Beispiel, dass ihre Kinder jetzt endlich Kinder kriegen, damit sie Großmutter wird. Eigentlich denkt sie ein bisschen, sie ist der liebe Gott. Sie war Lehrerin, damit hängt wohl  ihre Strukturiertheit zusammen. Ihr Verhalten ist das einer durchaus emanzipierten Frau, die nicht passiv alles mit sich geschehen lassen will. Das ist die positive Seite. Andererseits merkt sie nicht, wo diese Kontrolle aufhören muss, auch bei einer emanzipierten Frau. Ihre Kinder müssen ihre eigenen Leben führen.

... so wie Jellas Sohn Momme, der in einer homosexuellen Partnerschaft lebt – kein Problem für Jella und die Familie.

Ich finde es sehr schön, dass Mommes homosexuelle Beziehung so selbstverständlich gezeigt wird und das auch gar nicht weiter thematisiert wird. Aber ich weiß sehr wohl, dass es in unserer Gesellschaft nicht selbstverständlich ist. Auch in aufgeklärten Kreisen herrscht eher die Tendenz – wenn der Sohn oder die Tochter sich outet – muss das sein? Was hab ich falsch gemacht? Warum ist der Sohn jetzt schwul geworden? Ablehnung gibt es noch in allen möglichen Schichten der Gesellschaft, auch in den gebildetsten Kreisen. Und alles unter einer politisch korrekten Fassade, die wir gelernt haben, anzunehmen – und das ist auch gut so, um einen berühmten schwulen Politiker zu zitieren. Ich bin absolut dafür, dass diese politische Korrektheit uns eine Sicherheit gibt.

Ist unsere Gesellschaft nicht mittlerweile toleranter geworden – auch angesichts des Bundestagsbeschlusses der "Ehe für alle"?

Also, ich selber wollte ja nie heiraten. Meiner Beobachtung nach begünstigt die Ehe tendenziell eine Schieflage zwischen zwei Menschen. Aber trotzdem habe ich mich sehr gefreut über die Öffnung der Ehe für Homosexuelle, denn es ist ein Riesenschritt in Richtung Gleichstellung. Wir dürfen nicht vergessen, dass hinter dieser Fassade der Liberalität, noch sehr viel Vorurteil steckt. Es ist noch lange nicht selbstverständlich, dass in unserer Umgebung, in unserer Familie, unserem Freundeskreis Menschen homosexuell sind. Und Homophobie ist weit verbreitet, die AfD spricht sich gegen Homosexualität aus, und jemand wie die allseits beliebte Fürstin Gloria von Thurn und Taxis sagt öffentlich, da hilft nur Beten. All das sollten wir nicht vergessen, wenn diese Beziehung im Film so selbstverständlich dargestellt wird.

In Erinnerung an früher gehen Jella und ihr Mann Klaus spontan tanzen. Haben Sie diese Szenen gefürchtet oder lieben Sie das Tanzen?

Also, die Tanzszene in der Disco haben wir überhaupt nicht geprobt. Rudolf Kowalski, der meinen Ehemann Klaus spielt, hatte im Vorfeld immer gesagt: "Ahh, diese Tanzszene..." Er hat sich wohl nicht besonders darauf gefreut. Beim Drehen haben wir dann einfach losgelegt, wie wir uns gefühlt haben, und auf einmal schmeißt er sich rein und ist ein begnadeter Tänzer. Auch wenn er sich vorher ein bisschen geziert hat – er war großartig, es hat so einen Spaß gemacht. Es kam einfach aus unseren Körpern. Ich bin kein Disco-Typ und gehe nicht oft tanzen, aber ich tanze sehr gerne, und wenn man beruflich tanzen darf, finde ich das ein großes Privileg.

"Ich habe mich von meinen Eltern abgenabelt" – Interview mit Valerie Niehaus

Sie spielen Jellas älteste Tochter Hilke – was läuft aus Ihrer Sicht schief in der Familie?

Ich glaube, die Petersens machen fast alles richtig, sie haben nur ein Problem mit ihrer Kommunikation. Da wird viel Rücksicht auf Dinge genommen, von denen man glaubt, dass der andere sie so haben will, ohne aber wirklich zu fragen. Das gibt es in ganz vielen Familien, denke ich. An unserer Film-Familie gefällt mir aber, dass alle in der Lage sind, wieder einen Weg zueinander zu finden, wenn das Problem dann auf dem Tisch liegt. Mit allen Schwierigkeiten natürlich. Ich finde, die Petersens sind eigentlich ganz gesund, haben sich aber ein bisschen verloren. Meine Rolle war für mich ein interessanter Perspektivenwechsel, denn als Hilke bin ich die Älteste, als Valerie dagegen die Jüngste zuhause.  

Was würden Sie als Valerie anders machen als Hilke?

Oh, jede Menge: Hilke möchte nie da sein, wo sie ist. Hilke will immer gleich weg zur Arbeit und ist unheimlich angespannt. Sie kann sich nur gernhaben, wenn sie sich in ihre Arbeit flüchtet. Und sie glaubt, ihre Mutter will sie in einer bestimmten Art und Weise haben. Andererseits will Hilke ihr Leben auch nach ihrer eigenen Vorstellung leben. Und diese Angespanntheit ist die ganze Zeit in ihr zu spüren. Also, das habe ich nicht.

Hilke kann keine Kinder bekommen, Sie sind selbst Mutter – wie denken Sie über all die medizinischen Möglichkeiten, Frauen zu Kindern zu verhelfen?

Ich glaube, die schwierigste Aufgabe liegt darin, die richtige Entscheidung für sich selber zu treffen und sich nicht an irgendwelchen Trends zu orientieren, nicht an der Meinung der Freundin oder der Mutter, die vielleicht gerne ein Enkelkind hätte, so wie Jella. Es ist wunderbar, dass die Medizin all diese Dinge für uns in der Forschung gefunden hat, aber es ist eben eine selbstverantwortliche Entscheidung, die zum eigenen Leben passen muss. Man muss über sehr vieles nachdenken, und ich denke, es ist nicht für jeden das Richtige, einfach die Möglichkeiten zu nutzen, nur weil es geht. Aber dass es diesen Reichtum an Wissenschaft überhaupt gibt, ist eine Errungenschaft, die wir zu schätzen wissen sollten.  

Gehört ein Kind zum Glücklichsein dazu?

Da ich eins habe, weiß ich nicht, wie es anders wäre. Mich hat es sehr glücklich gemacht, aber ich habe viele sehr glückliche Freunde, die keine Kinder haben. Ich glaube, das ergibt sich individuell. Zu einem glücklichen Leben gehören vor allen Dingen der Mut und die Kraft, es zu gestalten und zu strukturieren. Ob das eine Familie mit Kindern ist oder ohne Kinder, ist dann wohl eher zweitrangig.

Im Film geht es auch ums Erwachsenwerden – wie haben Sie sich damals von Ihren Eltern abgenabelt?

Das hat sehr lange gedauert. Heute bin ich mit meinen Eltern wieder in einem engeren Kontakt als ich es eine ganze Weile – sicher 15 oder 20 Jahre – gewesen bin. Heute begegnen wir uns auf Augenhöhe, als voneinander unabhängige Erwachsene, die viel miteinander teilen und eine große Liebe füreinander haben. Gleichberechtigt also. Dieses Loslassen der engen Bande ist kein leichter Prozess. Das sehe ich schon fast bei meinem eigenen Sohn, der jetzt 16 ist. Nicht zu vergessen die, ich nenn's mal Drehbücher, die für das weitere Leben geschrieben werden. Was wird man? Eifert man dem nach, was die Eltern vorgelebt haben, oder will man ganz anders sein? All das sollte man mit viel Reflexion gesund durchschreiten. Dabei werden sicherlich viele Tränen vergossen. So war das auch bei uns, und ich hab' mich etwas laut von meinen Eltern abgenabelt. Ich bin sehr froh, dass ich heute wieder die leisen Töne gefunden habe.

Ihr Sohn ist jetzt 16, denken Sie manchmal schon an "später"?

Er hat noch eine feste Basis zuhause, aber seine Gedanken, seine Ideen, seine ganze Kraft gehen nach außen, und da bleibe ich schon ein Stück weit zurück. Es gibt Momente, in denen ich diesen Schmerz spüre, auf den ich aber vorbereitet bin und den ich auch aushalten kann – und der ja eigentlich ein Zeichen dafür ist, dass alles gut gelaufen ist. Denn wenn er zuhause bei mir bleiben wollte, wäre das langsam ein bisschen fragwürdig. Er will in die Welt, er will die Flügel ausbreiten, und er will es alleine tun. Er hat Mut und fühlt sich wohl mit sich und in der Welt. Meine eigenen Bedürfnisse schreibe ich dann in mein Tagebuch. Und ich hoffe, er kommt gerne wieder zurück.  Aber jetzt muss er erst mal los, und ich werd' voller Liebe winken. Und heulen.

Fotohinweis

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