Biografien

Prof. Dr. Karl Holzamer

Prof. Dr. Karl Holzamer
Copyright: ZDF/Carmen Sauerbrei

Ehemaliger ZDF-Intendant (1962-1982).

Der Gründungsintendant des ZDF ist am 22. April 2007 im Alter von 100 Jahren in seiner Heimatstadt Mainz verstorben.

Karl Holzamer wurde am 13. Oktober 1906 in Frankfurt am Main gebo­ren. Nach dem Abitur wurde er in die Studienstiftung des Deutschen Volkes aufgenommen und studierte ab 1926 Philosophie, Pädagogik, Psychologie, Romanistik und Germanistik an den Universitäten Mün­chen, Frankfurt am Main, Paris (Sorbonne und Institut Catholique) so­wie der Pädagogischen Akademie Bonn. Karl Holzamer promovierte 1929 in München mit der Dissertation „Der Begriff des Sinnes, darge­stellt am irrealen Sinngebilde bei Heinrich Rickert“ zum Dr. phil. 1931 legte er die Staatsprüfung für das Lehramt an Volksschulen in Bonn und Köln ab. Ab 15. November 1931 war er Assistent der Pädagogischen Abteilung des Westdeutschen Rundfunks (WDR) in Köln. 1932 war Karl Holzamer Volontär-Assistent am Psychologischen Institut der Universität Bonn und wurde nach dem 30. Januar 1933 als jüngstes Betriebsratsmitglied beim WDR (neu: „Reichssender Köln“) nicht entlassen. Vorübergehend war er mit dem Schul- und Jugend­funk beauftragt, dann als Sachbearbeiter für Sprachen und Landwirt­schaftsfunk sowie für konfessionelle Morgenfeiern eingesetzt, die dank ihm vom Kölner Sender bis 1938 übertragen wurden. Und dies, obwohl Holzamer noch 1933 den Aufruf vom Reichsjugendausschuss der Zentrumspartei gegen Unfreiheit und Unterdrückung unterzeichnet hatte. Auch weigerte Holzamer sich standhaft in die HJ und die NSDAP einzutreten.

Über die damals neue Luft­hansa-Linie Köln-Dortmund-Berlin berichtete Holzamer am 19. April 1936 von Bord einer Heinkel 111 in einer der ersten Tonband-Reportagen.

Am 6. November 1939 wurde der Familienvater zur Wehrmacht (Luft­waffe) eingezogen und war während des Krieges als Hörfunk-Berichterstatter im Einsatz, zuletzt als Oberleutnant.

Nach französischer Kriegsgefangenschaft (1945-1946) war Holzamer ab 22. Mai 1946 an der wiederbegründeten Mainzer Johannes Guten­berg-Universität tätig, zuerst als außerordentlicher und ab 1952 als ordentlicher Professor für Philosophie, Pädagogik und Psychologie. Außerdem war er Mitglied im ersten Fernsehrat des ZDF (1962). Mit der Wahl zum Gründungsintendanten des ZDF am 12. März 1962 wurde er von der Universität beurlaubt, im Jahr 1974 emeritiert.

Mitgliedschaften:

Ab 1919 war Karl Holzamer Mitglied im Jugendbund Neudeutschland. Ab 1954 im Ritterorden zum Heiligen Grab zu Jerusalem. Von 1952 bis 1982 war er Mitglied der Deutschen UNESCO-Kommission. Von 1957 bis 1958 war Holzamer Direktor des Studienbüros für Jugendfragen in Bonn und von 1949 bis 1960 Mitglied des Südwestfunk-Rundfunkrates und dessen Vorsitzender. Ab 1950 war Karl Holzamer Mitglied der CDU und war von 1955 bis 1962 im Mainzer Stadtrat. Karl Holzamer ist Förderer der „Aktion Mensch“.

Karl Holzamer war verheiratet und Vater von vier Kindern.

Auszeichnungen und Ehrungen:

1965 Ehrenzeichen des DRK in Würdigung der „Aktion Sorgenkind“
1966Komturkreuz des päpstlichen Gregorius-Ordens
1967 Charles de Gaulle verleiht den „Ordre National du Mérite" (Officier) für Verdienste um deutsch-französische Freundschaft; Bayerischer Verdienstorden;
1968 Gutenberg-Plakette; Wilhelm-Polligkeit-Plakette der Stadt Frankfurt am Main
1970Ehrenplakette des DRK-Mainz in Gold;
1971Ehrenring der Stadt Mainz; Großes Bundesverdienstkreuz; Weinkulturpreis 1971; Holzamer hielt außerdem Laudation auf Carl Zuckmayer (1955), Dr. Franz Mai (1973), Anneliese Rothenberger (1974), Walter Henkels (1978), Bundespräsident a.D. Walter Scheel (1980) und Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl (1988);
1974Orden vom „steyffen Löffel“ – Seligenstadt; Großkreuz päpstl. Gregorius-Orden;
1976 Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern;
1977„Großes Silbernes Ehrenzeichen mit Stern“ (Republik Österreich); ZDF stiftet „Karl-Holzamer-Stipendium“ für Bildungsförderung im ZDF;
1979Ordine „All’ Merito delle Repubblica Italiana“;
1980Wappenteller des Landes Rheinland-Pfalz; Lorenz-Werthmann-Medaille; Adolf-Grimme-Preis;
1981Ettlinger Narrenbrunnen-Preis;
1982Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz;
1983Ehrenbürger der Stadt Mainz; Ehrenring der Eduard-Rhein-Stiftung; Hans-Bredow-Medaille;
1984Großes Bundesverdienstkreuz mit Schulterband;
1986 Hans-Bausch-Media-Preis des Süddeutschen Rundfunks.
Feb. 2004

"Premio Capo Circeo" 2003

 Veröffentlichungen:

1930„Der Thomismus und der Mensch in der Zeit“
1931„Der Begriff des Sinnes“
1947„Grundfragen des neuzeitlichen Humanismus
1947„Christentum und Demokratie“
1947"Einführung in die Philosophie"
1949"Einführung in die Pädagogik"
1951„Grundriss einer praktischen Philosophie: Freiheit, Toleranz, Sittlichkeit, Ressentiment“
1954„Kind und Radio“
1955“Lesen erleben”
1958„Philosophische Blätter zur Berufskunde“
1961„Philosophie – Einführung in die Welt des Denkens“
1966„Das Kind vor Radio und Fernsehen“
1966„Die Verantwortung des Menschen für sich und seinesgleichen“
1967„Fernsehen in Deutschland. Gesellschaftspolitische Aufgaben und Wirkungen eines Mediums“
1969„Kunst und Konfektion im Bereich der Publizistik“
1979„Das Wagnis“
1983„Anders als ich dachte“
2003"Lebensreise zwischen Philosophie und Fernsehen"